Mann betrachtet sich im Spiegel
Verliebt in das eigene Spiegelbild: Narzissten haben ein übertriebenes Selbstwertgefühl und das Bedürfnis nach Bewunderung. (Symbolbild)

Wie entwickeln sich narzisstische Persönlichkeiten über die Lebensspanne und welche Vorteile beziehungsweise Nachteile haben Narzissten in unterschiedlichen Lebensbereichen? Untersucht wurde dies in einer neuen Längsschnittstudie von 2020.

Sind junge Menschen narzisstischer als ältere?

Eunike Wetzel, Emily Grijalva, Richard Robins und Brent Roberts wollten in ihrer Studie wissen, wie sich narzisstische Züge in jungen Jahren bis ins mittlere Alter über die Zeit verändern und welchen Einfluss sie dabei auf Lebensereignisse und Erfahrungen haben. Dafür befragten sie junge Erwachsene im ersten College-Jahr im Alter von 18 Jahren und später dann nochmals nach 23 Jahren, als sie ungefähr 41 Jahre alt waren. Um Narzissmus zu erfassen, verwendeten die Autoren das Narcissistic Personality Inventory (NPI) und konzentrierten sich auf drei Facetten von Narzissmus: Führungspersönlichkeit (Leadership), Eitelkeit (Vanity) und Anspruchshaltung (Entitlement). Die Facette Führungspersönlichkeit wird mit Dominanz, Autorität und einem hohen Selbstwertgefühl in Zusammenhang gebracht. Menschen mit hohen Werten darin haben das Bedürfnis andere zu führen und sind sehr zielstrebig. Eitelkeit beschreibt den übertriebenen Stolz in das eigene Erscheinungsbild und den Wunsch, im Mittelpunkt zu stehen. Anspruchshaltung wird mit Abwertung und Ausbeutung von anderen Personen, einer geringen Verträglichkeit und niedriger Beziehungszufriedenheit verbunden. Zusätzlich haben die Forschenden die Probanden zu Lebensereignissen und Erfahrungen in den unterschiedlichen Lebensbereichen Arbeit/Karriere, Beziehung/Familie und Gesundheit/Wohlbefinden befragt.

Wie sich in der Analyse gezeigt hat, nahm Narzissmus in allen Facetten über die Lebensspanne ab. Der Rang der Teilnehmenden, das heisst die relative Ausprägung von Narzissmus im Vergleich zur eigenen Altersgruppe, blieb allerdings gleich.

Pech in der Liebe, Glück im Job

Zusätzlich wurde in der Studie der Zusammenhang zwischen Lebensereignissen und Narzissmus untersucht. Kann Narzissmus von jungen Erwachsenen Ereignisse und Erfahrungen im späteren Leben voraussagen? Und inwiefern beeinflussen Lebensereignisse die Persönlichkeit?

Die Ergebnisse zur ersten Frage sind interessant: Wie sich gezeigt hat, landeten narzisstischere Persönlichkeiten in machtvolleren Positionen. College-Studierende, die sich selbst als ideale Führungspersonen sahen (hohe Werte in der Leadership Facette von Narzissmus), waren später mit 41 Jahren dann auch eher in einem Job, in welchem sie mehr Kontrolle über Untergeordnete hatten. Es fanden sich jedoch keine Zusammenhänge mit anderen Arbeitsbezogenen Variablen wie Gehalt, Job-Prestige, Arbeitszufriedenheit oder finanziellen Problemen.

Auf der Beziehungsebene zeigte sich, dass junge Erwachsene mit hohen Werten in Eitelkeit später mit 41 Jahren weniger Kinder hatten, weniger lange verheiratet waren und sich mit grösserer Wahrscheinlichkeit scheiden liessen. Ausserdem tendierten sie weniger dazu, zu heiraten oder überhaupt eine Beziehung zu beginnen. Eitle Personen berichteten häufiger über negative Erlebnisse und Erfahrungen. Dafür gaben sie ein höheres subjektives Wohlbefinden und bessere körperliche Gesundheit an. Die Autoren erklären das damit, dass diese besser auf ihr Aussehen achten und damit eher gesundheitsförderliches Verhalten zeigen, wie Sport und gesunde Ernährung. Hohe Werte mit 18 Jahren in der Facette Anspruchshaltung führte dagegen später zu weniger positiven und mehr negativen Erfahrungen, geringerer Lebenszufriedenheit und niedrigeren Werten im Wohlbefinden.

Bei den Verläufen zeigte sich, dass Narzissmus nicht bei allen Personen gleich stark über die Lebensspanne abnahm. Einen Job in einer machtvolleren Position zu haben, führte erwartungsgemäss zu relativ hohen Werten in der Facette Führungsperson im Alter von 41. Ausserdem beeinflussten Ereignisse und Erfahrungen im Bereich von Beziehung/Familie die Facette Eitelkeit: Bei Personen, die in einer ernsthaften Beziehung waren, nahm Eitelkeit stärker ab als bei Personen, die Single waren. Ebenso führten Kinder zu einer stärkeren Abnahme von Eitelkeit, wohingegen eine Trennung diese Abnahme etwas abschwächte.

Fazit

Persönlichkeitseigenschaften wie Narzissmus können sich über die Lebensspanne verändern. Der Narzissmus der Menschen nimmt im Alter ab, wobei der relative Rang im Vergleich zu Gleichaltrigen relativ stabil bleibt. Die verschiedenen Facetten von Narzissmus können dabei einen grossen Einfluss ausüben auf Ereignisse und Erfahrungen über die Lebensspanne. Angesichts der Studienergebnisse appellieren die Autoren, dass insbesondere dem Befund mehr Beachtung geschenkt werden sollte, dass Narzissten häufig hohe Führungspositionen erreichen, wo sie dann ihren Untergeordneten das Leben zur Hölle machen.

Quellen und weiterführende Informaitonen:

Markman, A. (2021). Narcissism: Are younger people really more narcissistic? Why vanity has so much influence across the lifespan. Psychology Today. https://www-psychologytoday-com.cdn.ampproject.org/c/s/www.psychologytoday.com/us/blog/ulterior-motives/202111/are-younger-people-really-more-narcissistic?amp

Wetzel, E., Grijalva, E., Robins, R. W., & Roberts, B. W. (2020). You’re still so vain: Changes in narcissism from young adulthood to middle age. Journal of Personality and Social Psychology, 119(2), 479-496. https://doi.org/10.1037/pspp0000266

Autor/in
Mandana Bahrami

MSc Mandana Bahrami

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