Ältere Arbeitnehmende
Die Gruppe der über 50-Jährigen ist um einiges vielfältiger, als meist angenommen. (Symbolbild)
Immer öfters hören wir die Schlagwörter Arbeitnehmer 50+, Babyboomer und Bevölkerungsalterung. Oftmals gehen damit negativ gefärbte Stereotype einher, die wenig mit der Realität zu tun haben. Gemeinsam mit Kollegen entwickelte ich einen wissenschaftlichen Ansatz, ältere Arbeitnehmende zu charakterisieren (Nagy et al., 2019).

Aufgrund der steigenden Lebenserwartung und der sinkenden Geburtenraten in vielen Ländern sind ältere Arbeitnehmende ein stetig wachsender Teil der Bevölkerung. Die Gruppe der älteren Arbeitnehmende wird immer grösser, vor allem auch im Vergleich mit den jüngeren Kohorten. Insbesondere für die Schweiz ist dies von zunehmender Bedeutung: Von 2010 bis 2018 stieg die Arbeitsmarktbeteiligung bei den 40- bis 54-Jährigen von 88 auf 91 Prozent, bei den 55- bis 64-Jährigen von 69 auf 76 Prozent und bei den Personen ab 65 Jahren von 9 auf 12 Prozent.

Wir werden immer älter und werden in Zukunft wohl auch länger arbeiten müssen, da die Finanzierung der Altersvorsorge für die nächsten Generationen alles andere als gesichert ist. Aus diesem Grund sind ForscherInnen auf der Suche nach den Faktoren, die eine erfolgreiche, zufriedenstellende und oftmals auch längere Karriere ermöglichen.

 

Ist 50+ = 50+?

Die Gruppe der älteren Arbeitnehmenden wird oftmals klischeehaft als eine homogene Gruppe abgehandelt. Dabei werden Menschen, die 50 Jahre oder älter sind, als ältere Arbeitnehmende «abgestempelt» und in einen Topf geworfen. In diesem Topf befinden sich zumeist auch Eigenschaften wie langsam, zerbrechlich, ineffizient und «von gestern». Auch scheint die magische Grenze von 50 Jahren heute relativ willkürlich gezogen zu sein. Bin ich mit 49 noch jung und arbeitsfähig – mit 50 gehöre ich jedoch zum alten Eisen? 

Re-kategorisierung von älteren Arbeitnehmenden

Dass das chronologische Alter (vor wie vielen Jahren wir auf die Welt gekommen sind) alleine kein guter Indikator für das Verhalten von Erwachsenen ist, wissen wir bereits lange. Auch fühlen sich ältere Menschen unterschiedlich alt. Und sehen auch unterschiedlich alt aus. Und während manche bereits mit 40 mit der Ausrede kommen, sie seien zu alt für bestimmte Dinge, gibt es auch immer wieder Beispiele von der 91-jährigen Yogalehrerin, die fitter ist als viele Jugendliche oder dem 79-jährigen Bodybuilder, der gerade sein neues Unternehmen aufbaut. 50 ist also bei weitem nicht gleich 50 (und 60 nicht gleich 60, usw.). 

Subjektives Alter

Um solchen Unterschieden Rechnung zu tragen, begann die Forschung sich für alternative Konstrukte zu interessieren. So ein Konstrukt ist das subjektive Lebensalter – also wie alt wir uns fühlen. Und Studien haben gezeigt, dass das subjektive Lebensalter gerade auch bei Menschen über 50 aussagekräftiger für das Verhalten ist als das tatsächliche Lebensalter.

Das ist auch nicht allzu überraschend, denn die Theorie der Altersheterogenität besagt, dass wir je älter wir sind, desto heterogener, sprich vielfältiger, werden. Das bedeutet, dass es grössere Unterschiede innerhalb der Altersgruppe der Älteren hat, als zwischen jüngeren und älteren Menschen. Je länger wir leben, desto mehr unterschiedliche Erfahrungen sammeln wir und desto vielfältigere Einflüsse und Situationen prägen uns. Das bedeutet gleichzeitig auch, dass das chronologische Lebensalter an Aussagekraft und Bedeutung verliert.

Meine Forschungskollegen Michael North (New York University), Ulrike Fasbender (Justus-Liebig Universität Giessen) und ich haben 229 ältere Arbeitnehmende (50-66 Jahre) in einer Längsschnittstudie zu ihrem subjektiven Alter sowie eine Reihe psychologischer und arbeitsrelevanter Variablen befragt. Die Studie wurde kürzlich in der Zeitschrift «Work, Aging and Retirement» (Nagy et al., 2019) veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigten deutlich: Die Gruppe der älteren Arbeitnehmenden ist alles andere als homogen. Wir konnten drei Gruppen von älteren Arbeitnehmenden klassifizieren: Die «Youthfuls», «Matures» sowie die «Veterans».

Youthfuls fühlen sich im Schnitt um mehr als 11 Jahre jünger als ihr tatsächliches Lebensalter und sind somit die subjektiv jüngsten. Youthfuls gaben an, in guter Gesundheit und hoch arbeitsfähig zu sein, hatten eine positive Einstellung gegenüber dem Altern, sowie eine hohe Selbstwirksamkeit. Sie zeigten auch hohes Engagement bei der Arbeit und eine hohe Bereitschaft, sich auch über die geforderten Aufgaben hinaus positiv für das Unternehmen einzusetzen. 

Matures fühlen sich ca. 6 Jahre jünger als ihr chronologisches Alter und berichteten durchschnittliche Werte bezüglich ihrer Gesundheit, ihrer Einstellung gegenüber das Altern sowie durchschnittliche Selbstwirksamkeit. Auch bezüglich Engagement schnitten Matures im Mittelfeld ab.

Die Veterans sind die subjektiv Ältesten. Sie gaben an, sich im Schnitt zwei Jahre älter fühlen, als sie tatsächlich sind. Auch gaben Veterans an, gesundheitliche Probleme zu haben und berichteten von niedriger Arbeitsfähigkeit und Selbstwirksamkeit. Die Gruppe der Veterans gab an, ihre Arbeit zwar zu erledigen, jedoch ohne viel Engagement und nur das, was konkret gefordert wird. 

Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Gruppe der älteren Arbeitnehmenden alles andere als «altes Eisen» ist. Bloss ein Bruchteil (13% der befragten Personen über 50 Jahren) gab an, bei der Arbeit nicht mehr Vollgas zu geben und möchte lieber früher als später pensioniert werden. Dies bedeutet gleichzeitig, dass 87% der Stichprobe motiviert und fähig sind, gute Arbeit zu leisten.

Fazit

Eine Re-Kategorisierung von älteren Arbeitnehmenden ist wichtig: Ältere Arbeitnehmer sind vielfältig und sehr wohl motiviert und fähig zu arbeiten. Ein Weg um Stereotypen zu bekämpfen, ist genau hinzusehen: 50 Plus ist definitiv nicht gleich 50 Plus. 

Weiterführende Informationen und Quellen

Nagy, N., Fasbender, U., & North, M. S. (2019). Youthfuls, Matures, and Veterans: Subtyping subjective age in late career employees. Work, Aging and Retirement, Special Issue: Work and the Multitude of Age Constructs. doi:http://dx.doi.org/10.1093/workar/waz015

Nagy, N., Johnston, C., & Hirschi, A. (2019). Do we act as old as we feel? An examination of subjective age and job crafting behaviour of late career employees. European Journal of Work and Organizational Psychology. doi:http://dx.doi.org/10.1080/1359432X.2019.1584183

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