Abbildung von Geschenktüten mit Weihnachtsmotiven
Weihnachten gilt als Fest der Liebe und der Besinnlichkeit - aber eben auch des Schenkens. (Symbolbild)

Eben erst hat der Kundenansturm zum Black Friday Schweizer Onlineshops zum Erliegen gebracht – schon sind neue Heerscharen von Konsumenten unterwegs zu den Sonderverkäufen. Es hat schon Tradition, dass in den Wochen vor Weihnachten eifrig geshoppt wird. Wirtschaftspsychologe Christian Fichter erklärt im Interview, was uns in der Vorweihnachtszeit in die Länden und Onlineshops treibt.

Christian FichterWarum sind wir zum Jahresende hin in Konsum- und Schnäpplilaune?

Da kommt vieles zusammen. Unser Konsumverhalten ist in vieler Hinsicht irrational und emotionsgesteuert, es funktioniert stark über teilweise steinzeitliche Verhaltensprogramme. Dabei handelt es sich nicht etwa um eine Fehlkonstruktion, sondern diese Programme können sehr sinnvoll sein – aber eben in der heutigen Umwelt nicht immer. Wir sind ja von Natur aus Jäger und Sammler. Früher jagte man Tiere oder sammelte Beeren, heute jagt man Sonderangebote und sammelt Rabatte. Die vielen Aktionen des Handels zum Jahresende regen unseren Jagdtrieb an, wir wittern sozusagen Beute und gehen auf Schnäpplijagd für Geschenke – aber auch für uns selbst. Dabei kann es leicht zu überstürzten Käufen kommen, da wir herabgesetzte Preise und scheinbar knappe Güter scharfsinnig wahrnehmen und nicht verpassen wollen – wobei natürlich die Verknappung auch künstlich sein kann.

Gerade beim Weihnachtseinkauf geht es nicht nur ums Kaufen, sondern auch um Tradition, Vorfreude und um das soziale Event. Würde man auf die Einkäufe verzichten, hätte man all dies auch nicht. Weihnachten ist für viele ein heiliges Fest, ein geschützter Wert, an dem wird unter allen Umständen festgehalten. Und für viele von uns gehört dazu eben auch das Shoppen. Wir sind soziale Wesen, folgen dabei auch einem Herdentrieb und empfinden Gruppendruck. Wo alle hingehen, da zieht es einen auch hin. Ob das wirklich so ist oder man es glaubt, weil Werbung und Normen das sagen, spielt für unsere Entscheidung keine Rolle. Auch die Aussicht auf ein schönes Fest, an dem man seine Liebsten mit Geschenken und einem feinen Essen erfreuen kann und auch selbst bedacht wird, lockt.

Sicherlich gibt es vermehrt Wahrnehmungen von überbordendem Konsumismus. Viele entscheiden sich daher bewusst für Weihnachten, bei denen mehr das Sinnliche im Vordergrund steht und weniger das Dingliche. Aber was für Erwachsene einfach ist und tatsächlich von der Mühe des Weihnachtsshopping entlastet, das wird natürlich von Kindern ganz anders gesehen … erklären Sie mal einem Kind, dass es dieses Jahr keine Geschenke gibt!

Steht demnach an Weihnachten das Schenken im Vordergrund?

Der Eindruck, Weihnachten sei mehr ein Fest des Konsums geworden als ein Fest des christlichen Glaubens, liegt nah. Viele sind von der Jagd nach Geschenken geradezu besessen und sie setzen sich auch durch die Fülle der Auswahl unter Druck. Es herrscht eine Art Weihnachtsstress. Dabei gilt Weihnachten ja als Fest der Liebe und der Besinnlichkeit - aber eben auch des Schenkens. Und unsere Zuwendung lassen wir nicht nur unseren Nächsten wie Familie und Freunden zukommen, wir haben auch eine grössere Bereitschaft für wohltätige Zwecke zu spenden.
All das liegt an den Verhaltensmustern, die wir mit der Zeit gelernt haben: Weihnachtszeit bedeutet Zeit für Familie, Kinder, Freunde, aber eben auch Zeit für Konsum, Geld ausgeben und Schenken.

Was hilft gegen übermässiges Konsumieren und Schnäpplijagd?

1. VERZICHT. Sich nicht in den Ausverkauf locken lassen, sondern nur bei Bedarf einzukaufen.

2. BEWUSSTMACHUNG. Sich dessen bewusst sein, dass man grundsätzlich nicht immer 100%ig rational ist beim Konsum - und im Ausverkauf erst recht nicht.

3. VORBEREITUNG. Sich auf den Einkauf vorbereiten: Einkaufsliste erstellen und sich strikt daran halten.

4. IMPULSKONTROLLE. Sich vor dem Zugreifen fragen: ob Kauf nötig ist.

5. STIMMUNGSKONTROLLE. Nicht in schlechter / frustrierter Stimmung kaufen.

6. GEGENSEITIGE KONTROLLE. Absprechen, ob man sich z. B. innerhalb der weiteren Verwandtschaft überhaupt persönliche Geschenke machen möchte oder nicht. Gegenseitiges «Aufrüsten» beim Schenken vermeiden.

7. REUE. Hat man doch etwas Unnötiges gekauft: Sich kurz ärgern, dann das Produkt verschenken - Schenken kann ungleich mehr Freude machen, als der Kauf gekostet hat ...

Sind Sie auch schon im Weihnachtsstress oder haben Sie Tipps, dem alljährlichen Konsumstress zu entgehen? Lassen Sie es uns doch unten in einem Kommentar wissen. 

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