Bild: Kalaidos FH

Dem Zucker wird viel nachgesagt. Er macht uns glücklich, dick, krank und vor allem können wir uns ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen. Wie rentabel ist jedoch der Zuckeranbau in der Schweiz und müssen wir uns vor einem billigeren Zucker aus der EU "fürchten"? Prof. Dr. Felix Schläpfer nimmt in diesem Post Stellung zu dem Thema, wie sinnvoll die Subventionen für den Schweizer Zuckermarkt sind. Das Interview basiert auf der SRF ECO-Sendung vom 19.12.2017, welche am Ende des Posts eingefügt ist. 

Herr Schläpfer, trotz der hohen Subventionen für den Zuckerrübenanbau klagen die Schweizer Zuckerrübenpflanzer, der Anbau lohne sich nicht mehr, und viele von ihnen steigen auf andere Kulturen um. Auch die Zuckerfabriken kommen in Bedrängnis. Warum subventioniert der Bund die Zuckerproduktion überhaupt?

Der Zweck der Zahlungen ergibt sich aus dem Landwirtschaftsartikel der Bundesverfassung. Dort heisst es: „Der Bund sorgt dafür, dass die Landwirtschaft durch eine nachhaltige und auf den Markt ausgerichtete Produktion einen wesentlichen Beitrag leistet zur sicheren Versorgung der Bevölkerung“. Die sichere Versorgung mit Zucker wäre allerdings bereits mit der Hälfte der heutigen Zuckerproduktion gewährleistet. Die von den Steuerzahlern finanzierte Produktionsförderung auf dem heutigen Niveau lässt sich kaum rechtfertigen.

Der Direktor des Bauernverbands fordert in einer parlamentarischen Initiative, dass mit höheren Zöllen ein Mindestpreis für Zucker sichergestellt wird. Dies, weil die EU im Herbst 2017 ihre Quotenregelung aufhebt und der EU Zucker noch günstiger wird. Wie beurteilen Sie diese Forderung?

Bei dieser Forderung geht es nicht um öffentliche Interessen, sondern um Partikularinteressen der Landwirtschaft und der Agrarindustrie. Solange in der Schweiz weit mehr Zucker produziert wird, als für die Erfüllung des Verfassungsauftrags notwendig, gibt es keinen Grund, über eine Erhöhung des Grenzschutzes zu reden. Jedes Kilogramm, das zusätzlich produziert wird, ist volkswirtschaftlich gesehen ein Verlust. Die Initiative zielt auf einen Ausbau der staatlichen Planwirtschaft in der Landwirtschaft. Bemerkenswert ist dabei, dass die Initiative aus den Reihen der «FDP.die Liberalen» kommt. 

Schokolode- und Biskuithersteller wie Nestlé Schweiz sind gegen eine Erhöhung der Zölle als Grenzschutz, wollen aber weiter Schweizer Zucker kaufen. Wieso halten die Firmen am "teuren" Schweizer Zucker fest?

Derzeit liegt der Zuckerpreis in der Schweiz nicht mehr weit über dem europäischen Niveau. Die Firmen, die Schweizer Zucker verarbeiten, können zudem vom Swissness-Vorteil profitieren.

Schweizer Zuckerverpackungen

Herr Schläpfer, wie müsste Ihrer Ansicht nach eine nachhaltige Zuckerpolitik in der Schweiz aussehen?

Aufgrund der massiven staatlichen Stützung hat sich die Zuckerproduktion in den letzten 50 Jahren verfünffacht. Die Stützung sollte so stark gesenkt werden, dass die Produktion wieder um etwa die Hälfte zurückgeht. Pro Kopf gerechnet entspräche dies immer noch der empfohlenen Zuckermenge gemäss Weltgesundheitsorganisation WHO. Der Zuckerkonsum, der darüber hinaus geht, kann problemlos mit Importen gedeckt werden. Wenn eine der zwei Schweizer Zuckerfabriken schliessen muss, ist dies in Kauf zu nehmen. Schon lange ist klar: die massive staatliche Förderung des Zuckeranbaus hat in die Sackgasse geführt. Statt weiterzumachen wie bisher, sollte die Politik sich aus dieser Sackgasse befreien.

Übermässiger Zuckerkonsum schadet bekanntlich der Gesundheit. Heute wird deshalb auch in der Schweiz über Zuckersteuern auf Süssgetränken und anderen gezuckerten Produkten nachgedacht. Wie beurteilen Sie die Förderung des Zuckeranbaus aus dieser Sicht?

Natürlich ist es volkswirtschaftlich gesehen wenig sinnvoll, wenn Produkte wie Zucker oder auch Tabak subventioniert werden, während gleichzeitig Präventionskampagnen finanziert werden. Auch wenn der Effekt der Subventionierung (direkt oder per Grenzschutz) auf den Konsum im Fall der Schweiz wohl minim ist.

Aufnahme Autor Prof. Dr. Felix Schläpfer

 

Prof. Dr. Felix Schläpfer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent an der Kalaidos Fachhochschule. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind: Volkswirtschaftslehre, öffentlicher Sektor, Umweltökonomie, Agrarökonomie, Präferenzerfassung. Zudem ist er Autor diverser Publikationen, u.a. Mitautor eines Weissbuchs zur Schweizer Landwirtschaft - Analysen und Vorschläge zur Reform der Agrarpolitik.  

Sehen Sie hier den ECO-Beitrag vom 19.12.2017 zum Thema "Zucker: Süsses Geschäft" mit Stellungnahme von Prof. Dr. Felix Schläpfer: 

 

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