Collage Everydays von Beeple
Krypto-Kunst von Beeple: “EVERYDAYS: THE FIRST 5000 DAYS" gezeichnet mit einem NFT. (Symbolbild)

Der Handel mit Kryptowährungen und Non Fungible Tokens (NFTs) haben den traditionellen Kunstmarkt gehörig aufgemischt. Spätestens seit das Auktionshaus Christie’s im Frühling dieses Jahres ein NFT-Werk des bis anhin völlig unbekannten Grafikdesigners Beeple für 69,3 Millionen Dollar versteigerte, ist der Wandel in der Kunstwelt auch für die Öffentlichkeit sichtbar. Was hat die Krypto-Kunst auf sich? Sind mit NFTs versehene Kunstwerke ihren Preis wert? Und werden diese auf dem Kunstmarkt bestehen oder bald wieder von den einschlägigen Online-Plattformen verschwinden? Diese Fragen haben in der Kunst- und Tech-Welt eine Diskussion entfacht.

Was versteht man unter Krypto-Kunst und Non Fungible Tokens?

Krypto-Kunst ist Kunst, die nur digital mittels Kryptowährung erworben werden kann. Doch das ist noch nicht alles. Das Besondere an Krypto-Kunstwerken ist, dass sie eine nicht austauschbare (Non Fungible) Werteinheit (Token) besitzen. Man spricht hier auch von einem NFT oder Non Fungible Token. Ein NFT kann sich auf physische oder digitale Gegenstände beziehen, also auf Designer Sneakers wie Avatare oder eben Kunst, beispielsweise in Form von rein visuellen Kunstwerken, Musik oder Video-Art. Ein NFT wird auf eine ähnliche Weise erschaffen wie eine Kryptowährung. Im Unterschied zu Kryptowährungen und physischem Geld, die gegeneinander gehandelt oder getauscht werden können, weisen NFTs eine digitale Signatur auf, die einen Handel oder Tausch mit anderen NFTs unmöglich machen. Jedes NFT-Kunstwerk ist einzigartig - egal ob es das Werk nur ein Mal gibt oder eine limitierte Auflage davon existiert. Jedes Exemplar besitzt eine Zertifizierung: KünstlerIn, rechtmässige/r BesitzerIn und Grösse der Auflage des Kunstwerks werden auf der Blockchain registriert. NFTs sind damit fälschungssicher. 

Wie unterscheidet sich Krypto-Kunst von herkömmlicher physischen Kunst?

In der physischen Welt gibt es echte Bilder und in vielen Fällen auch Kopien davon, beispielsweise in Form von Postkarten. Wenn ein echtes Bild gekauft wird, ist dieses nur noch für den/die BesitzerIn und allenfalls einen bestimmten Kreis zu sehen. In der digitalen Welt kann ein Werk von Picasso, das es eigentlich nur physisch gibt, als einziges Original oder in einer limitierten Auflage erworben werden, sofern es mit einem NFT versehen ist. Kopien davon gibt es keine. In der Krypto-Kunst kommen auch Unikate von rein digitalen Werken vor, die kein physisches Ebenbild besitzen. Und: Ein gekauftes NFT-Werk bleibt weiterhin auf einem öffentlichen Server allen zugänglich.

Warum schaffen KünstlerInnen Krypto-Kunst?

Mit der Schaffung von NFT-Kunstwerken erweitert sich der Kreis von KunstsammlerInnen um jene, die grosses Interesse an neuen Kunstformen haben. Mussten sich KünstlerInnen bis anhin auf Galerien oder Auktionshäuser verlassen, um ihre Kunst verkaufen zu können, entstehen mit der Krypto-Kunst neue direkte Vertriebskanäle. Potenzielle KundInnen lassen sich nun persönlich ansprechen. Gebühren für die Vermittlung ihrer digitalen NFT-Werke fallen für die KünstlerInnen weg. Ein weiterer Grund, Krypto-Kunst zu kreieren, ist die Möglichkeit, Lizenzgebühren so zu gestalten, dass sie ein Prozentsatz des Umsatzes für die KünstlerInnen abwerfen, wenn ihre Werke den Besitzer wechseln. Beim Weiterverkauf von physischen Kunstwerken ist das in der Regel nicht der Fall.

Warum wird Krypto-Kunst gekauft?

