Mitarbeitende mit Chef am Tisch
Wie können sich Mitarbeitende gegen toxische Chefs wehren? (Symbolbild)

Toxische Führung ist in aller Munde. Schlechte Chefs wirken sich negativ auf die Arbeitszufriedenheit der Teams, der psychischen Gesundheit des Einzelnen und den Erfolg des Unternehmens aus. Aber woran erkennt man eigentlich diese toxischen Chefs? Wie kann man sich wehren, als Einzelperson, als Unternehmen, als Team oder als Personalmitarbeitende? In einem YouTube Livetalk der Reihe «Angewandte Psychologie kompakt» diskutierten Birgit Schyns, Peter Michael Bak, Georg Felser und Christian Fichter.

Toxische Führung – bloss ein Trendthema?

Ist der Begriff «toxische Führung» möglicherweise nichts weiter als ein gut einprägsames Schlagwort? Sind die Arbeitnehmenden einfach zu verwöhnt oder zu verweichlicht, wie manche sagen? Tatsache ist: Toxische Führungskräfte verursachen immense Schäden, und das nicht nur bei den Angestellten. Prominente Beispiele hierfür sind Jürgen Schrempp, der auch als «Rambo in Nadelstreifen» betitelt wurde, oder Pierin Vincenz, der erst vor Kurzem hierzulande für Schlagzeilen sorgte. Ihre Eskapaden und Fehlentscheide verursachten finanzielle Schäden in immenser Höhe. Bei der toxischen Führung, wie sie im Livetalk der Kalaidos FH besprochen wurde, ging es unter anderem darum, wie die Führungskräfte sich gegenüber ihren Mitarbeitenden verhalten. Sie sind toxisch, wenn sie sich unfair gegenüber ihren Angestellten verhalten, sie lächerlich machen oder sie verbal angreifen. Das kann unabsichtlich geschehen, beispielsweise bei hohen Stressbelastungen oder wenn die Führungskraft ihren Anforderungen nicht gerecht werden kann. In anderen Fällen kann es an ihrer Persönlichkeit liegen. Ausprägungen in den Persönlichkeitseigenschaften der «dunklen Triade» – Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus – sorgen dafür, dass die Führungskräfte ihre Mitarbeitenden schlecht behandeln.

Toxische Führungskraft gesucht

Gibt es denn auch Unternehmungen, die spezifisch nach toxischen Führungskräften suchen? Ja, das kann es geben – wenn man beispielsweise eine Person sucht, die auf den Tisch haut und Entlassungen durchführt. Dies erfüllt aber nur ein kurzfristiges Ziel und schadet langfristig mehr, als es nützt. Auch bei toxischen Führungskräften, die sich weniger skandalträchtig als Schrempp & Co. verhalten, entstehen Kosten für die Unternehmung, verursacht beispielsweise durch hohe Fluktuationen und Arbeitsausfälle. Schwer zu berechnen sind zudem die versteckten Kosten, wie mögliche Rufschäden der Unternehmung aufgrund schlecht behandelter Arbeitnehmenden oder auf gesellschaftlicher Ebene etwaige gesundheitliche Kosten. Ebenfalls ist bekannt, dass Menschen mit hohen Ausprägungen der Persönlichkeitseigenschaften der «dunklen Triade» im Bewerbungsverfahren gute Chancen haben, unter anderem auch weil in Stellenausschreibungen für Positionen mit Führungsverantwortung oft Fähigkeiten wie «gewinnendes Auftreten», «Durchsetzungsfähigkeit» oder «Can-do-Mentalität» gesucht werden.

Warnsignale rechtzeitig erkennen

Was gibt es konkret für Warnsignale, auf die Mitarbeitende achten können? Nebst emotionalen Ausbrüchen wie grundloses Anschreien ohne darauffolgende Entschuldigung ist es ein schlechtes Zeichen, wenn die Führungskräfte nicht erkennen können, was von wem gemacht wurde und sie sich zudem mit fremden Federn schmücken, also fremde Leistungen als die eigenen verkaufen. Toxische Führungskräfte können in allen Unternehmen, Branchen, Leitungsfunktionen und Arbeitsbereichen vorkommen. Es gibt jedoch gewisse Faktoren, die toxische Führung begünstigen können. Je hierarchischer die Organisationsstruktur, desto grösser die Versuchung, Macht zu missbrauchen. Wenn in einer Organisation keine Regulierungsmechanismen vorhanden sind, kann das zu Problemen führen. Auch in Organisationen, in denen sich die Strukturen immer wieder schnell verändern, kann es gefährlich werden. Aber woran merkt eine Person konkret, dass sie möglicherweise in ein toxisches Arbeitsumfeld rückt? Eine gute Möglichkeit dafür ist, direkt beim Vorstellungsgespräch einige Recherchen anzustellen: Beispielsweise bei der Person, deren Stelle frei wird, direkt nachfragen, wieso sie die Firma verlässt. Organisationsintern ist ein Alarmsignal, wenn reihenweise Angestellte die Unternehmung verlassen. Bei einer hohen Kündigungsrate seitens der Arbeitnehmenden lohnt es sich also, einen Blick auf die Führungskraft zu werfen. Insbesondere wichtig für die betroffenen Arbeitnehmenden von toxischen Chefs ist es, die Alarmsignale zu deuten und sich dafür zu entscheiden, die Unternehmung zu verlassen – solange die Energie dafür noch da ist.

Livetalk ansehen

Kennen Sie jemanden in Ihrem Umfeld, der unter einer toxischen Führungskraft gelitten hat, oder waren Sie selbst betroffen? Mehr zum Thema toxische Führung gibt es im YouTube Livetalk der ersten Folge der Serie «Angewandte Psychologie kompakt». Diskutieren Sie mit, wir freuen uns über Ihre Kommentare.

Autor/in
Lea Schlenker

Lea Schlenker

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