Zitat zu neue Art des Lernens von Helena Schamberger Fischer
(Bild: Kalaidos FH)

Nein, dies ist kein neuer Hype, welcher nun gross aufgebauscht wird. Lernen und Wissensvermittlung muss in unserer Lebensrealität dringend neu gedacht werden. Die rasanten Veränderungen unserer Arbeitswelt haben längst eine grosse Diskrepanz zwischen unserer bisherigen Praxis, Wissen auf- bzw. auszubauen und den realen Anforderungen im beruflichen Alltag verursacht.

Wissen, das schnell verderbliche Gut!

Sicher, auch künftig dient das breitgefächerte Anhäufen von Wissen als stabiler Unterbau, Rüstzeug und Werkzeugkasten für flexibles, zielgerichtetes und lösungsorientiertes Handeln. Doch der Aufbau von Wissen über einen längeren Zeitraum, im Voraus und auf Vorrat birgt das Risiko, dass die erworbenen Kenntnisse nach kurzer Zeit schon wieder veraltet und grossteils für den Praxistransfer unbrauchbar sind.

Warum braucht es eine neue Art zu arbeiten und zu lernen?

Der konstante, in immer schnelleren Zyklen verlaufende Wandel bedingt eine Neugestaltung der Arbeitswelt, kurz "New Work" und New Work wiederum erfordert eine neue Art zu lernen ("New Way of Learning"). Denn: Bildung betrifft die gesamte Organisation (Makro-Ebene), die Teams/Gruppen (Meso-Ebene), wie auch die einzelnen Individuen (Micro-Ebene) und erfordert deshalb einen ganzheitlichen Ansatz.

Was sind die Treiber für diesen Veränderungsdruck?

Angetrieben wird der Veränderungsbedarf nach neuen Arbeitsansätzen bekanntlich vor allem durch die Digitalisierung und zunehmende Entwicklung der künstlichen Intelligenz (KI). Doch auch folgende Treiber tragen dazu bei:

  • zunehmender Fachkräftemangel
  • dringend notwendige Gleichstellung aller Geschlechter
  • Förderung der konstruktiven Zusammenarbeit der vier unterschiedlichen Generationen im Arbeitsprozess
  • wirkliche Integration von Menschen aus anderen Kulturen und von Menschen mit Einschränkungen
  • neue Werte der Mitarbeitenden, ganz besonders der Generationen Y und Z
  • Aufdecken und nutzbar machen verdeckter Potenziale
  • aktuelle pandemische Herausforderungen
  • und ganz wichtig: die gesamten Bestrebungen und damit verbundenen Herausforderungen hin zu einer ökologischen Wirtschaft

Wissensaufbau neu gedacht

Wenn sich die Rahmenbedingungen, wie auch die zur Verfügung stehenden und genutzten Medien ändern, verändern sich auch die Anforderungen an Unternehmen, Teams und Mitarbeitende. Und damit auch die erforderlichen Kompetenzen und Herangehensweisen an das Lernen.

Im beruflichen Alltag sind heutzutage Schnelligkeit und zielführende Lösungen gefragt. So müssen auch der Aufbau und die Vermittlung von Wissen aus der Warte des Ziels, also aus der beruflichen Notwendigkeit heraus, angegangen werden. Hinzu kommt, dass insbesondere die psychologischen und mental stärkenden Faktoren eine immer grössere Rolle spielen, um den Anforderungen der neuen Arbeitswelt nachzukommen. Das Ausser-Acht-Lassen gesundheitlicher Aspekte im Bildungskontext ist als fahrlässig zu betrachten.

Bisherige Lernstrategien und Weiterbildungsangebote, welche ausschliessliche eine fachlich basierte, weit im Voraus festgelegte und statische Palette an Lern-/Weiterbildungsangeboten zur Verfügung stellen, greifen nur noch bedingt. Deshalb braucht ein Umdenken hin zu einem zukunftsweisenden Bildungsverständnis. "Learning on Demand" (Graf, Gramß, Edelkrau, 2019), also Lernen ad hoc, auf Verlangen und nach individuellem Bedarf, wie auch Learning for Strength and Resilience, werden zu zentralen Erfolgsfaktoren von Unternehmen, welche in einem schnell verändernden Umfeld agieren.