Wenn Krypto-Kunst online kostenlos betrachtet werden kann, kann es verwunderlich scheinen, dass Menschen bereit sind, Geld, ja manche sogar Millionen dafür zu zahlen. Ebenso könnten sie einen Screenshot davon machen. Dank Blockchain und NFT wird digitale Kunst als echte Kunst bewertet. KäuferInnnen von NFT-Kunst werden stolze BesitzerInnen des Originals und erhalten auch einen zertifizierten Eigentumsnachweis. Die Möglichkeit, über einen digitalen Besitz prahlen zu können, kann für manche sogar wichtiger sein als das Kunstwerk selbst.

Traditionelle KunstsammlerInnen sind unter den Krypto-KunstbesitzerInnen weniger vertreten. Beim Käufer der Beeple-Collage handelt es sich um einen Investor aus Singapur. Er versteht sich als Pionier und Trendsetter im Krypto-Kunstmarkt. Er ist überzeugt, dass Krypto-Kunst die Bildsprache der ganzen Welt beeinflusst und versteht sich als Teil einer wichtigen Bewegung. Andere BesitzerInnen von NFT-Kunst sehen darin eine vielversprechende Geldanlage. Auf den Handelsplattformen tummeln sich jedoch nicht nur Millionäre. Vielfach sind dort Fans der KünstlerInnen anzutreffen, die sich auch auf den sozialen Medien bewegen oder Angehörige der Tech-Branche, die empfänglich für digitale Kunst sind.

Wird Krypto-Kunst den Kunstmarkt nachhaltig verändern oder als kurzfristiger Hype bald wieder vom Horizont verschwinden?

Der Kunstmarkt hat sich in den letzten 25 Jahren nicht der Digitalisierung geöffnet wie andere Industrien, obwohl die Instrumente dafür da waren. Sammlerinnen zogen es nämlich bisher vor, Kunstwerke im Original anzuschauen - so Dirk Boll, Präsident des Auktionshauses Christie’s (SRF, 2021). Dass das heute nicht mehr so ist, schreibt Boll der Corona-Krise zu. Kunstinteressierte würden sich plötzlich in digitalen Viewing Rooms und Online-Verkaufsplattforen bewegen. Das sei der Durchbruch der digitalen Kunst gewesen und der erste Schritt zur Etablierung einer mit NFT geprägten Kunstform. Duncan Cock Foster, Mitbegründer der Verkaufsplattform Nifty Gateway, glaubt sogar, dass die digitale Kunst noch sehr viel kreativer werden wird (SRF, 2021).

Wie es mit der NFT-Kunst in Zukunft weitergeht, ist nicht abschliessend zu beantworten, da sie erst seit kurzem auf dem Markt ist. Tech-Experten glauben zum einen, dass Mega-Deals mit digitalen Kunstwerken auf der einen Seite vor allem zur Promotion für das Handeln mit Kryptowährungen dienen. Zum anderen sei der Kauf von hochpreisiger Krypto-Kunst immer mit einem grossen Risiko verbunden. Nur wer das Geld übrig hat und NFTs einen grossen persönlichen Wert beimisst, sollte solche digitale Sammlerstücke erwerben. Zu bedenken gilt auch, dass Versicherer Cyberrisiken zunehmend aus den Kunstpolicen ausschliessen. Wem Ökologie und Nachhaltigkeit wichtig sind, muss wissen, dass das Erstellen sowie Anbieten von NFTs und Kryptowährung einen immensen Stromverbrauch erzeugen. Allerdings hat NFT-Kunst im Vergleich zu physischen Kunstwerken den Vorteil, dass Kosten und Energieaufwand für Lagerung und Transport entfallen.

Alles in allem scheinen Verkaufsplattformen wie Nifty Gateway, SuperRare und OpenSea eine Chance für junge KünstlerInnen zu sein, unabhängig von Bekanntheitsgrad, Ausbildung und Lokalisation ihre Kunst zu realisieren und davon leben zu können. Ein wichtiges Kriterium für KäuferInnen könnte sein, dass sie auf einem zentralisierten NFT-Markplatz (wie Nifty Gateway) Kunstwerke kaufen. Hier durchlaufen KünstlerInnen einen Bewerbungs- und Interviewprozess, bevor sie NFTs prägen und ausgeben dürfen. Damit soll sichergestellt werden, dass die Kunstwerke von höchster Qualität sind.

Autor/in
Irene-Willi

Irene Willi Kägi

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