Was bedeutet Geld für Sie? Wären Sie glücklicher, wenn Sie mehr davon besässen? Wären Sie motivierter und engagierter in Ihrem Job, wenn Sie mehr verdienen würden? Überlegen Sie sich das mal einen Moment – und dann schauen Sie, ob Ihre Antworten mit dem Stand der Forschung übereinstimmen. Soviel vorweg: Falls nicht, so heisst das noch lange nicht, dass Sie sich täuschen – der Stand der Forschung ist nämlich durchaus wacklig. Aber das eine oder andere über den Zusammenhang von Geld und Glück scheint sich inzwischen herauszukristallisieren.

Ein Dollar NotenGeld, Motivation, Zufriedenheit – wie stehen sie miteinander in Verbindung? (Bild)

„Geld macht nicht glücklich. Ich besitze nun 50 Millionen Dollar, aber ich war genauso glücklich, als ich 48 Millionen hatte.“ (Arnold Schwarzenegger)

Danke, Arnie, für diese tröstliche Aussage. Die Botschaft, die schlussendlich dahinter steckt, ist folgende: Geld ist nicht wichtig, solange man genug davon hat. Dabei ist „genug“ relativ. Dem einen reicht ein Dach über dem Kopf und etwas zu Essen, andere streben nach einem immer höheren Lebensstandard. Warum ist das so? Einerseits natürlich, weil die Bedeutung von Geld sehr subjektiv ist: Während die einen Geld zur Demonstration ihres Status einsetzen oder als Mittel für Macht und Einfluss, bedeutet es für die anderen in erster Linie Freiheit oder Sicherheit. Aber abgesehen von solchen subjektiven Faktoren gibt es einige übergeordnete psychologische Phänomene, welche für fast alle Menschen und ihre Beziehung zu Geld gelten.

Die hedonistische Tretmühle

Die „hedonistische Tretmühle“ versinnbildlicht das Streben nach einem immer höheren Lebensstandard. Das lässt sich damit erklären, dass man sich im ersten Moment zwar über die neue Handtasche oder die neue Spiegelreflexkamera freut, sich aber bald an die neue Errungenschaft gewöhnt hat und die kurzfristig angestiegene Zufriedenheit wieder auf ihr Ursprungsniveau zurückgeht. Menschen gewöhnen sich schnell an neue Situationen. Der emotionale Effekt ist von kurzer Dauer und verschwindet weitgehend. Ganz ehrlich: Wir sind uns dieses Mechanismus bewusst, oder? Wir wissen, dass uns eine noch extravagantere Handtasche und eine Spiegelreflexkamera mit noch besserem Bildsensor nicht langfristig zufriedener machen. Warum wollen wir die Sachen trotzdem? Weil wir uns dem Effekt der sozialen Vergleiche kaum entziehen können. Beim aufwärtsgerichteten sozialen Vergleich vergleichen wir uns mit Personen, die aus unserer Sicht erfolgreicher, vermögender, schöner, cooler, … sind als wir. Dies wiederum wirkt sich auf unsere Selbstbewertung aus, die wir möglichst im Gleichgewicht halten möchten. Wie es weitergeht, können Sie sich vorstellen.

Macht Geld also nicht das kleinste bisschen zufrieden?

Einkommen und Lebenszufriedenheit

Der Zusammenhang zwischen Einkommen und Lebenszufriedenheit wurde vielfach untersucht. Neuere Studien zeigen alle in die gleiche Richtung: In der Querschnittsbetrachtung entwickelter Länder besteht ein schwacher positiver Einkommenseffekt. Das bedeutet, dass höhere Lebenszufriedenheit nur zu einem einstelligen Prozentsatz durch höheres Einkommen erklärt werden kann. Und dieser schwache Zusammenhang verliert noch mehr an Bedeutung, wenn man bedenkt, dass indirekt weitere Effekte dafür verantwortlich sein können. Korrelation und Kausalität sind zwei verschiedene Handtaschen. Pardon, Paar Schuhe. So könnten Menschen mit höherem Einkommen zum Beispiel mehr Entscheidungsfreiheit und Autonomie bei der Arbeit geniessen als solche mit weniger gut bezahlten Jobs – und dies wiederum führt zu einer höheren (Arbeits-)Zufriedenheit.

