Rene Ströbele, Maagtechnic AG
René Ströbele bei der virtuellen Rekrutierung in der Maagtechnic AG (Bild: Maagtechnic AG)

Wie konnte ich während Corona neue Mitarbeitenden einstellen? Der Lockdown wurde am 15. März 2020 durch den Bundesrat mit der „ausserordentlichen Lage“ ausgerufen. Dieser sollte bis am 19. April 2020 dauern, bis jedoch der Bundesrat am 8. April 2020 die ausserordentliche Lage bis am 11. Mai 2020 verlängerte. Die Auswirkungen des Lockdowns traffen auch die Maagtechnic AG und somit auch jeden einzelnen Mitarbeitenden. Die Herausforderungen während dieser Ausnahmesituation waren gross und sind zum Teil immer noch vorhanden. Sei das, weil das Planen in einer Ausnahmesituation noch schwerer ist oder die Verkaufsmitarbeitenden mit viel Abstand aus dem Homeoffice die Kunden über Video- oder Telefonkonferenz betreuen. Nach einer kurzen Angewöhnungszeit ist es den Mitarbeitenden der Maagtechnic AG sehr gut gelungen, diese neue Herausforderung erfolgreich zu meistern. 

Die Kombination War of Talent und Lockdown fordert den Anstellungsprozess heraus

Doch was bedeutet das für potenzielle Mitarbeitende, die sich auf eine offene Stelle bei der Maagtechnic AG vor dem Lockdown beworben haben und nicht in der Schweiz wohnhaft sind? Und für mich als Stellenbesetzer? Die Talentknappheit ist natürlich auch mir sehr wohl bekannt und dadurch kam ein Zuwarten bis zur Lockerung für mich nicht in Frage. Die Schlussfolgerung daraus war, sämtliche Bewerbungsgespräche über Videokonferenz durchzuführen. Dabei musste zuerst mal die Voraussetzung bei den Kandidatinnen und Kandidaten geschaffen werden, um über Videokonferenz ein Bewerbungsgespräch reibungslos und mit allen Möglichkeiten, wie zum Beispiel Bildschirm teilen, Video abspielen und so weiter durchführen zu können. Diese Voraussetzung war aus meiner Sicht sehr wichtig, um den potenziellen Mitarbeitenden ein gutes Gefühl zu übermitteln aber auch um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich gut präsentieren zu können.

Die Talentknappheit führt zu einem „War of Talent“. Dadurch bin ich der Meinung, dass nicht nur die potenziellen Mitarbeitenden sich in ein positives Licht rücken müssen, sondern auch der Arbeitgeber. Die Voraussetzung, eine Rekrutierung im digitalen Raum durchzuführen, schaffte die Human Ressource Abteilung der Maagtechnic AG mit den Kandidatinnen und Kandidaten hervorragend. Das erste wie auch das zweite Bewerbungsgespräch über Videokonferenz lief danach wie ein übliches Bewerbungsgespräch ab, nur mit dem grossen Unterschied, dass der physische Kontakt fehlte.

Das fehlende Puzzleteil in der Videobewerbung

Mit dem Wissen, dass die Grenzen in den nächsten Tagen nicht öffnen würden, war ein physisches Treffen auch in naher Zukunft nicht möglich. Genau das machte mir Kopfzerbrechen. Die Bewerbung mittels Videokonferenz lief sehr positiv und ich hatte einen guten Eindruck von meiner Favoritin, doch es fehlte das Puzzleteil des physischen Eindrucks. Das Puzzleteil, in dem man einer Person gegenübersitzt und mit ihr eine Verbindung aufbaut und nonverbale Zeichen wahrnimmt, ist bei einer Videokonferenz einfach nicht vorhanden. Ich bin mir sicher, dass der Fortschritt der Technik Kameras auf den Markt bringen wird, mit denen man kleinste Nuancen von nonverbalen Zeichen wahrnehmen kann. Nun, diese hatte weder ich noch die potenzielle Mitarbeiterin zur Verfügung. Dadurch stand mir stetig etwas im Wege, um mich zu entscheiden. Also musste ich mir etwas ausdenken, um meine Entscheidung trotz fehlendem Puzzleteil fällen zu können.

Das Mehraugenprinzip als Lösung

Drei Tage vor der dritten Videokonferenz erhielt die potenzielle Mitarbeiterin eine schriftliche Aufgabe, die sie in einem erweiterten Gremium präsentierte. Zudem führten von mir ausgewählte Mitarbeiterinnen ein separates Gespräch via Videokonferenz mit ihr durch. Das Feedback daraus, welches mir die Mitarbeiterinnen nach dem Gespräch gaben, bestätigte meinen Eindruck von der potenziellen Mitarbeiterin. Somit konnte ich meine Entscheidung mit gutem Gewissen fällen, trotz fehlender nonverbaler Kommunikation und persönlicher Begegnung. Um der potenziellen Mitarbeiterin einen Eindruck über unsere Büroräumlichkeiten zu geben, wurde ein Video durch das Team aufgenommen und ihr zugestellt.

Nun ist die potenzielle Mitarbeiterin keine Potenzielle mehr, sondern eine neue Mitarbeiterin der Maagtechnic AG. An Ihrem ersten Arbeitstag, dem 2. August 2020, wird sie durch unsere Human Ressource Mitarbeiterin in Empfang genommen und durch die Maagtechnic AG geführt, bevor ich sie dann von Angesicht zu Angesicht begrüssen kann. Ich freue mich jetzt schon, sie als neue Mitarbeiterin begrüssen und in unser Team willkommen heissen zu dürfen.

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