Justitia Symbol für Gerechtigkeit (Symbolbild)

Wie steht es um die Steuermoral in der Schweiz im Vergleich zum Ausland? Was begünstigt Steuerhinterziehung? Welche Faktoren haben einen Einfluss auf die Steuerehrlichkeit und hinterziehen vor allem die Reichen Steuern?

Diese und weitere Fragen beantwortete Wirtschaftspsychologe Stephan Mühlbacher in einem kürzlich publizierten Artikel im Bund "Eine kuriose Eigenheit des Schweizer Systems":

Für den Kalaidos Blog durften wir Stephan Mühlbacher befragen, inwieweit der Automatische Informationsaustausch (AIA), bei dem erstmals Bankdaten ins Ausland geliefert und auch Daten aus dem Ausland erhalten werden, die Steuermoral der Schweizer/innen beeinflusst.   

Herr Mühlbacher, sind Sie der Meinung, dass die Androhung einer Strafe eine grosse Rolle für die Steuermoral der Schweizerinnen und Schweizer spielt?

Ich hoffe sehr, dass diese Reform von umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen begleitet wird, um diese Frage zu einem späteren Zeitpunkt auch evidenzbasiert beantworten zu können.

Vorerst lassen sich nur Vermutungen anstellen. Vielleicht änderst sich ja gar nichts und das Problem verlagert sich bloß auf andere Länder, mit denen entsprechende Abkommen nicht bestehen.

Kurzfristig könnte die Steuermoral durch die Massnahmen sogar sinken, wenn beispielsweise schwere Steuerbetrugsfälle aufgedeckt und – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung – viel zu milde bestraft werden. Dann würden sich die Kooperationswilligen fragen, ob sich ihre Ehrlichkeit tatsächlich auszahlt. Damit dies nicht passiert, müsste eine gerechte Bestrafung erfolgen, die vor allem zwei Funktionen hat: eine restaurative Wirkung, im Sinne der Wiederherstellung von Gerechtigkeit und des Wieder-Gut-Machens des entstandenen Schadens, und eine generalpräventive Wirkung durch die potentielle Steuerhinterzieher/innen abgeschreckt werden. Die Bestrafungspraxis in solchen Fällen hat vermutlich sogar stärkere Effekte als die theoretisch in den Gesetzen angedrohten Höchststrafen.

Im Allgemeinen bin ich aber zuversichtlich, dass sich die Massnahmen für mehr Transparenz im Vertrauen der Schweizer/innen in das Steuersystem und damit in ihrer Kooperationsbereitschaft niederschlagen werden. Wenn die Finanzbehörden in der Lage sind effizient und professionell ihre Arbeit zu tun und "schwarze Schafe" tatsächlich kontrolliert und bestraft werden, dann wirkt sich das positiv auf die Steuerehrlichkeit aus, wie viele empirische Studien zeigen.

Besten Dank Herr Mühlbacher, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben!

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