Trauer – eine existenzielle Erfahrung

Trauern hat viele Facetten. Sie durchdringt unser Leben und stellt uns nicht selten vor schier unlösbare Aufgaben. Es gibt viele Dinge, über die Menschen trauern: den Verlust der Jugend, den Verlust von Gesundheit und Selbstständigkeit oder den Verlust eines geliebten, nahestehenden Menschen.
Die vergangenen Monate der Pandemie haben eindrücklich gezeigt, wie verletzbar die Gesellschaft in ihren Strukturen ist. Unter bisher unvorstellbaren Bedingungen mussten Gesundheitsfachpersonen Menschen im Sterben und Angehörige nach dem Tod ihrer Familienmitglieder begleiten. Und immer wieder unterstützen sie auch An- und Zugehörige in der Bewältigung der Trauer. Dabei wurde wie nie zuvor auch deutlich, wie unterschiedlich Menschen trauern: Sie haben verschiedene Bedürfnisse und Emotionen, die sie durch diese anspruchsvolle Zeit tragen. Trauern braucht Raum. Und professionelles Begleiten in der Trauer braucht Wissen und den Austausch darüber. Dies möchten wir Ihnen mit der dreiteiligen Veranstaltungsreihe «Trauer» bieten.

Die Veranstaltungen richten sich an Fachpersonen des Gesundheits- und Sozialwesens, die mit trauernden Menschen Kontakt haben sowie an die interessierte Öffentlichkeit. Die Vorträge werden online via Zoom angeboten.
Die drei Veranstaltungen können einzeln oder im Abo besucht werden. Die Anmeldung via Formular erfolgt einzeln pro Veranstaltung. Bitte im Kommentarfeld vermerken, wenn mehrere oder alle Veranstaltungen besucht werden.

Teil 1: Was ist das, die Trauer?

Die Veranstaltungsreihe wird eröffnet durch Prof. em. Dr. Hans Jörg Znoj, Klinischer Psychologe, Universität Bern. Er leitete bis 2021 am psychologischen Institut der Universität Bern die Abteilung Gesundheitspsychologie und Verhaltensmedizin. Er lehrt und arbeitet seit vielen Jahren zum Thema Trauer und Trauerbewältigung und hat mehrere Bücher dazu verfasst. Sein Vortrag führt grundlegend in das Thema der Trauer und Trauerarbeit ein und zeigt unter anderem, welche Rolle Rituale und Gedenken spielen und warum Trauer kein krankhafter Zustand ist.

Verluste begleiten Menschen ständig und ein Leben lang. Insbesondere der bleibende Verlust von nahestehenden Personen und Ressourcen, wie z. B. soziale Unterstützung oder gesellschaftliche Teilhabe, erschüttert nachhaltig das Selbst- und Weltverständnis der Betroffenen und bewirkt eine Reaktion, die wir als «Trauer» bezeichnen. Das Trauern selbst ist keine psychische Störung, sondern ein natürlicher Vorgang, der neben grosser Belastung auch positive Erfahrungen zulässt. Dabei stellt sich oft die Frage, ob es das «richtige» Trauern überhaupt gibt. Denn es zeigt sich, dass der Begriff «Trauer» stark von kulturellen Vorstellungen und weniger durch empirisch abgestütztes Wissen geprägt ist.
Der Vortrag zeigt unter anderem den aktuellen Wissensstand zur Trauerforschung auf. Ziel ist es, die wichtigsten Befunde praxisnah zu vermitteln und zu erklären, welche Rolle dabei trauerspezifische Rituale und Gedenkanlässe spielen. Um die Funktion solcher Handlungen besser zu verstehen, ist es notwendig, das Verlusterleben aus psychologischer Perspektive zu erfassen und zu beschreiben. Denn im besten Fall helfen die Handlungen, das Geschehene einzuordnen. Im schlechtesten Fall reduzieren sie trauernde Personen auf ihre Rolle als Opfer und zementieren so ihre Hilflosigkeit.
Menschen, die plötzliche und unerwartete Verluste erleben, sind häufig fundamental verunsichert und stellen die Welt, wie sie bisher war, in Frage. Denn was bis dahin galt, scheint nicht mehr zu stimmen. Dies stellt Betroffene und Helfende vor grosse Herausforderungen; Ängste, Misstrauen und Wut auf der einen, aber auch aussergewöhnliche Hilfsbereitschaft und scheinbar grundloser Optimismus auf der anderen Seite sind zu beobachten.
Auf drei Aspekte der Trauer wird im Vortrag besonders eingegangen:

  • die verschiedenen Dimensionen der Trauer
  • wie das kulturelle und soziale Miteinander Trauer prägt
  • die menschliche Fähigkeit zu trauern


Datum:
Donnerstag, 26. Januar 2023

Ort:
online via Zoom

Zeit:
17:00–18:30 Uhr

Referent:
Prof. em. Dr. Hans Jörg Znoj; Psychologe und Psychotherapeut; Universität Bern.

Moderation:
Prof. Dr. Elke Steudter

Kosten:
100 CHF bei Einzelbuchung pro Veranstaltungsteil; im Abo für alle drei Teile 270 CHF.

Sie erhalten eine Teilnahmebestätigung.


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