Metaverse
Facebook heisst neu Meta und lanciert das Extended-Reality-Projekt Metaverse. (Symbolbild)

Extended-Reality (XR) ist eine Welt, die virtuelle und reale Inhalte vereint und ist in der Gaming-Szene weit verbreitet. Auch diverse andere Branchen wie Medizin, Architektur, Bildung oder Marketing nutzen schon länger XR-Technologien, sei es in Form von Augmented, Mixed oder Virtual Reality (AR, MR, VR). Nun haben auch Facebook, Webex und Zalando grosse XR-Projekte lanciert. Bis aus den Prototypen perfekte Anwendungen werden, bedarf es aber noch vieler Usability Tests und der Weiterentwicklung durch hochqualifizierte Fachkräfte. So ist bei diesen drei Projekten vieles noch unklar. Klarer sind dagegen die Visionen, die dahinterstehen. Auch der Mehrwert für die NutzerInnen scheint sich immer mehr am Horizont abzuzeichnen.

Metaverse: die neue Cyberwelt zum gemeinsamen Gedankenaustausch, Arbeiten, Lernen und Spielen

Mit Metaverse will der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg eine riesige virtuelle Welt erschaffen, wo Menschen sich mit ihren Avataren in Echtzeit treffen, um gemeinsam Gedanken auszutauschen, Freizeitbeschäftigungen nachzugehen, Arbeitstreffen abzuhalten oder an einer Live-Schulung teilzunehmen. Hier kann man auch virtuelle Grundstücke, Kleidung oder andere digitale Güter kaufen. Bezahlt wird beispielsweise in Kryptowährungen. Wie Zuckerberg betont, werde Metaverse allen offenstehen und das Ziel sei nicht, dass Menschen noch mehr Zeit online verbringen, sondern dass mit der Überwindung der räumlichen Distanz das gemeinsame Online-Erlebnis intensiver und besser erlebbar wird.

Den Zeithorizont bis zum Metaverse-Mainstream gibt Zuckerberg mit zehn Jahren an. Einzelne Anwendungen sind schon umgesetzt oder sollen zeitnah ausgerollt werden. So veröffentlichte Facebook im August 2021 die offene Beta-Version von Horizon Workrooms, eine Kollaborations-App, die virtuelle Besprechungsräume für Teams sowie Whiteboards und Videoanrufe für bis zu 50 Personen anbietet. Seit Oktober 2021 befindet sich das VR-Video-Game Horizon Worlds in einer Beta-Phase und ist nur für Eingeladene verfügbar. Horizon Home ist sozusagen das Wohnzimmer im Metaverse, wo man via AR-Brille Freunde zu sich "nach Hause" einladen und gemeinsam Videos ansehen oder gamen kann. Das bisherige Quest Home soll damit in naher Zukunft ersetzt werden. In einer späteren Version sollen auch die einzelnen Zimmer in dem "eigenen Zuhause" individualisiert werden können. Horizon Venues ist bereits öffentlich online verfügbar. Mit der VR-Event-App kann man in Anwesenheit anderer VR-NutzerInnen (Live-)Streams von realen Konzerten, Sportereignissen, Comedy-Auftritten etc. geniessen.

Facebook, das künftig nur noch Meta heisst, plant für die Weiterentwicklung von Metaverse in den nächsten fünf Jahren 10’000 Mitarbeitende in der Europäischen Union einzustellen. Vor dem Hintergrund der berüchtigten Facebook Files melden Kritiker Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes an. Sie bemängeln, dass mit der neuen sozialen Plattform noch mehr Daten von Usern gesammelt werden können.

Horizon Home auf der Oculus Quest Plattform (YouTube)

Webex Hologram: eine Augmented-Reality-Lösung für bessere Meetings

Ebenso frisch wie das Metaverse-Projekt von Facebook ist das Projekt Webex Hologram von Cisco: die branchenweit erste fotorealistische, holografische Echtzeit-Lösung für die Zusammenarbeit. Im Gegensatz zu den heute auf dem Markt befindlichen 2D- und virtuellen Meeting-Erfahrungen ermöglicht Webex Hologram ein Gefühl der Kopräsenz, indem es fotorealistische Echtzeit-Hologramme von realen Personen liefert. Für die Teilnehmenden bedeutet dies eine fesselndere und realistischere Erfahrung als bei der Verwendung von Avataren. Webex Hologram ist mit branchenführenden AR-Headsets wie Magic Leap und Microsoft HoloLens kompatibel. Zurzeit ist Webex Hologram in der Pilotphase und sucht nach Personen, die zur weiteren Entwicklung beitragen möchten.

