DNA im Umfeld der Digitalisierung
DNA im Umfeld der Digitalisierung (Symbolbild)

Der dritte Preis unseres Blog-Schreibwettbewerbs zum Thema Digitalisierung geht an Helena Schamberger Fischer. Herzlichen Glückwunsch! Lesen Sie hier ihren Beitrag. Die erst- und zweitplatzierten Beiträge wurden bereits auf dem Kalaidos Blog publiziert: „Die Kehrseite der Digitalisierung“ von Mirko J. Helbling (Platz 1) und „Kundennähe in Zeiten der Digitalisierung“ von Nathalie Bossi (Platz 2).

Ist Ihnen bewusst, dass die Dynamik der Digitalisierung, respektive der Arbeitswelt 4.0 und Stress direkten Einfluss auf den genetischen Bauplan Ihrer Mitarbeitenden und damit auf ihre Marktfähigkeit hat?

Arbeitswelt 4.0, Stress, Epigenetik und Marktfähigkeit

Die Wirkung der Digitalisierung oder besser der Arbeitswelt 4.0 auf die Menschen ist tiefgreifend und vielschichtig. Die immer schnellere Abfolge der digitalen Entwicklungen, Agilität sowie die Verschmelzung von Arbeits- und Lernprozessen, etc. verlangen von Mitarbeitenden und Organisationen, sich stetig und immer schneller an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Dies hat Folgen, welche Stress auslösen und sogar in die genetische Struktur von uns Menschen eingreifen kann.

Dass toxischer Stress die Leistungsfähigkeit von Körper und Hirn massiv reduziert und binnen Minuten Funktionsänderungen der Wahrnehmung und Aufmerksamkeit bewirkt, ist bekannt (Strelzyk. F. et al., 2012). Unter Stress können wir Menschen regelrecht verdummen, weil die Urinstinkte alle Energie auf die Überlebensfunktionen richten.

Weniger bekannt ist die Erkenntnis aus der Epigenetik (Genom der Entwicklung von Lebewesen), dass sich unsere Handlungs- und Lernfähigkeit sowie unser Verhalten durch gemachte Erfahrungen genetisch verändern (Rappold E., 2020). Durchlebte Erfahrungen und Umweltsignale gestalten unsere Gene während des gesamten Lebens direkt um und wirken so auf unsere Physiologie, die neuralen Funktionen und die Kognition. Das heisst, die Art wie wir mit Herausforderungen und Stresssituationen umgehen, wie wir Tätigkeiten ausüben und ob wir dabei Wissen aufbauen und erweitern oder eben nicht, wird verändert (Badenschier F. & Schwarz Th., 2020). Dies hat Folgen für die Marktfähigkeit von Unternehmen und Mitarbeitenden.

Bricht man die Erkenntnisse aus der Stressforschung und der Epigenetik auf die Arbeitswelt 4.0 runter, werden die Anforderungen, aber auch der Nutzen für das Arbeitsumfeld, die Arbeitsstrukturen, die Führung von Mitarbeitenden und die gesamte Organisation deutlich.

Anschlussfähigkeit

Damit Unternehmen in der Digitalisierung am Ball bleiben und den Anschluss halten, ist Anpassungsfähigkeit absolut zentral. Deshalb erfordert die Arbeitswelt 4.0 von allen Mitarbeitenden die umfangreiche Aneignung immer neuer Kompetenzen. Nicht nur digitale, sondern auch Kompetenzen wie Kreativität, Flexibilität und Neugierde. Auch soziale Kompetenzen wie Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, Veränderungsbereitschaft, Selbstmotivation und -organisation, wie ein konstruktiver Umgang mit Komplexität und Unsicherheit, sind zum Erhalt der Marktfähigkeit von Unternehmen und Mitarbeitenden unumgänglich. Wenn nun aber Unsicherheit und Angst das Handeln der Mitarbeitenden steuern und sich reaktiv der genetische Bauplan der Menschen moduliert, verändern sich unverschuldet und unbewusst auch deren Handlungs- und Lernfähigkeit sowie Haltung und Werte.

Epigenetik, Personalentwicklung und Führung

Diese Erkenntnisse aus der Stressforschung und der Epigenetik sollten wir zur konstruktiven Bewältigung der Herausforderungen der Digitalisierung für die zielgerichtete Personalentwicklung und Mitarbeiterführung nutzen.

Sicher, die Grundbedürfnisse der Menschen bleiben bestehen und diesen sollte gerade in einem agilen und selbstgesteuerten Umfeld grosses Gewicht beigemessen werden. Denn Ziele, Sinn und Zweck steuern unser Handeln und Menschen benötigen Halt, Orientierung, wie auch konstruktive und wohlwollende Beziehungen zu anderen Menschen in ihrem Umfeld. Menschen leisten für Menschen! Doch in unsicheren Phasen neigen wir oft dazu, Druck aufzubauen und die kontraproduktive Wirkung auf die wichtigste Ressource, unsere Mitarbeitenden, auszublenden. Freiräume, respektive Leitplanken und Rahmenbedingungen werden oft undeutlich definiert und kommuniziert wird kaum noch. Dies führt zu Missverständnissen, Blockaden, Frustration und wie wir nun aus der Epigenetik wissen, zur Veränderung des genetischen Bauplans.

Unter Berücksichtigung dieser Erkenntnisse werden die schlechten Resultate des Gallup Engagement Index (2020) nachvollziehbar. Seit vielen Jahren zeigt dieser auf, dass 87 Prozent aller Mitarbeitenden ihr Potenzial für ihren Arbeitgeber unzureichend ausschöpft. Gemäss der Studie liegen die Gründe dafür vorwiegend in den Softfaktoren: Der Einfluss der Führungskräfte beträgt 70 Prozent!

Doch: So, wie belastende Erfahrungen unserer Gene tendenziell negativ verändern, können wir diese ebenso gezielt positiv beeinflussen und unsere Mitarbeitenden für die Arbeitswelt 4.0 besser ausstatten. Denn die Menschen, respektive die Mitarbeitenden sind und bleiben das Fundament und die wichtigste Ressource einer gesunden und resilienten Organisation.

Wie wir den digitalen Transformationsprozess erfolgreich meistern

Wollen wir den digitalen Transformationsprozess erfolgreich bestehen, ist es trotz erforderlicher Schnelligkeit, Agilität, Selbststeuerung etc. sinnvoll zu entschleunigen, um im Endeffekt schneller und zielorientierter auf die stetig wechselnden Bedürfnisse und Anforderungen einzugehen. Weiter braucht es den Willen, echt und aufrichtig miteinander zu kommunizieren:

  • Einander nur sechs Minuten täglich wirklich zuzuhören und nachzufragen bis der Kern der Botschaft verstanden ist, reduziert die Leerläufe um über 50 Prozent.
  • Wenn Menschen sich verstanden fühlen, fühlen sie sich ernst genommen. Dies schafft Raum für Kreativität und Lösungsorientierung.
  • Durch wirkliches Zuhören werden brachliegende Ressourcen sichtbar. Dies entspricht für Arbeitgebende gerade in der digitalen Transformation einem bedeutenden Wettbewerbsvorteil.
  • Die epigenetische Veränderung durch positive Erfahrungen und Wertschätzung ehrlicher Kommunikation stärkt die Mitarbeitenden und lässt sie wachsen.

So bleiben Mitarbeitende auch in der Hektik der Arbeitswelt 4.0 leistungsstark, handlungsfähig, gesund und resilient. Dadurch erhalten sich Unternehmen und Mitarbeitende ihre Marktfähigkeit.

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