Was erwarten die Millennials von einem Arbeitsplatz? Welche Entwicklungsmöglichkeiten streben sie an und aus welchen Gründen bleiben sie bei einem Arbeitgeber? Diesen Fragen ging die internationale Studie "Millennials im Karriere-Marathon" der ManpowerGroup nach. Weltweit wurden 19‘000 Berufstätige der Geburtsjahrgänge 1982 bis 1996 sowie 1'500 Personalverantwortliche in 25 Ländern befragt. Fakt ist: Schweizer Millennials (auch Gen Y genannt) gehören zu den optimistischsten, was die Einschätzung Ihrer beruflichen Entwicklungschancen betrifft. Die Schweiz gehört aber auch zu den Ländern, in denen die Gen Y am meisten Wochenarbeitsstunden leisten und damit rechnen, bis weit über 60 Jahre, aber nicht bis an ihr Lebensende zu arbeiten. Man sieht: Die Beziehung zwischen Arbeitgeber und Millennials ist im Wandel und die Personalabteilungen sind gefordert, die Gen Y in ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen und an ihr Unternehmen zu binden.

 Gesichter

Berufliche Zuversicht und Einsatzfähigkeit trotz langem Karriereweg

Zusammen mit den Vertretern ihrer Generation in China, Mexiko und Deutschland ist die Gen Y in der Schweiz am zuversichtlichsten, dass ihre beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten in eine gute Richtung zeigen. So glauben mehr als drei Viertel (77%) der Befragten in der Schweiz, innerhalb von drei Monaten eine neue Arbeitsstelle finden zu können. 87% der Schweizer Millennials geben an, mehr als 40 Stunden pro Woche zu arbeiten, 22% sogar mehr als 50 Stunden. Nur in Indien arbeitet die Gen Y noch mehr (52 Stunden). Ebenso erwarten 38% der Schweizer Millennials zwischen 60 und 64 Jahren und 37% zwischen 65 und 69 Jahren immer noch berufstätig zu sein und 8% gehen davon aus, dass sie niemals pensioniert werden.

Lohn, Auszeit und Freizeit entscheiden über die Attraktivität der Arbeitsstelle

Ein Lohn, der den Anstrengungen gerecht wird, belegt den Platz 1 (89%), was die Gen Y in der Schweiz bei der Suche nach einer passenden Arbeitsstelle leitet. Längere Auszeiten zu nehmen und Freizeitaktivitäten nachgehen zu können (87%) sowie die Sicherheit des Arbeitsplatzes (85%) folgen auf Platz 2 und 3. Während Frauen längere Auszeiten mit dem Wunsch nach Mutterschaftsurlaub und Kinderbetreuung begründen, geben Männer an, Auszeiten vor allem für Tätigkeiten zu nutzen, bei denen die Sorge um sich selbst im Zentrum steht wie Erholung, Reisen, Lebenstraum oder Hobby verwirklichen. Unter Jobsicherheit verstehen die Schweizer Millennials auf lange Sicht eine sichere Beschäftigung zu haben, den Lebensstil aufrecht erhalten zu können und einen Kompetenzzuwachs in Richtung gefragter beruflichen Fähigkeiten.

Beförderungen und Work-Life-Balance motivieren am meisten, beim Arbeitgeber zu bleiben

Zwar geben 67% der befragten Gen Y in der Schweiz an, die nächsten Jahre bei ihrem Arbeitgeber bleiben zu wollen, dennoch brauchen sie Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten. So möchten 54% der Schweizer Millennials innerhalb von 2 Jahren befördert werden oder die Stelle wechseln. Für 19% ist gar eine Jahresfrist die richtige Zeitspanne für eine solche Art der Veränderung. Die Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben, eine Arbeit, die sich mit dem eigenen Lebensziel vereinbaren lässt sowie die Anerkennung der erbrachten Leistung durch Vorgesetzte und Kollegen sind weitere Gründe, um bei einem Arbeitgeber zu bleiben.

Gute Qualifikationen und Rollenwechsel führen zum nächsten Karriereschritt

Um die nächste Stufe der beruflichen Entwicklung zu erreichen, sind 69% der jungen Schweizer bereit, Zeit und Geld in eine Weiterbildung zu investieren. Dazu gilt es ihres Erachtens aber auch, gute Leistungen bei der derzeitigen Arbeit zu erbringen (52%), ihre Fähigkeiten zu entwickeln und damit auch ihre Qualifikationen zu verbessern (40%). Ihren beruflichen Erfahrungsschatz zu erweitern, indem Sie in neue Rollen schlüpfen und sich neuen Aufgaben stellen, ist eine weitere Voraussetzung, ihren Karrierezielen einen Schritt näher zu kommen.

Vollzeitbeschäftigung steht mit Abstand vor unkonventionellen Arbeitsmodellen

Die Vollzeitstelle ist die am meisten verbreitete Beschäftigungsart (77%) und dies soll gemäss den jungen Schweizern auch so bleiben (73%). Nur 2% arbeiten auf Abruf oder sind über Online-Plattformen buchbar (Gig Work). Dies wünschen sich auch nur 4% für die Zukunft. Immerhin sind auch weniger traditionelle Beschäftigungsformen denkbar. So möchten 46% zukünftig Teilzeit und 23% freiberuflich arbeiten, während 15 % den Wunsch nach Arbeitsportfolios hegen, die mehrere Jobs enthalten.

Millennials Arbeitsformen

 Abb.: Studie ManpowerGroup "Millennials im Karriere-Marathon", Juni 2016

Für Unternehmen ist es nun an der Zeit, ihre Personalstrategien gründlich zu überdenken. Die Schweizer Millennials bereiten sich zwar auf einen langen Karriereweg vor und sind bestrebt, auf dem Arbeitsmarkt attraktiv zu bleiben. Sie sind auch leistungswillig und lernbereit, aber ebenso geneigt, die Arbeitsstelle für neue Herausforderungen und Lern-Erfahrungen zu wechseln. Was die Verfasser der Studie den Arbeitgebern empfehlen, um die Millennials erfolgreich zu rekrutieren, an sich zu binden und  zu fördern, erfahren Sie im Blog-Beitrag "7 Tipps im Umgang mit Schweizer Millennials".

Autor
Irene-Willi

Irene Willi Kägi

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