Der Mensch im Fokus von New Learning

Der Hauptfokus von New Learning ist dringend auf Individuen, wie auch auf Gruppen und gruppendynamische Prozesse zu richten. Denn wenn Unternehmen mit dem immer schneller werdenden Veränderungstempo mithalten wollen, muss grundsätzlich mehr und enger in Gruppen zusammengearbeitet werden. Nicht zuletzt, weil dadurch die Last des schnellen Leistungs- und Lösungsdrucks auf mehrere Schultern verteilt wird. Damit können auch die konstant steigenden, Burnout (oder Boreout?) bedingten Krankmeldungen reduziert und das oft brachliegende Know-how besser genutzt werden.

Paradigmenwechsel: Entwicklungsorientierte Bildung und WIR-Kultur

Eine WIR-Kultur wird somit immer wichtiger und Einzelkämpfer haben weitgehend ausgedient. Doch dies entspricht keinem Verlust. Im Gegenteil! Kooperationen haben sich für uns Menschen von jeher als Erfolgsmodell erwiesen (Geramanis, 2021).

Damit ein konstruktives WIR gelingt, werden Menschen mit starken Charakteren und ausgeprägter Sozialkompetenz immer wichtiger. Dazu gehört die Fähigkeit, aus verschiedenen Rollen heraus zu agieren, gruppendynamische Prozesse konstruktiv zu gestalten und eine neue Unternehmenskultur zu entwickeln.

Genauso wie selbstgesteuertes Lernen erlernt werden muss (Geramanis, 2021), müssen neue Umgangsformen untereinander, eine offene, wohlwollende, zugewandte, wertschätzende und konstruktive Haltung erstmal erlernt und über Jahre konditioniertes Lernen und Verhalten teilweise verlernt werden. Denn im Endeffekt gewinnt die Organisation, welcher der Transfer des Wissens in die Praxis am besten gelingt.

Fazit

Unsere neue Arbeitswelt ist komplex und unvorhersehbaren Veränderungen unterworfen. Deshalb ist es ausgesprochen wichtig, dass die bedeutendste Ressource jedes Unternehmens, die Mitarbeitenden, mit diesen Veränderungen möglichst hürdenfrei klarkommen. Dafür bedarf es der Gestaltung entwicklungsorientierter Bildungs-Programme mit dem Schwerpunkt der Persönlichkeitsentwicklung und New-Learning-Prinzipien, welche den konstruktiven Umgang mit gruppendynamischen Prozessen, neuen Unternehmenskulturen, sich laufend verändernden sozialen Geflechten und Rollen ermöglichen. Denn Bildung und Entwicklung von Individuen, wie auch von Unternehmen gelingt nur, wenn Kopf, Herz und Hand gleichermassen angesprochen und befähigt werden. Also sowohl extrinsisch wie auch intrinsisch eine Einheit bilden. Unternehmen, welchen dieser Paradigmenwechsel gelingt, verschaffen sich nicht nur im Bereich der Bildung, sondern auch auf dem Markt einen Wettbewerbsvorteil.

New Work und New Learning fordert nebst der Führung, ganz besonders die Personalentwicklung heraus, weshalb die Personalentwicklung und deren Rolle neu zu denken, ja fast neu zu erfinden ist.

Quellen und weiterführende Informationen

Graf, N., Gramß, D. & Edelkraut, F. (2019). Agiles Lernen (2. Aufl.). Haufe-Lexware.

Geramanis, O. (2021). Selbstorganisation wurde uns nicht in die Wiege gelegt. Onlinereferat FHNW Soziale Arbeit.

Schamberger Fischer, H. (2021). Agile Bildung und Gruppendynamik. Referat Psychologie HfaB-Tagung Agile Bildung.

Autor/in
Helena-Schamberger Fischer

Helena Schamberger Fischer

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