Mann und Frau im Infinitypool
Wie locken Sie Jobsuchende an? Vielleicht mit einem Infinitypool? (Symbolbild)

Ich reise wahnsinnig gerne. Die Auswahl der passenden Feriendestination ist bei mir in der Regel ein langwieriger, aber auch schöner, da vorfreudiger Prozess. Starten tut dieser mit einer umfangreichen Recherche im Internet. Zugegeben, Werbung – sei es in Form von Prospekten, die in meinen Briefkasten flattern oder auch immer wieder aufpoppende Banner in den sozialen Medien – beeinflussen mich dabei beträchtlich. Aber auch Empfehlungen von Kolleginnen und Kollegen haben einen grossen Einfluss auf meine Entscheidung, genauso wie Mitarbeitende im Reisebüro, die ich bei grösseren Reisen auch heute noch gerne besuche. Können sie mich sowohl mit Facts als auch mit Emotionen von ihrem Angebot begeistern, dann stehen die Chancen gut, dass ich buche. Sehen Sie die Parallelen zum Bewerbungsprozess?

Die Candidate Journey

Der Bewerbungsprozess verläuft nämlich genau wie das Buchen einer Reise. Auch hier geht es um Aufmerksamkeit, Information, Auswahl und später um Onboarding und Bindung. Während allerdings den meisten Reisebüros und Hotels heute sehr wohl bewusst ist, dass sie nur erfolgreich sein können, wenn es ihnen gelingt, Kunden und Kundinnen im ganzen Buchungsprozess und über die Reise hinaus von sich zu überzeugen, scheint mir die Haltung, dass Bewerbende auch Kund/innen sind, noch nicht in allen HR-Abteilungen angekommen zu sein. Oder wie kann es sonst sein, dass auf Karriereseiten Angaben von Kontaktpersonen fehlen oder Kandidat/innen auf eine Bewerbung nicht mal eine Antwort erhalten? In der ganzen Candidate Journey geht es darum, den Kandidat/innen positive Erlebnisse zu ermöglichen. Wie es Ihnen dank der Gestaltung einer positiven Candidate Experience gelingen kann, die besten Mitarbeitenden für sich zu gewinnen und zu behalten, verraten wir Ihnen in dieser dreiteiligen Blogbeitragsserie.

Für Aufmerksamkeit sorgen

Wie werden die Jobsuchenden denn überhaupt auf Ihre offenen Stellen aufmerksam? Oder besser gesagt: Wie kommen Arbeitnehmende, die eigentlich gar nicht aktiv auf Jobsuche sind, auf die Idee, dass es sich lohnen würde, über einen Stellenwechsel zu Ihnen nachzudenken? Ein grosser Teil der Arbeitnehmenden ist heute latent suchend; das heisst, sie bewegen sich nicht aktiv auf den gängigen Jobplattformen, aber wenn ihnen ein attraktives Angebot vor die Füsse fällt, dann werden sie doch neugierig. Wie bei der Wahl des Reiseziels ist heutzutage auch bei der Stellensuche Google zentral. Suchmaschinenoptimierung (SEO) hilft, dass ihr Unternehmen überhaupt in den Suchergebnissen auftaucht, Google Ads verbessern Ihr Ranking weiter. Und die Banner-Werbung ploppt genau bei der Zielgruppe auf, die für sie interessant sein könnte. Wie das Bild des Hotels mit dem traumhaften Infinitypool, der mich sofort in Bann zog.

Die Zielgruppe kennen

Apropos Zielgruppe; wie gut kennen Sie diese? Wissen Sie, wie diese tickt, was ihr an einem Job wichtig ist und in welchen sozialen Medien sie sich bewegt? Es hilft nichts, teure Stelleninserat auf LinkedIn zu bezahlen, nur weil dieser Kanal gerade "in" ist, wenn Ihre Zielgruppe dort gar nicht zu finden ist. Aber vielleicht würde eine Kampagne auf Facebook die passenden Menschen erreichen? Auch eine Plakatkampagne oder Werbung im öffentlichen Verkehr kann erfolgreich sein, sofern Sie die Werbung da platzieren, wo die Zielgruppe sich befindet.

Die Karrierewebseite als Herzstück

Das Herzstück Ihres Arbeitgeberauftritts ist aber die Karrierewebseite. Denn egal wie jemand auf Ihr Unternehmen aufmerksam wird, um weitere Informationen zu erhalten, landet er oder sie auf Ihrer Karrierewebseite. Und wie die Hotelwebseite, muss auch diese so richtig überzeugen: mit zielgruppenspezifischem Inhalt, einer modernen und visuellen Aufmachung und verschiedenen Kontaktmöglichkeiten. Präsentieren sich die Recruiter mit Bild und direkter Telefonnummer, ist das kundenfreundlich und sympathisch. Zusätzliche Kontaktmöglichkeiten, wie beispielsweise über WhatsApp, sind ganz bestimmt auch nicht verkehrt.

Die Employer Value Proposition (EVP)

Egal welche Kanäle Sie wählen: Der Inhalt ist zentral. Schalten Sie einfach die immergleichen, langweiligen Inserate, welche denjenigen der Mitbewerbenden auch noch ähneln, dann lassen Sie es lieber ganz sein. Sie müssen zeigen, was Sie wirklich zu bieten haben und was Sie von der Konkurrenz abhebt. Sie wissen es nicht? Dann los, ab an die Hausaufgaben: Erarbeiten Sie Ihre Employer Value Proposition, aber nicht alleine im HRM-Kämmerlein, sondern zusammen mit Ihren Mitarbeitenden. Schälen Sie zusammen heraus, was so besonders toll daran ist, bei Ihnen zu arbeiten. Bringen Sie diese Arbeitgeberpositionierung auf den Punkt – vielleicht brauchen Sie dazu die Hilfe eines Werbeprofis. Und dann kommunizieren Sie kongruent und authentisch auf allen Kanälen immer nur diese Botschaft. Wenn diese gar noch in Bildern und Videos direkt von Ihren Mitarbeitenden nach aussen getragen wird, dann kommt es so richtig gut.

Kununu und Co

Sie können nicht vermeiden, dass Sie auf den Arbeitgeber-Bewerbungsplattformen bewertet werden. Darum steuern Sie es so gut wie möglich, indem Sie Bewerbende und Mitarbeitende bitten, eine Bewertung auf Kununu oder Glassdoor abzugeben. Und kommentieren Sie Bewertungen auf jeden Fall, egal ob diese positiv oder negativ sind. Dies zeigt, dass Sie die Anliegen ihrer Kandidat/innen ernst nehmen und das macht Sie sympathisch. Denn nur wenn der ganze Arbeitgeberauftritt passt, werden aus unverbindlich Interessierten schliesslich ernsthafte Bewerbende. Wie Sie diese im Bewerbungsprozess dann weiter von Ihrem Unternehmen überzeugen, erfahren Sie im nächsten Teil dieser Beitragsserie: "Onlineshopping 5*-Bewertung - auch für Bewerbungsprozess" (2/3) .

Ach ja, und übrigens; ich habe mich für ein anderes Hotel entschieden: Zu viele Gäste haben auf Tripadvisor geschrieben, dass der Infinitypool zu kalt sei.

Autor/in
Sonja Auf der Maur

Sonja Auf der Maur

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MAS FH in Human Resource Management (HRM)

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Onlineshopping 5*-Bewertung - auch für Bewerbungsprozess (2/3)

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