Kollaboration heisst, die Stärken des Individuums und der Gruppe optimal zu nutzen. (Symbolbild)

„Möchten Sie mehr Innovation im Unternehmen? Dann setzen Sie auf Kollaboration anstelle von Teamwork!“ So lautete das Motto des Ende September durchgeführten Workhacks der Kalaidos Fachhochschule. Durch das interaktive Webinar führte Fritz Seidel, Co-Founder der Innovationsagentur DAY8. Im Mittelpunkt standen einfache Arbeitsprinzipien und sofort nutzbare Tools, welche einen selbstbewussten und kreativen Umgang mit Komplexität ermöglichen.

Die Koordination von verschiedenartigem Wissen, Brainstorming und Teamwork sind bekannte und oft effiziente Wege, kreative Ideen hervorzubringen. Wenn jedoch auf einen bestimmten Zeitpunkt hin herausstehende, kreative Lösungen zu entwickeln sind, empfiehlt Seidel, interdisziplinär und mit so vielen Menschen wie möglich gleichzeitig zu arbeiten. Die Herausforderung dabei ist: Je mehr Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Zielen aus verschiedenen Bereichen involviert sind, desto schwieriger wird es, schnelle und gute Resultate zu erreichen.

Kollaboration hebelt Gruppendynamiken, Vorurteile und kognitive Verzerrungen aus

Wahrscheinlich haben Sie es selbst schon einmal erlebt, dass Machtspiele, hierarchische Abhängigkeiten, Koalitionsbildungen oder Ausgrenzungen Teamwork behinderten. Oder dass Entscheidungen ohne jegliche Objektivität getroffen wurden. Oft leistet das Phänomen der kognitiven Verzerrung einen wesentlichen Anteil: Die Person, die zuerst spricht, wird in ihrer Kenntnis aufgewertet, auch wenn ihre Idee gar nicht so brillant war (First Speaker Bias). Umso wichtiger bewertet man deren Idee, wenn sie Chef oder Chefin ist, denn bei Vorgesetzten setzt man Wissen voraus (Authority Bias). Am besten finden wir das, was am ehesten unserer Meinung entspricht (Confirmation Bias). Und wenn wir gar keine Meinung haben, schliessen wir uns der Gruppenmeinung an – die wird es schon am besten wissen (Social Proof Bias).

Hier sollte laut Seidel anstelle von blosser Koordination und Kooperation Kollaboration ins Spiel gebracht werden: eine strukturierte Methode, um in komplexen und unsicheren Systemen Kreativität stetig abrufen zu können. Im Unterschied zu Teamwork heisst Kollaboration nicht einfach, dass Spezialisten auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten, sondern dass diese bereits bei der Erarbeitung des Ziels beteiligt werden. Dabei wird in maximal multidisziplinären Teams gearbeitet. Um die besten Lösungsansätze zu erzielen, werden bestimmte Arbeitsweisen angewendet: Es gilt, vorerst möglichst ohne Beeinflussung von anderen und den eigenen Vorurteilen alleine zu arbeiten, um dann die besten Ideen zu präsentieren und gemeinsam diskutieren. Kollaboration hebelt genau solche Gruppendynamiken, Vorurteile oder kognitive Verzerrungen aus. Die Kreativität kann uneingeschränkt fliessen.

Kollaboration

(Grafik: Seidl. F., Workhack „Mehr Innovation durch bessere Kollaboration“, 25.09.2020)

Wie Kollaboration funktioniert

Die Kollaboration funktioniert ohne Vorwissen der Teilnehmenden, braucht aber einen Moderator, der mit den Prinzipien vertraut ist:

  1. Machen Sie ein individuelles Brainstorming, das heisst jeder für sich allein und am besten schriftlich. Niemand wird dabei von den anderen Gruppenmitgliedern beeinflusst oder eingeschränkt.
  2. Jeder präsentiert seine Ideen vor der Gruppe. Erlaubt sind nur Verständnisfragen, keine Diskussionen.
  3. Clustern Sie ähnliche Gruppen und bilden Sie Kategorien. Dies geschieht wertfrei. Also nicht: „Die Idee ist besser als die andere.“, sondern: „Diese Idee passt zu der anderen.“
  4. Lassen Sie die Ideen bzw. Kategorien von der Gruppe bewerten und priorisieren (demokratisch, Punkte verteilen etc.).
  5. Nun folgt die strukturierte Zusammenarbeit Arbeit in der Gruppe oder in Subgruppen.
  6. Definieren Sie genau geplante Zeitabschnitte für die verschiedenen Phasen der Zusammenarbeit (=Timeboxing). So geben Sie den Teilnehmern eine Struktur. Laut Untersuchungen soll das Einhalten strikter Zeitlimiten gar zu Höchstleistungen führen.

Zu den Stärken dieser Prinzipien gehören, dass diese unabhängig von organisatorischen Anpassungen angewendet werden können. Jedes Mitglied der Arbeitsgruppe wird beteiligt und angehört, ohne dabei sein Gesicht zu verlieren. Das Management entscheidet erst, nachdem der ganze Prozess transparent gemacht wurde. Mit Kollaboration wird das Prinzip des „Gegeneinanderarbeitens“ zum unvoreingenommenen und produktiven „Miteinanderarbeiten“. Dies ermöglicht bessere Entscheidungen, führt zu besseren Ergebnissen und letztlich zu planbarer Innovation.

Kollaborationsmethode Systematic Inventive Thinking (SIT)

Systematic Inventive Thinking zählt wie Design Thinking zu den Kollaborationsmethoden. Diese beruht auf dem Grundsatz, die eigenen bzw. unmittelbar verfügbaren Ressourcen zur Lösung von Problemen beizuziehen. SIT bietet verschiedene Vorgehensweisen an. Die Entwicklung vom einfachen, alten Handy zum modernen Smartphone könnte wie folgt ausgesehen haben:

  • Multiplication: Bei einem Produkt wird eine vorhandene Komponente vervielfacht. Die hinzugefügte Komponente sollte in irgendeiner Weise geändert werden: Dem alten Handy wurden mehr Tasten mit neuen Funktion hinzugefügt. Das Handy wurde dadurch zum Blackberry.
  • Substraction: Aus einem Produkt wird eine wesentliche Komponente entfernt. Die neue Anordnung der Komponenten findet einen neuen Verwendungszweck: Die Tasten des Handys wurden entfernt. Diese sind auf dem Smartphone nur noch virtuell vorhanden und übernehmen weitere zusätzliche Funktionen.
  • Division: Ein Produkt und/oder seine Komponenten werden unterteilt und neu angeordnet. Dadurch entsteht ein neues Produkt: Die Komponente Multi-Touch-Bildschirm des Smartphones wurde für die Entwicklung des iPads übernommen.
  • Task Unification: Einer vorhandenen Komponente eines Produkts wird eine neue, zusätzliche Funktion zugewiesen. Der Rahmen des Smartphones wurde auch zur Antenne.
  • Attribute Dependency: Bei einem Produkt werden Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Variablen hergestellt oder aufgelöst. Variablen sind Merkmale, die sich ändern können (z.B. Farbe, Grösse, Material): Die Modelle der Smartphone-Generation 2020 – iPhone 12 Pro Max, iPhone 12 Pro und iPhone 12 Mini – unterscheiden sich durch ihre Grösse, weisen aber alle 5G-Unterstützung auf.

Wollen Sie nun Kollaboration zum Erfolgsfaktor für Innovationen in Ihrem Unternehmen machen? Dann hören Sie auf den Rat von Seidel und befolgen Sie das grundlegende Arbeitsprinzip „Starten statt warten.“ Die Methoden müssen Sie nicht von Anfang an perfekt beherrschen. Auch ein/e AutorIn kann ein unperfektes Manuskript, aber kein leeres Blatt, optimieren.

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