Mit der Lancierung von Webex Hologram verbindet Cisco die Mission, Arbeitserfahrungen zu ermöglichen, die so nahtlos sind, dass es keine Lücke zwischen virtueller und persönlicher Zusammenarbeit mehr gibt. Insbesondere bei Schulungen und Problemlösungen kann dies den entscheidenden Unterschied ausmachen. So kann ein Präsentator mit Webex Hologram sowohl physische als auch digitale Inhalte freigeben, so dass die Teilnehmende mitgestalten und wirklich zusammenarbeiten können. Beispielsweise können in der Autoindustrie Technikerinnen und Ingenieure mit einem physischen Prototyp eines Fahrzeugs in einer gemeinsamen AR-Welt interagieren, den Motor und den Unterboden des Fahrzeugs untersuchen und ihr Feedback untereinander teilen.

Webex Hologram (YouTube)

Zalando: Virtuelle Umkleidekabine mit erstklassigem Kundenerlebnis

Zalando, Europas führende Online-Plattform für Mode und Lifestyle, hat vor gut einem Jahr das Zürcher Software-Unternehmen Fison übernommen und damit das 3D-Body-Scanning-App ergattert. Diese gibt Empfehlungen für passgenaue Kleidung ab und ermöglicht KundInnen, Kleidungsstücke in einer virtuellen Garderobe anzuprobieren. Für die perfekte Passform braucht man nur zwei Bilder von sich mit der meepl App zu schiessen.

Nun investiert Zalando in den weiteren Ausbau der eigenen Technologie-Expertise und will im Zürcher Prime Tower 150 Mitarbeitende beschäftigen. Ziel ist, eine personalisierte Beratung und ein erstklassiges Kundenerlebnis zu bieten. KundInnen sollen auf Anhieb ein Kleidungsstück in der richtigen Grösse und Passform finden können sowie möglichst keine Rücksendungen machen müssen. Als Erstes gilt es, in der Schweiz diverse qualifizierte Fachkräfte zu finden, insbesondere in den Bereichen Software Engineering, Produktentwicklung und -Design sowie Applied Science. Im nächsten Jahr soll die Technologie für die Vermessung des Körpers genutzt werden können. Die Avatare und die virtuelle Umkleidekabine sollen später, möglicherweise 2023, folgen.

meepl Customer Journey - Size Recommendation (YouTube)

Fazit

XR scheint immer mehr in unsere Lebens- und Arbeitswelten einzudringen. Die Tech-Branche glaubt gar an einen regelrechten Boom in der nahen Zukunft. Beim Schreiben dieses Beitrags kündigt Microsoft einen ersten konkreten Schritt zu einem Gegenentwurf zu Zuckerbergs Cyber-Welt an: Microsoft Mesh, eine Weiterentwicklung des Kollaborationstools Microsoft Teams. Vielversprechend scheint auch die kabellose VR-Brille von Apple zu sein, die 2023 auf den Markt kommen soll.

XR-Prototypen sind nicht mehr nur 'lustig', sondern haben einen klaren Nutzen. Eine XR-Welt kann insbesondere in Zeiten von Homeoffice, Social Distancing und hybrider Zusammenarbeit eine physische Nähe herstellen – sei es in der Arbeitsumgebung oder im persönlichen Umfeld. Auch werden dadurch Erfahrungen möglich, die echten Erlebnissen und Begegnungen sehr nahekommen oder diese sogar übertreffen. Wer beispielsweise gerne online einkaufen möchte, kann die Produkte bequem zu Hause "aus"- bzw. "anprobieren" und so Fehlkäufe vermeiden.

Zu erwähnen bleibt, dass sowohl die Technologie als auch der Tragkomfort von AR-Brillen erst an einen Punkt kommen müssen, an dem Menschen gerne über eine längere Zeit damit verbringen wollen. Auch muss in den neu entstehenden sozialen Welten der Datenschutz gewährleistet sein.

Eine Welt, die sich selbstverständlich zwischen realen und XR-Welten bewegt, mag noch in weiter Ferne scheinen. Doch sind die Weichen gestellt, sodass wir in den kommenden Jahren von vielen weiteren XR-Technologien profitieren werden.

Autor/in
Irene-Willi

Irene Willi Kägi

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