Längsschnittstudien bestätigen zudem, dass die durchschnittliche Lebenszufriedenheit der Menschen trotz steigendem Wohlstand statistisch kaum nachweisbar gestiegen ist. Es gibt sogar wissenschaftliche Befunde, die Hinweise darauf liefern, dass Personen mit tiefem, aber steigendem Einkommen weniger zufrieden mit ihrem Einkommen sind als Leute mit tiefem, aber stabilem Einkommen. Eine Erklärung hierfür könnte sein, dass die positive Einkommensentwicklung anstatt zu Zufriedenheit zu Frust führt – weil sie nicht genug schnell vorwärts geht und nicht genug schnell zu einem immer besseren Lebensstandard führt.

Kann Geld sogar demotivieren?

Demotivation durch Geld

Sie kennen vielleicht die Diskussion zur Frage, ob Geld unsere intrinsische Motivation korrumpiert: Ob finanzielle Belohnung beispielsweise unsere Freude am Lernen oder an der persönlichen Herausforderung dämpft oder gar verdrängt. Die Antwort: Wissenschaftler sind sich hier nicht einig. Trotz haufenweise Laborexperimenten besteht kein Konsens zur Intensität des Korrumpierungseffekts. Die Effektstärken, die von neueren Metaanalysen berichtet werden, hängen von vielen Faktoren ab, etwa von der Art der Tätigkeiten und Aufgaben (sind sie angenehm und interessant oder belanglos und uninteressant? Sind es kreative Tätigkeiten oder analytische?), von der Art der materiellen Belohnung (wird sie unerwartet geleistet oder vorangekündigt?) oder von individuellen Motiven. Klar ist: Intrinsisch motivierte Mitarbeitende sind signifikant engagierter als jene, die sich von extrinsischen Anreizen wie Geld leiten lassen. Und dies unabhängig von der Einkommenshöhe.

Die Nobelpreisträger Daniel Kahneman und Angus Deaton berichteten in einer Studie, dass das emotionale Wohlbefinden von amerikanischen Arbeitnehmern mit höherem Einkommensniveau stieg – dies allerdings nur bis zu einem Jahreseinkommen von 75‘000 US Dollar. Darüber hinaus ging ein höheres Einkommen nicht mit grösserem Wohlbefinden einher. Wie so oft gilt aber auch hier: Was auf den ersten Blick simpel klingen mag, ist in Wirklichkeit viel komplizierter. Wenn man den Zusammenhang zwischen Geld und Glück untersuchen will, muss man zuerst definieren, was Glück überhaupt ist. Was soll gemessen werden? Das alltäglich empfundene Glücksgefühl? Dieses scheint tatsächlich nicht linear mit dem Einkommen zu wachsen. Oder die kognitive Zufriedenheit? Diese Art der Zufriedenheit – die Zufriedenheit mit dem im eigenen Leben Erreichten – korreliert eben durchaus mit Einkommenszuwachs.

Und nun? Was ist die Kernbotschaft?!

Einerseits macht Geld nicht direkt unglücklich. Es kann demotivieren – aber ob, wie und wann, wird in der Wissenschaft kontrovers diskutiert. Es kann auch dazu führen, dass unsere Ansprüche permanent steigen und wir uns immer weniger an den einfachen Dingen des Lebens erfreuen können. So gesehen kann Geld dem Glück durchaus im Wege stehen.

Andererseits kann Geld tatsächlich auch zum Glück beitragen: Wenn es hilft, die Existenzbedürfnisse zu befriedigen oder wenn es den Alltag erleichtert. Sind die Grundbedürfnisse gedeckt, ist ausschlaggebend, wie wir unser Geld investieren. Materieller Reichtum steigert unsere Glücksgefühle weniger. Erlebnisse mit anderen Menschen dafür umso mehr.

Bevor Sie also eine neue Handtasche oder ein neues Gadget kaufen, könnten Sie sich überlegen, ob Sie stattdessen nicht einfach Ihre Schwiegereltern zu einem gemeinsamen Wochenende einladen! Okay. Oder Ihr Team zum Dinner ausführen, mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin einen Weekend-Trip unternehmen oder mit der Familie den Europapark besuchen.

Weiterführende Informationen und Quellen:

http://www.harvardbusinessmanager.de/blogs/gehalt-mehr-geld-fuehrt-nicht-zu-mehr-motivation-und-zufriedenheit-a-907448.html

Burchardt, T. (2005). Are one man's rags another man's riches? Identifying adaptive expectations using panel data. Social Indicators Research, 74, 57-102.

Kahneman, D., & Sugden, R. (2005). Experienced utility as a standard of policy evaluation. Environmental & Resource Economics, 32, 161-181.


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