Coaching-Cube-Modell Phase 1
(Bild: Kalaidos FH)

Wie ich in Teil 2 meiner Beitragsserie zum CoachingCube-Modell beschrieben habe, ist es wichtig, die aktuelle Ausgangssituation bestmöglich zu beleuchten, um zusammen mit dem Coachee die Problem- und/oder Fragestellung differenziert beschreiben zu können. Dazu habe ich den Coaching-Compass als mögliche Strukturierungshilfe etwas genauer beschrieben.

Gute Fragen formulieren zu können, ist nicht ganz einfach

Aufgrund aktueller Erlebnisse aus Supervisionen und Leadership-Development-Programmen ist mir bewusst geworden, dass es für Führungskräfte und Beratende nicht ganz so einfach ist, in der Rolle als Coach gute Fragen formulieren zu können.

Nur was bewusst ist, kann verändert werden.

Damit Probleme gelöst, Fragen geklärt und Ziele erreicht werden können, braucht es Bewusstheit. Diese entsteht durch Reflexion, (Selbst-)Beobachtung, Feedback, etc. Hierbei sind gut formulierte Fragen zentral, da diese dem Coachee helfen, neue Aspekte und Zusammenhänge zu erkennen.

Der Coachee nutzt ein Coaching, weil er sich weiterentwickeln, ein Problem lösen, ein Ziel erreichen, eine Frage klären, eine Entscheidung treffen, Ambivalenzen und eigene dysfunktionale Muster verstehen möchte. Um hier als Coach hilfreich sein zu können, gilt es, mindestens vier Aspekte zu differenzieren:

  • Selbst
  • Andere
  • Kontext
  • Zeit

Wir alle haben schon erlebt, dass wir uns je nach Menschen und Gruppen, mit denen wir im Kontakt sind, unterschiedlich verhalten. Dazu kommt noch, dass der Kontext wie der Zeitpunkt und die Dauer von Ereignissen ebenfalls einen Einfluss auf unser persönliches Wohlbefinden und Verhalten haben können. Mit einigen Menschen fühle ich mich schnell wohl, bei anderen entwickle ich ganz schnell Stressgefühle. In bestimmten Situationen fühle ich mich sicher und kompetent, in anderen wiederum eher verunsichert und inkompetent. Wir sind demnach nicht immer und überall "dieselben".

Wie nutze ich das Fragenrad im Coaching?

Um diese "Psycho-Dynamiken" bewusst werden zu lassen, braucht es "gute Fragen", die aus einem wertfreien Dialog entstehen. Um die Entwicklung weiterführender Fragen erleichtern und systematisieren zu können, stelle ich Ihnen nachfolgend das von mir entworfene Fragenrad vor.

Fragenrad im Coaching
Fragenrad im Coaching (Grafik: eigene Darstellung)

Coaching-Gespräche verlaufen nie nach Plan. Ich kann mir also nur bedingt einen Fragenplan für das Coaching vorbereiten. Wenn ich mit einer fixen Sammlung von vorbereiteten Fragen in ein Coaching gehe, wird es vielmehr ein strukturiertes Interview oder gar ein Verhör werden und kein Dialog, in dem man seine Fragen abhängig von den erhaltenen Antworten macht. In der Rolle als Coach sind Sie immer wieder gefordert, flexibel auf die erhaltenen Antworten reagieren und passende Fragen entwickeln zu können.

Konsultieren Sie im Gespräch immer wieder mal das Fragenrad, um Ideen für eine kontextgerechte und evtl. weiterführende Frage zu bekommen.

Erklärungen zum Problem

  • Wie erklärst Du Dir das Problem?
  • Wie ist es entstanden?
  • Welche Zusammenhänge glaubst Du zu erkennen?
  • Wer genau hat ein Problem damit? Weshalb?
  • Welche der folgenden Haltungen/Überzeugungen glaubst Du zu erkennen:
  • „Entweder, oder...“ / „Sowohl, als auch...“ / „Weder, noch...“
  • Welche ist Deiner Meinung nach die „Passende“? Weshalb?

Ursachen

  • Wie ist es dazu gekommen?
  • Welche Ursachen haben Deiner Meinung nach zur Frage, zum Problem geführt?
  • Welche dahinterliegenden Motive, Bedürfnisse könnten die Ursache sein?
  • Was könnte es auch noch sein?

Zeitpunkt & Häufigkeit

  • Wann hat das beschriebene Ereignis stattgefunden?
  • Wann ist es das erste/letzte Mal vorgekommen?
  • Wie häufig kommt es vor?
  • Welche Regelmässigkeiten glaubst Du zu erkennen?
  • Welche Abhängigkeiten/Wirkzusammenhänge („Immer wenn …, dann...“) lassen sich beschreiben?

Beteiligte & Betroffene

  • Wer ist alles beteiligt? Wer ist eher aktiv? Wer ist eher passiv?
  • Wer ist betroffen? Wie konkret?
  • Wie verhalten sich die Personen ganz konkret?
  • Was sind vermutlich die Bedürfnisse und Motive der Beteiligten und welche der Betroffenen?
  • Würde die benannten Personen das auch so sehen?

Perspektiven

  • Wie würden andere die Situation beschreiben?
  • Wer sieht es sicher nicht gleich wie Du? Wie erklärst Du Dir das?
  • Was würden Unbeteiligte zu der Situation sagen? Welche Lösung würden sie vorschlagen?

Emotionales Erleben

  • Wie geht es Dir damit?
  • Welche Gefühle kommen da bei Dir auf?
  • Wo spürst Du das? Wie genau? (Körperempfinden)
  • Was machst Du dann mit den wahrgenommenen Gefühlen?
  • Was stärkt Dich? Was schwächt Dich?

Wichtigkeit & Werte

  • Wie wichtig ist Dir das Thema? Auf einer Skala von 0-10?
  • Welche Werte von Dir werden da sichtbar?
  • Wie gut gelingt es Dir in diesen Situationen für Deine Werte einzustehen?
  • Woran merken andere, dass Dir etwas gerade sehr wichtig ist?
  • Woran merkst Du und andere, dass Dir wichtige Werte verletzt werden?
  • Was machst Du dann konkret? (nach innen und nach aussen)

Viel Erfolg beim Ausprobieren und Erfahrungen sammeln.

Herzliche Grüsse
Manfred Suter

Autor/in
Manfred Suter

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