Black Friday Shopping
Der Tunnelblick auf das Schnäppchen setzt teilweise den gesunden Menschenverstand ausser Kraft. (Symbolbild)

Black Friday steht wieder vor der Tür – und damit ein kaum vergleichbares Rennen auf die besten Schnäppchen, offline und online. Die Schnäppchenjagd hat aber auch Schattenseiten. Es wird geschupst, das Verkaufspersonal beschimpft und sich gegenseitig auf die Füsse gestanden. Forscher untersuchten das Fehlverhalten von KonsumentInnen. Je stärker diese den Einkauf geplant haben und Aufwand in den Einkauf steckten, desto eher zeigten sie Fehlverhalten auf. Über Shopping, das tödlich enden kann.

 

Ausverkauf verlockt

Nicht nur in den USA, nein, auch in der Schweiz wird Black Friday langsam, aber sicher zum etablierten Event der Shoppingsuperklasse. Laut blackfridaydeals.ch handelt es sich dabei um den wichtigsten Shoppingtag der Schweiz mit über 300 Shops, die mit Schnäppchen die Kundschaft verlocken und verführen. Grosse Aktionen, reisserische Plakate, längere Öffnungszeiten, geschmackvolle Flyer, Coupons – das Arsenal an Werbetricks kennt keine Grenzen. 

Shopping und Glück

Auch wenn wir uns häufig freuen, ein Schnäppchen ergattert zu haben: die Freude hält oft nicht lange an. Kauf dich glücklich funktioniert meistens nicht wirklich. Eine Studie von Ashley Whillans und Kollegen zeigt z. B., dass wir Glück zu einem gewissen Grad käuflich erwerben können – allerdings weniger mit materiellen Gütern, sondern mit Produkten und Dienstleistungen, die uns mehr Freizeit verschaffen.

Einkaufen und Fehlverhalten

Nicht genug, dass der Einkauf uns kaum glücklich machen wird. Dazu kommt, dass sich KonsumentInnen immer wieder auch schlecht benehmen, wenn es um den grossen Sale geht. Sharron J. Lennon und Kollegen (2011) untersuchten Fehlverhalten von KonsumentInnen im Zusammenhang mit Black Friday. Grundsätzlich kann Fehlverhalten den KonsumentInnen selber schaden (z. B. durch Kaufsucht), anderen KonsumentInnen (z. B. drängeln, schupsen) oder auch dem Verkäufer (z. B. Vandalismus) Schaden verursachen.

Negative Emotionen erhöhen Chance für schlechtes Benehmen

Die Forscher zeigten auf, dass verschiedene Bedingungen am Black Friday negative Emotionen auslösen können, welche wiederum in schlechtes Benehmen der KonsumentInnen münden können. Zu solchen Bedingungen zählen unter anderem lange Wartezeiten, grosses Gedränge/grosse Menschenmengen, unhöfliche VerkäuferInnen, Mangel an gutem Service, ausverkaufte Waren und andere KonsumentInnen, die die üblichen Normen mit ihrem Verhalten verletzen. Während man noch einigermassen geordnet vor der Ladenöffnung ansteht, wird bei der Türöffnung rasch geschupst, gezerrt, sich gegenseitig Sachen aus dem Korb genommen. Die Ellbogen werden eingesetzt, um das langersehnte Objekt der Begierde zu ergattern. Oder um einfach nur etwas zu besitzen, was stark heruntergesetzt ist.

Die Analyse der Forscher zeigte: KonsumentInnen nehmen oft einen beträchtlichen Aufwand auf sich, sowohl was die Planung des Einkaufs als auch den Einkauf selber anbelangt. Je mehr Aufwand für die Planung und den Einkauf involviert ist, desto eher zeigte sich Fehlverhalten gegenüber anderen Menschen.

Tödliches Shopping

Im Extremfall führt das Fehlverhalten nicht «nur» zu einer Rempelei, sondern zu Verletzten oder sogar zu Todesfällen. Die Website http://blackfridaydeathcount.com stellt Todesfälle und Verletzte zusammen, die in den Medien im Zusammenhang mit/am Black Friday auftauchen. Aktuell steht die schockierende Auflistung bei 12 Todesfällen und 117 Verletzten.

Selbst wenn wir von solchen Zuständen in der Schweiz noch weit weg sind: Es lohnt sich trotzdem, sich wirklich gut zu überlegen, ob man sich dem Black Friday-Rausch hingeben möchte. Nicht nur im Sinne des eigenen Glücks, sondern auch der Nachhaltigkeit sollte man sich ehrlich fragen: Was brauche ich wirklich?

Weiterführende Informationen und Quellen:

Lennon, S. J., Johnson, K. K., & Lee, J. (2011). A perfect storm for consumer misbehavior: Shopping on Black Friday. Clothing and Textiles Research Journal, 29(2), 119-134.

Whillans, A. V., Dunn, E. W., Smeets, P., Bekkers, R., & Norton, M. I. (2017). Buying time promotes happiness. Proceedings of the National Academy of Sciences, 114(32), 8523-8527.

https://www.blackfridaydeals.ch

http://blackfridaydeathcount.com/

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Autor
Regula von Büren

Regula von Büren

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