Frau mit Notebook an Beach Bar
Digitale NomadInnen – arbeiten wo andere Urlaub machen (Symbolbild)

An welchen Orten auf dieser Welt lässt es sich als digitale/r NomadIn am besten arbeiten? Welche Berufe eignen sich besonders dazu? Kann man überhaupt einen guten Job machen und dabei die Welt anschauen? Diese Fragestellungen hat Daniela Christen (Projektmanagerin digitalswitzerland, ehemalige digitale Nomadin) an der diesjährigen Frühjahrstagung des spm 2021 "Projektmanagement vernetzt – zwischen gestern und morgen" – in ihrem Vortrag "Das digitale Nomadenexperiment – die Welt als Alternative zum Homeoffice" thematisiert. Die Tagung fand in hybrider Form statt, vor Ort im Careum Auditorium in Zürich und online als Liveübertragung und war somit im Homeoffice und auf der ganzen Welt zugänglich. Diese Art der Durchführung fand in der Schweiz als erste ihrer Art statt.

Was sind eigentlich digitale NomadInnen?

Unter einer digitalen Nomadin bzw. einem digitalen Nomaden versteht man eine Person, die ihren Job ortsunabhängig ausübt. Diese Art des Arbeitens findet in der Unternehmenswelt zunehmend Akzeptanz und Interesse, wie man am Beispiel der Frühjahrstagung des spm sehen kann.

Im Januar 2021 publizierte das Deskmag Magazine eine Umfrage zu erwarteten Trends rund um Remote-Arbeitsplätze und Coworking-Spaces im Kontext der Corona-Pandemie (Foertsch, 2021). Die folgende Abbildung 1 zeigt, dass jeweils knapp 70 Prozent der Befragten eine Zunahme der Coworking-Spaces und digitaler NomadInnen erwarten. Auch die Arbeit im Homeoffice wird von über 80 Prozent der Befragten weiter zunehmen, hingegen erwarten fast 60 Prozent, dass es zukünftig weniger Dienstreisen geben wird.

Grafik Trends Co-Working
Abbildung 1: Umfrage zu den erwarteten Trends im Coworking-Bereich in Europa in der Zeit nach Corona im Vergleich zu der Zeit vor Corona im Jahr 2020 unter aktiven Coworking-Spaces (Grafik: Statista, 2021)

Auch daran wird die steigende Relevanz des Themas ortsunabhängiges Arbeiten für Unternehmen und als Option für Arbeitnehmende offensichtlich.

Welche Berufe ermöglichen die Arbeit als digitale/r NomadIn?

Die Referentin arbeitete in den 15 Monaten als Freelancerin (Projektmanagerin) in einem Pensum von 50 – 60 Prozent. Vorab vertiefte Sie ihr Wissen in den Bereichen Website-Programmierung, Social Media Management, Online Marketing, Beratung etc. Ihr Partner, mit dem sie die Reise gemeinsam unternahm, war weiterhin zu 50 Prozent als Grafik-Designer in einem Unternehmen in der Schweiz angestellt. Die Idee der beiden war es zu arbeiten und dabei die Welt zu sehen. Sie wollten beweisen, dass man auch einen guten Job machen kann, wenn man seine Arbeit nicht im Büro ausübt. Ihre Reise dokumentierten sie dabei auf einem Blog ("Rhylocate"). und schrieben ein Buch über ihre Erfahrungen sowie Tipps & Tricks (Christen & Stamm, 2019).

Einige Stationen und Herausforderungen

Daniela Christen und Manuel Stamm unternahmen das Digitale-Nomaden-Experiment von 2018 bis 2019. Sie starteten in Hongkong, geplant war erstmal eine Woche Urlaub, jedoch konnten sie es kaum erwarten zu arbeiten und fanden schon bald den ersten Coworking-Space. In Hongkong erlebten sie extreme Kälte und auch die nächsten Stationen brachten neben einmaligen Erlebnissen Herausforderungen mit sich. So war Japan ein wahrer Kulturschock, alles war extrem klein, es fanden sich kaum Coworking-Spaces und die Arbeit von Cafés aus war mangels Strom und Internet extrem schwierig. Dort erlebten Christen und Stamm bei ihrer Abreise gar ein Erdbeben, sämtliche Züge fielen aus und so arbeiteten sie gar einen Tag erfolgreich vom Bahnhof aus. Auch Vancouver Island brachte Unerwartetes, es stellte sich als schwierig heraus einen zeitlich begrenzten Handy-Vertrag mit mobilen Daten abzuschliessen. Insgesamt brachte sie das digitale Nomadentum in 14 Länder.

Geregelte Arbeitszeiten und Urlaub – braucht es das?

Die digitale Nomadin und ihr Partner etablierten feste Arbeitszeiten vom Morgen bis zum frühen Nachmittag, wochentags von Montag bis Freitag. Da beide nur in einem Teilzeitpensum tätig waren, ist es ihnen in der Tat gelungen zu zeigen, dass man arbeiten und gleichzeitig die Welt anschauen kann. So konnten sie für viele Nachmittage Highlights planen, was in einem klassischen Arbeitsverhältnis in diesem Umfang sicher nicht möglich gewesen wäre.

Auch digitale NomadInnen brauchen eine Auszeit, so machten sie drei Wochen Urlaub auf Hawaii, ehe es an den nächsten Arbeitsort ging.

Fazit des Experiments

Das Fazit von Christen war überaus positiv. Sie konnte ihre Effizienz bei der Arbeit steigern und war äusserst produktiv. Durch das Erleben neuer Kulturen und Menschen wurde sie inspiriert und kreativer in ihren Lösungen. Auch für Unternehmen bietet der flexible Arbeitsplatz Vorteile, zu nennen ist sicher die Attraktivität als ArbeitgeberIn und die Möglichkeit, hochmotivierte Angestellte zu beschäftigen (vgl. Tabelle 1).

Vorteile und Nachteile digitales Nomadentum
Tabelle 1: Vorteile des digitalen NomadInnentums für Arbeitgebende und Arbeitnehmende (Grafik: eigene Darstellung nach Daniela Christen, 16.06.2021, Frühjahrstagung des spm 2021)

Christen fasst ebenfalls zusammen, dass viele hochentwickelte Länder noch lange nicht auf die Bedürfnisse digitaler NomadInnen eingestellt sind. Jedoch sind süd- und zentralamerikanische Länder wie z. B. Argentinien, Bolivien, Chile oder Costa Rica regelrecht spezialisiert, dort ist die Infrastruktur gegeben und Coworking-Spaces sind einfach zu finden.

Zuletzt sei noch erwähnt, dass die ehemalige digitale Nomadin Christen bereits von unterwegs ihren neuen Arbeitsvertrag, als Projektmanagerin bei digitalswitzerland, unterschrieben hat.

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Haben Sie Fragen zu diesem oder anderen Themen der Veranstaltung? Dann kontaktieren Sie Sie Anne-Kathrin Bolender, Studiengangsleiterin für Weiterbildungen im Projektmanagement und Consultant an der Kalaidos FH: 044 307 33 87 oder Anne-Kathrin.Bolender@kalaidos-fh.ch.

Autor/in
Maria Comos-Birmanns

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