Schweizer Signet umgeben von digitalen Begriffen
Die Schweiz ist ein attraktiver Standort für KI-Entwicklungen. (Symbolbild)

Die Schweiz weist im Verhältnis zur Einwohnerzahl weltweit die höchste Anzahl an KI-Patenten auf (Switzerland Global Enterprise, 2020). Europaweit ist sie das Land mit der höchsten Anzahl von KI-Start-ups pro Einwohner (European Commission, 2021). Was macht unsere Nation zu einem führenden Zentrum für die Entwicklung künstlicher Intelligenz (KI bzw. AI für "Artificial Intelligence")? Und wie kann die Schweiz punkto KI-Wettbewerbsfähigkeit noch zulegen?

Starke Schweizer Forschung und Zusammenarbeit mit multinationalen Technologieführenden

In der Schweiz gibt es viele weltbekannte Universitäten und Forschungsinstitute im Bereich der KI wie die Eidgenössische Technischen Hochschule ETH Zürich und EPFL in Lausanne, IDSIA in Lugano, IDIAP in Martigny. Die pragmatische Zusammenarbeit von Universitäten mit multinationalen Technologieführern wie Google, IBM, Microsoft, Apple, Facebook, Huawei und Magic Leap führt zu einem hocheffizienten Technologietransfer sowie Innovations- und Wachstumspotenzial. Beispielsweise hat das IDSIA den Algorithmus "Long Short-Term Memory" (LSTM, Deutsch: langes Kurzzeitgedächtnis) entwickelt, der heute von Google, Facebook und Apple für die Spracherkennung verwendet wird.

Auch Schweizer Unternehmen gehen KI-Kooperationen mit multinationalen Technologiekonzernen ein: Die strategische Partnerschaft von ABB mit IBM bringt das digitale Angebot von ABB, ABB Ability, und den Supercomputer Watson von IBM zusammen, um Lösungen für Industrie, Transport, Infrastruktur und Versorgungsunternehmen zu entwickeln. Ausserdem treiben die Schweizer Pharma-, Finanz- und Gesundheitsindustrie die KI in der Schweiz voran. Insbesondere Roche und Novartis lassen die Schweiz mit KI-Patenten punkten.

Exzellente Arbeitsbedingungen für Start-ups und ausländische Niederlassungen

Das stabile politische und wirtschaftliche Umfeld, vertrauenswürdige Governance und Rechtssicherheit sowie die hohe Lebensqualität und exzellenten Arbeitsbedingungen machen unser Land sehr attraktiv sowohl für nationale als auch internationale Talente. Es existiert ein grosser und vielfältiger Pool von hochqualifizierten Arbeitskräften. Dies führt nicht nur multinationale Technologieführende dazu, sich in der Schweiz niederzulassen und KI-Forschung von hier aus zu betreiben. Ebenso machen heimische Start-Ups die Entwicklung von KI zu ihrem innovativen Geschäftsfeld.

Beispielsweise eröffnete Hewlett Packard Enterprise im Jahr 2019 ein neues Internet of Things (IoT) Innovation Lab in Genf, welches Kunden dabei hilft, riesige Datenmengen zu nutzen, die von Geräten, Maschinen und Sensoren erzeugt werden. Und das bereits 2011 gegründete Start-Up Sophia Genetics mit Sitz im Kanton Waadt hat mit seiner KI-Plattform das weltweit grösste Netzwerk für datengesteuerte Medizin aufgebaut. Heute bedient dieses mehr als 1’000 Krankenhäuser in 82 Ländern.

KI in der Schweiz – wie weiter?

Der Bericht des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) bestätigt: Die Schweiz ist für die Anwendung und die Herausforderungen von künstlicher Intelligenz grundsätzlich gut aufgestellt, in verschiedenen Bereichen besteht jedoch Handlungsbedarf (2019). Damit die Schweiz weiterhin eines der führenden Länder in der Entwicklung und Anwendung digitaler Technologien bleibt, hat der Bundesrat im November letzten Jahres strategische Leitlinien für den Umgang mit künstlicher Intelligenz verabschiedet. Zu den Leitlinien gesellt sich ein Aktionsplan in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation sowie eine Strategie für die Digitalaussenpolitik.

Leitlinien für den Umgang mit künstlicher Intelligenz

Die Leitlinien geben vor, bei der Entwicklung und dem Einsatz von KI die Würde und das Wohl des Menschen sowie das Gemeinwohl an vorderste Stelle zu setzen. Dabei hat der Bund bestmögliche Rahmenbedingungen für eine optimale Wertschöpfung und nachhaltige Entwicklung von KI zu gewährleisten. Es gilt, KI-Systeme sicher, robust und resilient zu konzipieren. Diese dürfen weder anfällig für Fehler noch für Missbrauch sein. Last but not least soll die Schweiz bei der Erarbeitung von globalen Standards eine aktive Rolle einnehmen und ihre Interessen und Werte einbringen.

