Maika Lange, Institutsleiterin Institute for Distance Learning Kalaidos FH, in der digitalen Lernumgebung
Maika Lange, Studiengangsleiterin Masterprogramme und Fernstudium in der digitalen Lernumgebung (Bild: Kalaidos FH)

Die vom BAG am 13. März 2020 angeordnete „Schulschliessung“ erfordert, dass zurzeit nahezu alle Lehr- und Lernangebote von Hochschulen online angeboten werden – und zwar innert kürzester Zeit und mit den bereits vorhandenen technischen Möglichkeiten. Online-Lehre ist jedoch mehr als nur der Upload eines gehaltenen Vortrages auf YouTube und stellt daher eine besondere didaktische Herausforderung dar. Dozierende können hierbei glücklicherweise auf einen reichen Fundus empirisch belegter Gestaltungsrichtlinien zurückgreifen (Ko & Rossen, 2017; Sund, 2020). Aber weil die Zeit nun knapp ist und Hochschulen – wie die Kalaidos FH – auf pragmatische Lösungen setzen, hier eine prägnante Zusammenstellung der zentralen Gestaltungsempfehlungen.

Stellen Sie die soziale Präsenz sicher

Neben der Wahl der passenden Lerninhalte ist insbesondere die Sicherstellung der soziale Präsenz für die Erreichung einer hohen Lehrqualität von zentraler Wichtigkeit. Soziale Präsenz bedeutet, dass die Dozierenden versuchen, die Klassengemeinschaft bewusst anzusprechen und zu integrieren. Dies kann durch die Entwicklung gemeinsamer Lernerfahrungen und durch die Möglichkeit von studentischen Inputs, wie z.B. Online-Diskussionen oder Gruppenaufgaben, erreicht werden. Ferner können Dozierende in ihren Lehraufgaben auch bewusst auf Fragen einzelner Studierender eingehen. Da der direkte Austausch mit den Studierenden eingeschränkt ist, sollten zusätzlich definierte Interaktionskanäle wie Chats oder E-Mail-Feedback die Lerninhalte flankieren.

Wählen Sie Lernmaterialien gezielt aus bzw. passen Sie diese entsprechend an

Bei der Wahl, bzw. der Anpassung der Lernmaterialien lassen sich folgende Hinweise geben:

Lehrbücher: Die meisten Bücher sollten den Studierenden bereits physisch und digital zur Verfügung stehen und können in dieser Form auch weiterverwendet werden. Es wird allerdings empfohlen, die Instruktionen des Lerninhaltes weiter zu präzisieren. Hinweise wie etwa „Achten Sie hierbei besonders auf…“ oder „Vergleichen Sie hierbei dieses Kapitel mit dem Ansatz XYZ“ motivieren für das Selbststudium und sollen die nun fehlenden Lesehinweise aus dem Unterricht im Schulzimmer kompensieren.

Artikel/Paper: Wenn die entsprechenden Artikel nicht zum Download im jeweiligen Lernraum verfügbar sind, empfiehlt es sich, wo möglich, die direkten Links zu den Artikeln anzugeben und diese hierbei stets auf Gültigkeit zu überprüfen. Gerade in einer Online-Lernumgebung gilt es, (virtuelle) Barrieren möglichst gering zu halten und eine nahtlose Bereitstellung der Lerninhalte sicherzustellen.

PowerPoint-Folien: Sie sind als alleinige didaktische Grundlage meist eher ungeeignet. Entweder sind die Folien überladen oder die spärlichen Bullet-Punkte lassen kein tieferes Lernverständnis zu. Die Lernqualität kann durch eingebettete Videos und Voice-Over-Funktionen deutlich verbessert werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Aufmerksamkeitsspanne online deutlich kürzer ist, als in einem realen Klassenzimmer. Dies bedeutet, dass man die Audio-/Video-Botschaften der Folien auf prägnante Zusammenfassungen und Botschaften beschränken sollte. Alternativ lassen sich auch grosse Foliensätze auf kleinere Mengen reduzieren.

Übungen und Cases: Der interaktive Charakter sollte auch online im Vordergrund stehen. Einzelne Gruppen von Studierenden (3-5) können sich in separaten Online-Plattformen und Chats austauschen und das Ergebnis via Mail, Dropbox etc. an die Dozierenden weitergeben. Jene können dies dann direkt in den aktuellen Unterricht einbeziehen oder die Ergebnisse für die nächste Session nutzen.

Kommunizieren Sie die Lernziele

Der Hinweis, die Lernziele und Inhalte zu Beginn der einzelnen Vorlesungseinheiten den Studierenden mitzuteilen, gilt im besonderen Mass für den Online-Unterricht, da hier der eigene Lernerfolg stärker individuell geprüft wird. Eine Variante hierfür ist die sogenannte SCATE-Struktur (Edwards, 2012). Hierbei werden den Studierenden folgende Punkte kommuniziert:

Scope: Was sind die Lerninhalte und Ziele dieser Unterrichtseinheit?

Content: Durch welche Lernmaterialen werden diese Inhalte vermittelt?

Activities: In welcher Form werden die Studierenden miteinbezogen?

Thinking: Wie kann der Studierende den Lernerfolg festmachen? Gibt es Übungsfragen am Ende, ein Quiz, etc.?

Extras: Gibt es zusätzliche Hinweise, beispielsweise spannende weitere Lektüre, zusätzliche Videos etc.

Die aktuelle Situation ist eine gewaltige gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderung. Das Beispiel der Hochschullehre und deren pragmatischer Verlagerung in ein Online-Umfeld, zeigt aber auch: Es bieten sich durchaus Chancen, kreativ und innovativ die Studierenden in ihrer Aus- und Weiterbildung weiterhin bestmöglich zu unterstützen und wichtige Kontinuität zu gewährleisten. 

Quellen und weiterführende Informationen

Edwards, J.A. (2012). Creating an integrated online learning module for information literacy, academic writing and communication skills: a case study. Middlesex Journal of Educational Technology, 2(1). pp. 51-59.

Ko, S., & Rossen, S. (2017). Teaching online: A practical guide. New York: Taylor & Francis.

Sund, K. (2020). Suggestions for moving teaching rapidly online in the face of the corona crises. Working Paper. Roskilde University.

Autor
Dr. Jörn-Basel

Prof. Dr. Jörn Basel

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