Aufnahmen von Flaschen der Marke Chopfab
Die Doppelleu Brauwerkstatt Winterthur gehört zu den 10% der erfolgreichen Startups und hat jüngst den Swiss Economic Award gewonnen. (Bild: Kalaidos FH)

Erfolgsfaktoren gibt es nicht. Zumindest nicht in der Form, dass Berater diese einfach identifizieren und Unternehmen sie anschliessend nur noch anwenden müssen und schon stellt sich der Erfolg ein. Wäre es so simpel, würden alle Unternehmen bloss diese Faktoren anwenden und wirtschaftlicher Misserfolg wäre nahezu ausgeschlossen. Insbesondere die Erfolgsrate bzw. Misserfolgsrate bei Startups verdeutlicht, dass einfach anzuwendende Erfolgsfaktoren in der Praxis nicht existieren. Fasst man verschiedene Studienergebnisse zusammen, lässt sich sagen, dass nur rund 10% aller gegründeten Unternehmen die Renditeziele von Geldgebern langfristig erreichen.
Wie lässt sich aber einschätzen, ob eine junge Unternehmung sich auf dem Markt durchsetzen kann? Der deutsch-amerikanische Investor Peter Thiel verrät in seinem 2014 erschienenen Buch „From Zero to One“ zwar auch keine Patentrezepte in Form von Erfolgsfaktoren, nennt jedoch sieben Fragen, welche jedes Unternehmen beantworten muss. Laut Thiel ist ein Zusammenspiel von technisch-strategischen und psychologischen Faktoren entscheidend für den Erfolg einer Unternehmung:

1. Technik-Frage
: Ist die Technik revolutionär oder nur eine geringfügige Verbesserung?

2. Timing-Frage: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt?

3. Monopol-Frage: Wird mit einem grossen Anteil an einem kleinen Markt begonnen?

4. Team-Frage: Sind die richtigen Leute involviert?

5. Vertrieb-Frage: Besteht die Möglichkeit, das Produkt nicht nur bloss herzustellen, sondern auch zu verkaufen?

6. Haltbarkeit-Frage: Kann die Wettbewerbsposition zehn oder zwanzig Jahre lang gehalten werden?

7. Geheimnis-Frage: Wird eine einmalige Chance erkannt, die andere nicht sehen?

Funktioniert dieses Schema allerdings auch in der Schweiz und ausserhalb von technologisch orientierten Gründungen? Als kleines Fallbeispiel sei hierzu die Doppelleu Brauwerkstatt Winterthur genannt. Diese gehört zu den 10% der erfolgreichen Startups und hat jüngst den Swiss Economic Award gewonnen. Der Co-Gründer und General Manager Dr. Philipp Bucher war im Rahmen der Herbstgespräche Vortragsreihe zu Gast an der Kalaidos FH. Auf Basis seines Vortrags lässt sich der Thielsche Fragenkatalog am Beispiel Doppelleu durchexerzieren. Hierbei stellt man fest, dass sich viele - allerdings nicht alle - Fragen zu Gunsten der jungen Brauerei beantworten lassen. Eine gewisse Prognose scheint also mit diesen Überlegungen von Thiel durchaus möglich. 

1. Technik-Frage: Craftbier ist definitiv keine Revolution → contra Doppelleu.

2. Timing-Frage: Bier als der neue Wein. Spezialitätenbiere erzielen stetiges Wachstum, insbesondere in den USA. Idealer Zeitpunkt, zusätzlich Trend zu lokalen Produkten → pro Doppelleu.

3. