Authentizität wird vielerorts als eine Schlüsselkompetenz für Führungskräfte beschrieben, um in Zeiten zunehmender Veränderung nachhaltig zu führen. Denn wer authentisch führt, wirkt glaubwürdig, weckt Vertrauen und vermag Mitarbeitenden Orientierung zu geben.

Doch was heisst es, authentisch zu führen? Durch welche Qualitäten zeichnen sich authentische Führungskräfte aus? Wie lässt sich Authentizität als Führungskompetenz entwickeln? Wo liegen die Grenzen authentischer Führung? Und wie kommunizieren Führungskräfte authentisch - insbesondere im Spannungsfeld widersprüchlicher Erwartungen seitens des Top Managements und der Mitarbeitenden? Dies sind Fragen, welche in dieser vierteiligen Blogserie „Mehr Authentizität in der Führung“ erörtert werden. Im diesem ersten Blogbeitrag geht es darum, was authentische Führung ausmacht und wie sie gelebt werden kann.

Was heisst Authentizität?

Der Begriff Authentizität stammt vom griechischen Wort „authentikos“ ab. „Autos“ steht für „selbst“ und „ontos“ für“ sein“. Authentisch zu sein, bedeutet also, so wie sich selbst zu sein oder anders gesagt, dass das Handeln aus der Person selbst heraus geschieht und nicht durch äussere Faktoren beeinflusst wird.

Wie Führungskräfte Authentizität entwickeln und leben

Ein vertieftes Verständnis von Authentizität findet man bei Bill George. Die 5 Dimensionen authentischer Führung nach George beschreiben die Qualitäten, die eine Führungsperson braucht, um authentisch zu führen. Wie Sie diese als Führungskraft entwickeln, zeigen Ihnen folgende Handlungsempfehlungen:

 Modell Authentic Leadership

 Abb.: Modell Authentic Leadership in Anlehnung an Bill George*

1. Purpose (Absicht /Wozu?)

Viele werden zur Führungskraft ohne sich dabei zu überlegen, was ihre Absicht oder Mission ist. Ohne diese zu kennen, werden Führungskräfte jedoch Mühe haben, authentisch zu führen. Als Empfehlung gilt: Lernen Sie sich zunächst selbst besser kennen. Entwickeln Sie ein Bewusstsein für Ihre Stärken und Schwächen, für Ihre persönlichen Leidenschaften, Motivationen und Bedürfnisse. Kommunizieren Sie Ihre Absichten und setzen Sie Ihre Stärken bewusst in der Führung ein. Idealerweise suchen Sie sich einen Arbeitgeber aus, dessen Mission mit Ihrer persönlichen Mission übereinstimmt.

2. Values (Werte)

Werte bilden die Vorgaben für unzählige Entscheidungen, die wir täglich treffen. Mit anderen Worten bilden Werte die Quintessenz unserer Persönlichkeit. Wer nicht weiss, was ihm wichtig oder wertvoll ist oder wofür er einsteht, wird auch Mühe haben, authentisch zu führen. Überlegen Sie für sich, in welchen Arbeitssituationen Ihnen diese Werte helfen. Woran erkennt Ihr Umfeld (Team, Vorgesetzte/r) Ihre Werte? Woran hindern Sie Ihre Werte und welche Konsequenzen hat dies auf Ihre Führungsarbeit? Kommunizieren Sie Ihre Vision und Werte und treffen Sie Entscheide, die im Einklang mit Ihren eigenen Werten, Gedanken und Gefühlen stehen.

3. Heart (Herz)

Authentische Führung heisst, nicht nur nach dem Verstand sondern auch mit dem Herzen zu handeln. Finden Sie den Zugang zu Ihrem Herzen und den Herzen Ihrer Mitarbeitenden. Empathie lautet hier das Zauberwort. Zeigen Sie Ihren Mitarbeitenden Ihre Wertschätzung. Nebenbei bemerkt ist Wertschätzung durch den Vorgesetzten gemäss der Gallup-Studie aus dem Jahr 2014 der grösste Motivationsfaktor für Mitarbeitende! Echte Anteilnahme und Fürsorge sollen die Stimmung heben und den Mut stärken. Würdigen Sie Einzelleistungen und feiern Sie Teamerfolge.

4. Relationships (Beziehungen)

Die Fähigkeit, Arbeitsbeziehungen positiv zu gestalten, ist eine Grundvoraussetzung für den Führungserfolg. Eine zu starke Nähe oder Empathie kann - genauso wie eine zu grosse Distanz - für eine förderliche Führungsbeziehung jedoch schädlich sein. Richten sie Ihre Aufmerksamkeit auf diese Balance zwischen Nähe und Distanz und wägen Sie jeweils sorgfältig ab, welche Führungshandlungen der Situation angemessen sind. Schenken Sie Vertrauen. Kommunizieren Sie offen und ehrlich. Setzen Sie sich sowohl für die Bedürfnisse der Mitarbeitenden als auch für die Ansprüche der Organisation ein. Beziehen Sie bei Entscheidungen auch Informationen in Betracht, die nicht mit der eigenen Haltung übereinstimmen.

5. Self-Discipline (Selbstdisziplin)

“Practice what you preach." Damit gewinnen Sie den Respekt Ihrer Mitarbeitenden. Damit Ihre Führungshandlungen mit Ihren Werten grundsätzlich übereinstimmen, braucht es jedoch viel Selbstdisziplin: Gehen Sie in einen inneren Dialog mit sich selbst: „Was sind die Vorteile, wenn ich etwas (nicht) tue? Welche Nachteile ergeben sich, wenn ich nachgebe? Woran merken meine Mitarbeitenden, dass ich authentisch führe?“ Nehmen Sie Ihre Vorbildrolle täglich wahr.

Fazit

Wer authentisch führt, muss immer wieder auf ein Neues den Prozess der Selbsterkenntnis beschreiten. Authentische Führungskräfte verhalten sich in Übereinstimmung mit ihren Werten, Überzeugungen und Glaubensvorstellungen. Diese kommunizieren sie transparent im Austausch mit anderen. Bei ihren Entscheidungen lassen sie sich gleichermassen durch den Verstand wie dem Herzen leiten. Aufgrund ihres autonomen Selbstbildes eröffnen sich ihnen eine Vielzahl von Handlungsalternativen. So können sie organisationale Herausforderungen besser erfassen und wirkungsvoller bewältigen.

Was macht Ihrer Meinung nach authentische Führung aus? Gibt es Aspekte, die hier nicht erwähnt sind? Denken Sie dabei an die authentischste Führungskraft, die Sie kennen.

Quellen

  • *George, B. Authentic Leadership (2003). Rediscovering the Secrets of Creating Lasting Value. Jossey-Bass.    
  • Kernis, M. & Goldmann, B.M. (2006). A multicomponent conceptualization of authenticity: Theory and Research. In M. P. Zanna (Ed.), Advances in Experimental Social Psychology: 283–357. Academic Press.    
  • Küpers, W. (2014). Integrale und authentische Führung. In Führen mit Herz und Verstand – integral und authentisch. Kamphausen Verlag.  
  • Peuss, C., Wesche, J.-S., Braun, S. (2015). Authentic Leadership. In J. Felfe (Hrsg.), Trends der psychologischen Führungsforschung. Hogrefe Verlag.    
Autor
Irene-Willi

Irene Willi Kägi

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