Mandana Bahrami Wissenschaftliche Assistentin Wirtschaftpsychologie im Interview
(Bild: Kalaidos FH)

Die Massnahmen wurden gelockert, doch nach wie vor befindet sich die Arbeitswelt im Ausnahmezustand. Wie geht es Arbeitnehmenden, die unter diesen speziellen Umständen eine neue Stelle antreten? Im Interview erzählt Mandana Bahrami von ihrer Einarbeitungsphase an der Kalaidos Fachhochschule inmitten der Coronakrise.

Wie hast du die ersten Wochen in der Kalaidos Fachhochschule erlebt?

Die ersten Wochen waren sehr speziell. Besonders der erste Arbeitstag war komisch. Man ist eh nervös, wenn man eine neue Stelle antritt, aber umso mehr, wenn man in einer solchen Situation beginnt. Anstatt dass ich den Chef und die Mitarbeitenden kennengelernt habe, wurde ich mit Schutzmaske in einer leeren Kalaidos herumgeführt. Das war recht unheimlich. Aber inzwischen konnte ich mich schon ein bisschen einleben, so gut es geht.

Was hätte dir denn geholfen, dich besser im neuen Job einzuleben?

Es hätte natürlich geholfen, wenn ich mein Team persönlich kennengelernt hätte und ich nicht im Homeoffice hätte angefangen müssen.

Denkst du, der Einstieg war schwieriger als unter normalen Umständen?

Ich denke schon, weil der persönliche Austausch nicht da ist. Ich empfinde die virtuelle Kommunikation allgemein schwieriger als face-to-face. Besonders am Anfang war es sehr gewöhnungsbedürftig für mich, alle nur über den Bildschirm zu sehen. Man spürt die Zusammenarbeit nicht so richtig. Wahrscheinlich kommt der persönliche Teil der Sozialisation dann erst später, wenn wir wieder vor Ort im Büro sind.

Gibt es sonst noch Dinge, die besonders herausfordernd waren oder sind?

Im Homeoffice zu arbeiten, fand ich am Anfang herausfordernd, auch technisch. Ich musste zuerst einmal mit all den verschiedenen Online-Tools vertraut werden. Auch die Informationsbeschaffung ist aufwendiger. Wenn ich anfangs nicht wusste, wo ich etwas finde oder wie bestimmte Dinge funktionieren, konnte es mir nicht schnell einfach jemand zeigen.

Was denkst du, ist besonders wichtig, damit das Onboarding trotz Corona klappt?

Wenn man physisch nicht vor Ort sein kann, ist für mich Kommunikation noch wichtiger als sonst. Und dass die Technik funktioniert, ist auch sehr wichtig, weil jetzt alles darüber abläuft. Ich schätze die regelmässigen Online-Meetings mit dem Team. Besonders am Anfang war es auch hilfreich, dass ich jeden Tag ein fest eingeplantes Update-Meeting mit dem Vorgesetzten hatte. So konnte ich meine Fragen stellen und fühlte mich unterstützt.

Findest du diese Online-Meeting hilfreich, um das Team kennen zu lernen?

Es ersetzt den persönlichen Kontakt nicht, trotzdem ist es die einzige Möglichkeit momentan. Es tut gut, eine Person und ein Gesicht hinter einem Namen zu sehen. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass es viel mehr Überwindung braucht, etwas Privates über sich zu erzählen, als live.

Hast du Tipps für Arbeitgeber, die jetzt neue Mitarbeitende einstellen?

In einer solch unsicheren Zeit finde ich Information besonders wichtig. Es kann schon einen grossen Teil der Unsicherheit und Angst nehmen, wenn neue Mitarbeitende beispielsweise vor Antritt der Stelle darüber informiert wird, was Sache ist. Ich bin froh, dass die Kalaidos das so gut gehandhabt hat. Es muss sehr schwierig sein, gleichzeitig zur ganzen Umstellung zu Fernunterricht und den ganzen Anpassungen noch eine neue Mitarbeiterin einzustellen. Deshalb denke ich, ist Vorbereitung auch das A und O. Das ist natürlich schwierig, bei einer ungewissen Situation, die so noch nie passiert ist. Trotzdem können Arbeitgeber durch Vorbereiten, beispielsweise der ganzen Technik, schon viel Vorarbeit leisten.

Was kannst du jemandem, der jetzt eine neue Stelle anfängt, mitgeben?

Gewisse Eigenschaften wie Selbstdisziplin und Selbstorganisation sind jetzt wichtiger denn je. Gerade in dieser Zeit, in der mehr Selbstständigkeit gefragt ist, kommen diese besonders zum Ausdruck und spätestens jetzt sollte man sie sich aneignen und auch nutzen. Aber trotzdem, wenn etwas unklar ist, Eigeninitiative zeigen und lieber einmal zu viel anrufen und nachfragen, so gibt es weniger Missverständnisse. Man muss sich vielleicht einfach eingestehen, dass die Einarbeitung jetzt ein bisschen länger dauert als sonst. Das braucht Geduld, mit sich selbst und auch gegenüber dem Arbeitgeber.

Autor
Salomé Egloff

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Bahrami Mandana

MSc Mandana Bahrami

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