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Wie kommt man auf kreative Ideen? Und vor allem: Wie macht man daraus ein innovatives Produkt? (Symbolbild)

Kreative Ideen sind eine wichtige Grundlage für Fortschritt und Innovation. Aber wie kommt man auf kreative Ideen? Und vor allem: Wie macht man daraus ein innovatives Produkt? Mit einer genialen Eingebung allein kommt jedenfalls noch keine Innovation zustande. Eine solche entwickelt sich im Laufe eines Prozesses. Dieser umfasst typischerweise die folgenden acht Schritte (Schuler & Görlich, 2007).


1. Problementdeckung. Bevor es ans Problemlösen geht, muss ein Problem überhaupt als solches ausgemacht werden. Am Anfang des Prozesses steht also das Suchen, Identifizieren und Definieren eines Problems.

2. Informationssuche, -aufnahme und –bewertung. Ideen zur Lösung des Problems „fallen nicht einfach vom Himmel“. Es müssen dafür Informationen gesucht und gefunden werden. Hierfür sind eine hohe fachliche Expertise bzw. ein umfangreiches Wissen die beste Grundlage.

3. Kombination von Konzepten. Neue Ideen knüpfen oft an bereits existierende Konzepte an. Als originell wird das Ergebnis dann wahrgenommen, wenn zwischen entfernten, nicht offensichtlich ähnlichen Dingen oder Ideen Analogien entdeckt werden, die eine Verknüpfung ermöglichen.

4. Ideenfindung. In dieser Phase verdichtet sich der ganze kreative Prozess für uns am spürbarsten im Moment des glücklichen Einfalls. Auf diesen Moment gehen der Archimedes nachgesagte Ausruf „Heureka“ („Ich hab’s!“) zurück oder auch der Aufprall eines Apfels auf Newtons Kopf. Dem momentanen Einfall geht häufig eine Phase der Inkubation voraus, in der man „mit einer Idee schwanger geht“, bevor die Einsicht dann geboren wird. Oft stellt sich mit dem Einfall dann Erleichterung ein. Eine gute Idee kann nämlich kognitive Dissonanzen, die den Geist zuvor als Ungereimtheiten und Widersprüche beunruhigt haben, mit der vollzogenen gedanklichen Umstrukturierung in Ordnung zu bringen.

5. Ausarbeitung und Entwicklung des Lösungsansatzes. Mit einem melodischen Einfall ist noch kein Musikstück komponiert. In dieser Phase entscheidet sich, ob eine Idee zu einer Problemlösung werden kann. Wie in Phase 2 ist eine umfangreiche Wissensbasis erleichternd, teilweise sogar unabdingbar. Leichter als in den vorangegangenen Phasen kann hier die Zusammenarbeit mehrerer Personen genutzt werden.

6. Ideenbewertung.
In dieser Phase wird die Idee im Hinblick auf ihre Realisierbarkeit bewertet, Nutzen und Kosten werden abgeschätzt, auf die Umsetzung eventuell verzichtet. Je bedeutender eine Idee ist, desto schwerer ist ihre Wirkung abzusehen, wie das Beispiel Digitalisierung zeigt.

7. Anpassung und Umsetzung.
Sind Idee und Lösungsansatz überwiegend positiv beurteilt worden, startet die Umsetzung. Meist treten neue Probleme auf, die Modifikationen des Konzeptes verlangen. Noch mehr als in der vorangegangenen Bewertungsphase sind mutmasslich Betroffene in die Anpassung und Umsetzung einzubeziehen, neben fachlichen Gesichtspunkten sind jetzt auch soziale und politische zu beachten.

8. Implementierung. Im letzten Prozessschritt geht es darum, für die Durchsetzung, Einführung und Verbreitung des kreativen Produkts zu sorgen. Voraussetzungen sind zu schaffen, Anpassungen sind vorzunehmen, Überzeugungsarbeit bei Betroffenen und bei einflussreichen Personen ist zu leisten. Dann bestehen gute Chancen, dass die Ideen als Innovationen in der betrieblichen Praxis ankommen und Nutzen stiften. Da längst nicht alle Neuerungen gute und umsetzbare Ideen darstellen, sollten Widerstand und Skepsis, die ihnen entgegenschlagen, nicht einfach als mangelnde Aufgeschlossenheit oder Einsicht interpretiert werden, sondern als sinnvolle Prüfung.

Nur in Ausnahmefällen bewältigt eine Person alle Phasen von der Problementdeckung bis zur erfolgreichen Implementierung gleichermassen gut. Dies ist darin begründet, dass sich kreative und innovative Persönlichkeiten in ihren Eigenschaften und Fähigkeiten deutlich unterscheiden. Kreative Köpfe sind nicht unbedingt gute Politiker, Geschäftsleute oder auch Juristen, die ihre genialen Patente auch zu sichern wissen. Dies sollte bei der Aufgabenverteilung entsprechend berücksichtigt werden.

Weiterführende Informationen und Quellen:

Schuler, H. & Görlich, Y. (2007). Kreativität: Ursachen, Messung, Förderung und Umsetzung in Innovation. Göttingen: Hogrefe.

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