Zwei Zahnbürsten
Ist der Bewerbungsprozess bei Ihnen so einfach wie ein Zahnbürstenkauf?

Neulich habe ich online eine elektrische Zahnbürste bestellt. Im Wissen, welches Produkt zu mir passt und dank einer einfachen Navigation, war dieses mit vier Klicks gekauft. Wie viele Klicks brauchen die Interessentinnen und Interessenten für eine Stellenbewerbung in Ihrem Unternehmen?

Onlineshopping = Onlinebewerbung?

Mir gefällt der Vergleich des Onlineshoppings mit der Onlinebewerbung. Weshalb entwickeln nicht mehr Unternehmen den Ehrgeiz, Interessentinnen und Interessenten mit einem einfachen und unkomplizierten Bewerbungsprozess richtiggehend zu begeistern? So eben, wie wenn man online einkauft? Wenn es nämlich etwas gibt, mit dem wir potentielle neue Mitarbeitende vergraulen, dann sind umständliche Bewerbungsformulare auf der "Don’t-Skala" ganz oben. Weshalb z.B. das Layout komplett ändert, sobald man auf "Hier bewerben" klickt, die Schrift des Onlineformulars fast unleserlich klein ist, mühsam zuerst ein Login erstellt werden muss oder ganz grundsätzlich der Charme einer möglicherweise tollen und einladenden Karrierewebseite mit "Hier bewerben" mit einem Klick verschwindet, ist mir schleierhaft. Und wäre es nicht toll, wenn es wie auf richtig guten Shoppingseiten auch super schnell gehen könnte, sich zu bewerben? Beispielsweise eine "Expressbewerbung" via WhatsApp?

Im Kontakt bleiben

Zurück zu meiner Zahnbürste. Kaum gekauft habe ich die Kaufbestätigung per E-Mail erhalten. Heute dürfte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass Bewerbende unmittelbar nach dem Abschicken der Bewerbung eine Eingangsbestätigung erhalten. Wie geht es dann aber weiter? Wie regelmässig informieren Sie Bewerbende über den Prozessstatus? Anders als beim Onlineshopping haben die Bewerbenden nicht den Anspruch, unmittelbar über jeden Fortschritt im Bewerbungsprozesses informiert zu sein, doch sind wir uns hoffentlich einig darüber, dass es unverzeihlich ist, Bewerbende über Wochen ohne Rückmeldung zum Prozess im Ungewissen zu lassen. Das ist weder wertschätzend noch motivierend.

Das Interview als Highlight

So richtig zeigen, was wir als Arbeitgeber draufhaben, können wir spätestens beim Bewerbungsgespräch. Das Credo, dass wir uns als Unternehmen genauso bei den Interessentinnen und Interessenten zu bewerben haben, wie umgekehrt, sollte gerade in Zeiten des Fachkräftemangels selbstverständlich sein und sich auch im Gespräch widerspiegeln. Lassen Sie das Gespräch zu einem richtig positiven Erlebnis für Ihre Bewerbenden werden. Ja, es darf und soll anspruchsvoll sein, aber lassen Sie uns auch in diesem Punkt die Candidate Experience nicht vergessen. Ist die Stimmung während dem Gespräch wohlwollend, ja vielleicht sogar locker, haben wir viel grössere Chancen, die Bewerbenden nicht nur als Kandidatin oder Kandidaten für den Job XY, sondern ganz grundsätzlich als Menschen besser kennenzulernen. Und nur so gelingt es uns, ansatzweise herauszufinden, ob Wertvorstellungen oder kulturelle Aspekte ganz grundsätzlich passen oder nicht.

Wohlwollend "nein" sagen

Aus welchen Gründen auch immer; im Lauf einer Rekrutierung kommt es zu gegenseitigen Absagen. Aber auch wenn wir als Unternehmen jemanden zurückweisen müssen, können wir in der Champions League der Candidate Experience mitspielen. Nehmen wir uns doch die Mühe und formulieren den negativen Entscheid ehrlich, transparent, in einer guten Ausführlichkeit und wohlwollend. Die heutigen Bewerbungstools erlauben es, unzählige Vorlagen für Absagen zu speichern. Das gibt uns die Möglichkeit, jederzeit während dem Bewerbungsprozess eine auf die Situation zugeschnittene Absage zu generieren und zu verschicken. Und wenn trotz wohlwollendem Wortlaut noch Fragen offen sind, sollten wir die Kandidatinnen und Kandidaten einladen, sich bei uns zu melden, damit wir allfällig offene Punkte klären können. Machen wir unsere Hausaufgaben auch im Bereich vom Absagemanagement nicht, spiegelt uns dies Kununu & Co. in der Regel zeitnah und unverblümt ehrlich.

Haben Sie die Bewerbenden-Brille auf?

Als Vertreterinnen und Vertreter von HR und aus der Linie tragen wir in der Rekrutierung eine grosse Verantwortung. Wir können das Arbeitgeberimage mit Leichtigkeit strahlen lassen, wenn wir uns gedanklich immer mal wieder in die Haut der Bewerbenden versetzen und aus ihrer Warte den Bewerbungsprozess kritisch beurteilen. Apropos strahlen: Meine neue Zahnbürste erfüllt ihren Job super – Sie Ihren auch?

Im dritten und letzten Teil dieser Beitragsserie erfahren Sie übrigens, wie Sie auch hinsichtlich Onboarding und Mitarbeitendenzufriedenheit glänzen.

Autor/in
Désirée Nater

Désirée Nater

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