Stefan Pfister, CEO KPMG Schweiz, wurde zu aktuellen Herausforderungen der KPMG Schweiz im Rahmen der Meet&Greet Veranstaltung der Kalaidos Fachhochschule interviewt. 

Populistische Strömungen

Die Suche nach den besten Mitarbeitenden geht vermehrt über die Landesgrenze hinaus. Der mit der Einholung einer Arbeitserlaubnis und Aufenthaltsbewilligung verbundene Aufwand erschwert die Suche und schlägt sich somit auch bei der KPMG nieder, welche einen starken Wachstumsfokus hat. Die Umsetzung der Initiative „Gegen Masseneinwanderung“ wird als aktuelle Herausforderung angesehen mit Auswirkung auf die Schweizer Standortattraktivität.

Die Schweiz wurde durch ihre Steuerprivilegien und die Rechtssicherheit ein attraktiver Standort für viele Unternehmen und Unternehmer. Mit der Abstimmung zur Unternehmenssteuerreform III wurde deutlich, dass sich die Gesellschaft durch populistische Bewegungen leicht spalten lässt. Das entstandene Vakuum hat nun eine Unsicherheit ausgelöst, welche schnell behoben werden muss, damit die Eckpfeiler der Standortattraktivität Schweiz nicht einstürzen und die Schweizer Wirtschaft nicht geschwächt wird.

Aber auch internationale politische Bewegungen, wie der Brexit und die US-Präsidentschaft von Donald Trump hinterlassen ihre Spuren. KPMG bemerkt, dass Unternehmen verunsichert sind und sich mit Investitionen zurückhalten, was sich im Auftragsvolumen widerspiegelt.

Starker Wettbewerbsdruck

Der starke Wettbewerbsdruck setzt die Margen der Unternehmen weiter unter Druck. Produktionskosten können durch Digitalisierung und Outsourcing gesenkt werden. Sehr wahrscheinlich ist es, dass dadurch Arbeitsplätze verschwinden werden und trotz neuer Funktionen, die Arbeitslosenquote in der Schweiz von derzeit 3.6% wohl ansteigen wird.

Digitalisierung

Die Digitalisierung schreitet in vielen Bereichen voran. Das bemerkt man unter anderem daran, dass Beratungsunternehmen wie KPMG schon jetzt über 224 digitale Programme - sogenannte Solutions - für Kunden anbieten. Diese IT-Software Lösungen erleichtern die tägliche Arbeit, aber verändern diese auch. Am Beispiel eines E-Audits prüft man nun „breiter“ als früher.
Die Automatisierung wird jedoch nicht in allen Bereichen eintreten. Es braucht weiterhin den Mitarbeitenden, der mit Kunden kommuniziert, Daten analysiert und bei komplexen Projekten den Kunden / die Kundin unterstützt.

Im Zeitalter der Digitalisierung gibt es demzufolge zwei Strömungen: Die eine geht in Richtung Automatisierung, sodass Mitarbeitende durch Maschinen ersetzt werden. Die andere sehr wichtige Richtung ist die persönliche, für die der Mensch weiterhin unersetzbar ist.

Die Kultur wird im Zeitalter der Digitalisierung immer wichtiger. Das bemerkt man beispielsweise daran, dass Mitarbeiter sich gerne im beruflichen Umfeld von ihrer persönlichen, individuellen Seite zeigen wollen und dürfen. Individuelle Mitarbeiterprofile sind gefragt, so werden auch Personen mit einer etwas untypischeren Aus-und Weiterbildung angestellt. Der Kampf um Talente auf dem Markt ist sehr hart und die „richtige“ Unternehmenskultur hilft dabei, die Mitarbeitenden zu motivieren und zu halten.

Die aktuellen Herausforderungen im Bereich der Digitalisierung fordern Anpassungen bei Unternehmen. Um bestmöglich vom Wandel im Zeitalter der Digitalisierung profitieren zu können, sollten auch jüngere Mitarbeiter/innen mit neuen Ansichten ihre (Geschäfts-)Ideen in die Geschäftsleitung mit einbringen dürfen – so wie bei der KPMG.

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