Robotic Process Automation
Dank Robotic Process Automation (RPA) sind intelligente Roboter auf dem Vormarsch.

Wegen Existenzängsten setzten Kleinfabrikanten und Heimarbeiter aus dem Zürcher Oberland vor fast 200 Jahren die mechanische Spinnerei und Weberei in Uster in Brand. Dieses Ereignis ist der wohl bekannteste Fall eines Aufmarsches von Schweizer Bürgern gegen die Maschinen im Industriesektor.

Bislang ist der Dienstleistungssektor von solch disruptiver Technologie verschont geblieben. Doch mit dem Aufkommen von intelligenten Robotern könnte sich das in Zukunft ändern. Müssen Büroangestellte nun um ihren Arbeitsplatz bangen? Wird ein ähnliches Ereignis wie in Uster folgen oder werden wir die Chance nutzen, die uns die Technologie bietet? Wir dürfen nicht vergessen, dass Webmaschinen zum Aufstieg der Schweizer Maschinenindustrie beigetragen haben.

Digitale Roboter wie RPA übernehmen repetitive Aufgaben

Dank Robotic Process Automation (RPA) sind intelligente Roboter auf dem Vormarsch. RPA ist eine Technologie, um Geschäftsprozesse zu automatisieren, die bisher von Menschen ausgeführt wurden. Die Roboter agieren als "digitale Mitarbeiter" und sind einfach zu implementieren, da sie mit den vorhandenen IT-Systemen interagieren. Für die Ausführung der Prozesse benötigen die Roboter Regeln und Vorgaben, die entweder im Vorfeld oder während der Tätigkeit durch maschinelles Lernen und Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) entwickelt werden. Durch die Nutzung der KI sind die Roboter in der Lage, intelligente Entscheidungen zu treffen und flexibel auf unterschiedliche Situationen zu reagieren.

Erste Erfahrungen mit RPA konnten gesammelt werden

Digitale Roboter sind prädestiniert für die Interaktion mit IT-Systemen bei Prozessen von sich wiederholendem, vorhersehbaren Charakter. Dazu zählen Prozesse wie das Ausfüllen von Formularen, die Übertragung der Rechnungsdaten ins ERP-System oder das Verarbeiten von Daten aus mehreren Systemen. Eine Umfrage von PwC (2020) bei 141 Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Schwerpunkt Finance & Accounting ergab, dass bereits über 50 Prozent der befragten Unternehmen mindestens einen Roboter einsetzen. Dabei werden die Roboter mehrheitlich in der Kreditoren- und Debitorenbuchhaltung "beschäftigt". Als typische Aufgaben werden Buchungen und Berichterstattungen genannt, die die Roboter im Accounting übernehmen.

Einsatzmöglichkeiten von RPA in der Zukunft

Vom allerersten Auto mit Hebellenkung bis zur Erfindung des Lenkrads dauerte es fünf Jahre. Wie können wir uns also das Potenzial der RPA-Technologie zunutze machen? Die ersten Unternehmen setzen Roboter bei Preisverhandlungen im Einkauf oder im Kundenkontakt ein. Roboter könnten auch als fehlendes Bindeglied zwischen Systemen fungieren, die bisher nicht miteinander verbunden waren. Es ist jedoch unklar, ob es sich dabei lediglich um Spielereien oder ernsthafte Anwendungsfälle handelt.

Auswirkungen von RPA auf die Mitarbeitenden und Prozesse

Unternehmen wollen in erster Linie ihre Beschäftigten entlasten und keine Stellen abbauen. Allerdings führt der Einsatz von RPA dazu, dass einfachere Aufgaben wegfallen und die erlernten Fähigkeiten nicht mehr benötigt werden. Change Management ist daher von grosser Bedeutung, da sich das Anforderungsprofil der Angestellten deutlich verändern wird. Vor allem ältere Mitarbeitende haben Angst, dass sie den grossen Veränderungen nicht gewachsen sein werden.

Vor der Automatisierung sollten jedoch die Prozesse gründlich analysiert, hinterfragt und standardisiert werden. Ansonsten werden Prozesse automatisiert, die nicht mehr benötigt werden oder zu viele Ausnahmeregeln haben. Dies könnte die Implementierung unnötig verteuern.

Fazit

Die intelligenten Roboter (RPA) entlasten Unternehmen und Angestellte von repetitiven Aufgaben, damit Sie mehr Zeit für das Wesentliche haben. Im Gegensatz zu Menschen brauchen sie keine Pausen und können entsprechend skaliert werden, sodass die Planungssicherheit erhöht werden kann. Da sie nicht als eigenständige Software installiert werden müssen und im Hintergrund arbeiten, haben sie einen deutlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Technologien.

Andererseits werden in Zukunft einfache, repetitive Büroarbeiten und die dafür zuständigen Beschäftigten stark unter Druck geraten. Aufgaben, die früher Lernenden, PraktikantInnen oder SachbearbeiterInnen überlassen wurden, könnten in Zukunft von einem Roboter übernommen werden, so zum Beispiel Controllingaufgaben oder auch das Erfassen von Rechnungen. Doch müssen auf viele Fragen erst noch Antworten gefunden werden: Wie sollen Unternehmen und Teams auf diese Veränderungen reagieren? Welche Fähigkeiten werden in Zukunft benötigt und wie kann man einen solchen Wandel mit allen beteiligten Personen bewältigen? Auch gilt es, den Einsatz von Robotern auf ihren Nutzen hin kritisch zu prüfen, denn ein Roboter kann nicht in allen Fällen einen Menschen ersetzen.

Autor/in
Praveen Nellissery

Praveen Nellissery

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