Frau mit Virtual-Reality-Brille vor Computer
Studentin in einer virtuellen Lern- und Trainingswelt (Symbolbild)

Brauchten wir erst eine Corona-Krise, um zu erkennen, dass unsere etablierten Weiterbildungsformate weder dem Anspruch noch dem Zeitgeist der Digitalisierung gerecht werden? Auch wenn so manche/r Bildungsexperte/in in der Post-Corona-Zeit eine Rückkehr zur Normalität der klassischen Wissensvermittlung sieht, betrachten die Protagonisten digitaler oder virtueller Lernformate COVID-19 als eine unvermeidbare Brandbeschleunigung zur digitalen Transformation des Lernens.

In einer Studie zur digitalen Zukunftsfähigkeit zitiert die Unternehmensberatung Deloitte CEOs und CFOs namhafter Schweizer Unternehmen zu den transformativen Anpassungen von Organisation, Kultur, Mitarbeitende und des digitalen Umfeldes. In den Antworten zur Zukunftsfähigkeit ist ein Schlüsselthema das skalierbare Lernen sowie das damit einhergehende richtige Mindset zu einer neuen Lernkultur in der digitalen Organisation von morgen.

Wissen allein reicht bei Weitem nicht aus.

Was heisst nun skalierbares Lernen? Technologisch betrachtet, verstehen wir darunter die Etablierung von Wissensportalen oder digitalen Lern- und Trainingsmodellen zur wirtschaftlich effizienten Distribution von Wissen. Neben dem Wissen richtet sich skalierbares Lernen auch auf den äusserst relevanten Kompetenzerwerb, also auf die Fähigkeit, in komplexen Situationen adäquat zu handeln.

Lernen von morgen

Am Beispiel der Schadensakademie der Allianz Versicherungs-AG in Deutschland soll das skalierbare Lernen als digitale Qualifizierungsoffensive skizziert werden. Schon vor Corona waren sich die Leiterin der Qualifizierung sowie der Vorstand bewusst, dass die digitale Transformation nicht spurlos an der Versicherungsbranche vorübergehen wird. Skalierbare, digitale Schulungsangebote für gut 3‘500 Mitarbeitende sollten das selbstgesteuerte Lernen in eine neue Dimension des freiwilligen Lernens, katapultieren. So entschied sich das Projektteam der Allianz nach intensiver Marktrecherche, den Weg einer agilen Produktentwicklung gemeinsam mit straightlabs, ein damals noch junges Educational Technology Unternehmen aus Grünwald bei München, zu bestreiten. Zunächst erarbeitete das Team eine funktionale Leistungsbeschreibung. Darauf aufbauend wurde ein Minimum Viable Produkt (MVP) entwickelt. Ganz im Sinne des agilen Ansatzes folgte im Anschluss eine erste Evaluation durch eine repräsentative Testgruppe

Spielend Lernen ist keine Spielerei.

Die Allianz erkannte dabei die Effektivität der wissenschaftlichen Ansätze während der Entwicklung des MVP. Anhand dieser Erkenntnisse folgte die Implementierung der App, da der Erfolgsfaktor eindeutig am spielerischen und freiwilligen Lernen liegt. Die User der neuen digitalen Lernwelt sollen zukünftig selbst entscheiden können, wie sie lernen und welche Prioritäten sie setzen möchten. Um das erlernte Wissen langfristig zu verankern, wurde ein kognitiver didaktischer Methodenmix aus Quizfragen, Lernkarten, Fachinformationen, Fallstudien, Podcasts und Videos entwickelt. Unterstützt durch einen spielerischen Wettbewerb, sowie einem freiwilligen Wissenstest und einem digitalem Lerncoach, bietet die mobile Lern App, unabhängig von Zeit und Raum, kompaktes Wissen aus über 600 Schulungsmodulen an.

Vom Wissen zur Kompetenz

Mit dem Anspruch, die Lernkultur zu transformieren, war es für die Verantwortlichen der Schadensakademie ein nächster Schritt, die digitale Wissensvermittlung um ein virtuelles Kompetenztraining zu ergänzen. Die Lernenden sollten zwar in eine virtuelle Welt eintauchen, doch gleichzeitig sollten sie ein Gefühl echter Präsenz erfahren. Wie zuvor in der mobilen App sollte nun der Transfer von dem Wissen zur Kompetenz, möglichst fesselnd und spielerisch moderiert werden. Das Ziel war nun gesetzt: Mit der modernsten immersiven Technologie (Virtual Reality) sollte ein virtueller Raum der Begegnung und Kommunikation entstehen. Als eines der ersten virtuellen Projekte wurde das Kompetenztraining der Servicedimensionen im Kundenkontakt für die virtuelle Welt entwickelt und umgesetzt. Dort begegnen die Lernenden ihren Kundinnen und Kunden in Form nahezu fotorealistischer künstlicher Charaktere (Avatare). Lernende werden motiviert, ihr zuvor erworbenes Fachwissen in der Kundenkommunikation anzuwenden.

Der ausgeprägte Praxisbezug geht bei diesem Projekt zurück auf das Expertenteam aus Fachreferenten/innen, Drehbuchautoren/innen, Regisseuren/innen und Didaktikexperten/innen. In Anlehnung an reale Kundenbegegnungen in der Versicherungswirtschaft entwickelte das Expertenteam die Story und die Dramaturgie der Kundendialoge, die dann von Art- und Game-Designern/innen sowie Soft-wareentwicklern/innen in Lern- und Trainingsszenarien in der virtuellen Welt umgesetzt werden. Die Szenarien spiegeln die Bandbreite möglicher Kundengespräche wieder. Doch der zentrale Fokus eines Kompetenztrainings in der virtuellen Welt liegt auf der Immersion, also dem Eintauchen in eine gefühlt reale Situation, und dem damit verbundenen Transfer in die Praxis.

Cloud Computing und IT Security

Doch bei aller Begeisterung für neue innovative Lernformate dürfen weder Datenschutz noch Sicherheit ausser Acht gelassen werden. Ganz im Gegenteil, die extrem hohen Anforderungen der Versicherungswirtschaft an die IT-Sicherheit sowie die Anforderungen an die Ergonomie waren für die Entwickler eine große Herausforderung. Mit anderen Worten, erst nachdem die Vorgaben zur IT- Sicherheit, wie z.B. ein Penetration Test der Cloud-Architektur oder die Verarbeitung personenbezogener Daten streng nach den Vorgaben der DSGVO erfüllt waren, konnte die digitale Qualifizierungsoffensive ihren Lauf nehmen.

Fazit

Mit der Einführung der mobilen Lern-App und der konsequenten Entwicklung einer virtuellen Lern- und Trainingswelt wurde durch die Allianz Schadensakademie der Paradigmenwechsel in der Lernkultur angestossen. Sowohl die mobile Lern-App als auch die virtuelle Trainingswelt stehen repräsentativ für das skalierbare Lernen in der digitalen Organisation von morgen. Die digitale Lern-App wie die virtuelle Trainingswelt wurden mit einem elearning Award 2020 und 2021 ausgezeichnet. Die mit der App verbundene, wissenschaftlich fundierte Basis führt nicht nur im Corporate Training zu einem wesentlichen Vorteil, sondern auch im Bereich Education. So hat auch die Kalaidos Fachhochschule die mobile, digitale Lern-App als technologischen und didaktischen Ansatz für ihren ersten Online-Bachelorstudiengang in der Schweiz übernommen.

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