Aktionsplan in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation

Im Bereich der Bildung heisst es unter anderem, rasch auf die vom Markt zunehmend geforderten Kompetenzen zu reagieren. Das bedeutet, MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) verstärkt zu fördern sowie die Bildungsgänge und Ausbildungsinhalte der Berufsbildung anzupassen. Auch ist ein Kontingent an Spezialisten für Cyber-Defence zugunsten der Betreiber kritischer Infrastrukturen und der Armee zu schaffen. Im Bereich Forschung sollen interdisziplinäre Nationale Forschungsprogramme (NFP) die Konsequenzen des digitalen Wandels für Wirtschaft und Gesellschaft in der Schweiz ergründen. Im Bereich Innovation hat die Lancierung des Impulsprogramms "Fertigungstechnologien" der Innosuisse zum Ziel, die Transition der Industrie ins digitale Zeitalter zu fördern.

Strategie für die Digitalaussenpolitik 2021 - 2024

Die Digitalaussenpolitik hat zur Aufgabe, auch innerhalb des digitalen Raums die Interessen der Schweiz zu wahren und die heimischen Werte zu fördern. Eine zentrale Rolle nehmen die Förderung gemeinsamer Regeln im digitalen Raum, das Thema Cybersicherheit und die Wissenschaftsdiplomatie ein.

Dass in absehbarer Zeit ein zwischenstaatlicher bindender Vertrag zur Cybersicherheit zustande kommt, schätzt der Bundesrat zwar als wenig wahrscheinlich ein. In den letzten Jahren hat sich nämlich bei der Weiterentwicklung von Regeln und Normen eine Polarisierung gezeigt – zwischen Ländern, die ein staatsgetriebenes und zentralisiertes Verständnis des digitalen Raumes befürworten und solchen, die für ein dezentrales Modell einstehen. So sollen, wenn immer möglich, keine neuen Regeln geschaffen, sondern die bestehenden auf den digitalen Raum übertragen werden. Nur wo Gesetzeslücken in internationalen Regelwerken auftauchen, soll sich die Schweiz für die Schaffung ergänzender oder zusätzlicher Regeln einsetzen. Nichtsdestotrotz soll eine internationale Kooperation mit staatlichen und nichtstaatlichen Agierenden einen offenen, freien und sicheren digitalen Raum gewährleisten sowie das Risiko von Cyberangriffen zwischen Staaten reduzieren. So soll auch eine wissenschaftliche Zusammenarbeit zu Vertrauen und gemeinsamer Kooperation beitragen.

Fazit

Die Schweiz verfügt über ein hohes KI-Potenzial und hat ihre KI-Ziele in den Bereichen Bildung, Forschung sowie Innovationsförderung gut im Blick. Zum einen setzt unser Land seine Stärken bewusst ein, indem es die Technologie von der Forschung in die Industrie transferiert. Zum anderen trägt es mit seinem stabilen wirtschaftlichen Umfeld, Technologie-affinen Talenten und der hohen Lebensqualität zur Attraktivität des KI-Standorts Schweiz bei. Branchen wie Technologie, Banken, Versicherungen, Medizin und Pharmazie bringen dank künstlicher Intelligenz Innovationen hervor, steigern die Effizienz und Produktivität.

Um sich international im Bereich Artificial Intellgence noch stärker zu positionieren, könnten Plattformen wie AI for Good der Vereinten Nationen der Schweiz von Nutzen sein. Die rund ums Jahr stattfindenden Keynotes, Webinars und Livestreams fördern den Dialog über eine nachhaltige Entwicklung und den nutzbringenden Einsatz von künstlicher Intelligenz. Gelingt es unserem Land eine fruchtbare internationale Zusammenarbeit zur weiteren Ausgestaltung und Regulierung von KI zu etablieren, dann werden wir vielleicht schon bald dem Gütesiegel "AI made in Switzerland" begegnen.

Autor/in
Irene-Willi

Irene Willi Kägi

Zum Profil
Business Communication | Coaching | Digitalisierung | Führung | HR Management | Kommunikation | Leadership | Organisationsentwicklung | Wirtschaftspsychologie
more...

CAS FH in KI-Management (Künstliche Intelligenz / Artificial Intelligence)

Certificate of Advanced Studies (CAS)

Mehr laden
Digitalisierung | Innovationsmanagement | Wirtschaft
more...
Facebook Twitter Xing LinkedIn Whatsapp E-Mail