Beleidigungen im Internet
Cybermobbing: Wie soll man auf digitale Beleidigungen, Provokationen und Bedrohungen reagieren? (Symbolbild)

Nach dem Studium der Wirtschaftsinformatik sowie dem digitalen Marketing haben sich Leonie (23) und Franky (25) selbstständig gemacht und ihr eigenes Unternehmen gegründet. Gestartet haben sie als Einzelunternehmer/in und spezialisierten sich auf die Beratung von HR-Abteilungen in Grossunternehmen und Banken. Sie erarbeiteten Lösungskonzepte und begleiteten den Umsetzungsprozess zur Rekrutierung von talentierten Marketern, Ingenieurinnen sowie Entwicklerinnen und Informatikern aus der Generation Z. Die inzwischen zur AG gewachsene F&L AG half den Unternehmen, den Bewerbungsprozess, die Ausschreibungen sowie die Rahmenbedingungen für die Gen Z attraktiv zu gestalten oder passende Werbestrategien zu entwickeln. Sie prägten den Werbespruch "Einfach. Digital!" Ihr rasanter Erfolg sollte jedoch ein abruptes Ende nehmen.

Der digitale “Fall”

Kaum hatte F&L AG an Sichtbarkeit im Internet gewonnen, wurde Leonie auf all ihren sozialen Netzwerken mit Pelztrage-Vorwürfen konfrontiert und kurz darauf erschienen Bilder, welche sie beim Tragen von seltenen sibirischen Luchsfellen zeigte. Diese Bilder lösten grosses Unbehagen aus und verbreiteten sich exponentiell. "Scheinheiligkeit" und "Doppelmoral" waren dabei die einzig zitierbaren Aussagen, welche im “Shitstorm” verbreitet wurden. Viele Grosskunden der Firma F&L AG reagierten zügig darauf und kündigten die Verträge. Nur so war es möglich, eine Boykottierung der eigenen Kundschaft zu verhindern.

Heute arbeitet Leonie als Lehrerin und Franky als Berater – die Firma konnte den Reputationsschaden nie wieder wettmachen. Leonie und Franky leiden heute noch darunter. Natürlich stellte sich später heraus, dass es sich bei den Bildern um Tiefenfälschungen (engl.: Deepfakes) handelte und die Vorwürfe von NeiderInnen konstruiert worden waren. Dies geschah unter Mithilfe von Trollfirmen, welche leicht im Darknet gefunden werden können. Der Schaden war aber bereits angerichtet und der so wichtige Grundsatz "In dubio pro reo" scheint die Digitalisierung verpasst zu haben. Diese Story haben wir erfunden – nicht jedoch die Geschichte dahinter: Cybermobbing oder wie es das Sicherheitsdepartement der Stadt Zürich ausdrückt: " ... die Belästigung, Bedrängung, Verleumdung oder Blossstellung von anderen Menschen über digitale Medien."

Wie aus der Geschichte ersichtlich, hat Cybermobbing eine strategische Komponente erreicht, welche dafür eingesetzt werden kann, MitstreiterInnen und Unliebsame aus dem Weg zu räumen.

Wie schützen Sie sich als Unternehmen und Privatperson gegen Cybermobbing?

  • Seien Sie immer bedacht, was für persönliche Informationen Sie mit der Öffentlichkeit teilen. Mit diesen Informationen können viele Details über Ihr Leben herausgefunden und ausnutzt werden.
    - Teilen Sie keine Details über Ihren privaten Wohnort, Fotos von Hausschlüssel, Personalien wie Reisepass oder Inhalte Ihres Impfausweises (besonders in diesen Zeiten).
    - Teilen Sie keine Details über Ihren Standort, wie genaue Ferienpläne, Live-Standort oder Ihren Tagesablauf.
  • Bevor Sie etwas posten oder kommentieren, sollten Sie sich bewusst sein, was die Folgen sein könnten. Besonders in den Bereichen wie Religion oder Politik können verschiedene Meinungen aneinandergeraten
  • Ändern Sie die Privatsphäre-Einstellungen bei Ihren Accounts, sodass nur Ihre Kontakte Ihre Inhalte sehen und Ihnen Nachrichten schreiben können.
  • Trennen Sie berufliche und private Social Media Accounts (erwähnen Sie den anderen Account auch nicht in der Beschreibung), um keine übergreifende Angriffsfläche zu schaffen.
  • Die meisten Social-Media-Kanäle bieten Ihnen die Möglichkeit, NutzerInnen zu melden und zu blockieren.

Wie reagieren Sie korrekt, wenn Sie selbst betroffen sind?

Sammeln und dokumentieren Sie alle Korrespondenzen (Nachrichten, Kommentare, Bildschirmfotos, ...), um für die Behörden ausreichende Beweise vorlegen zu können. Wichtig ist: ohne Beweise keine Strafe. Auch ohne expliziten Strafartikel zu Cybermobbing sieht das Schweizer Strafgesetzbuch folgende Möglichkeiten vor, TäterInnen zur Rechenschaft zu ziehen:

Und denken Sie immer daran, das Internet vergisst (fast) nie.

Autor/in
Mirko J. Helbling

Mirko J. Helbling

Zum Profil
Digitalisierung | Recht
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Autor/in
Linda Haschke

LInda Haschke

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CAS FH in Digitales Management und Unternehmensführung

Certificate of Advanced Studies (CAS)

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Digitalisierung | Unternehmensführung | Wirtschaft
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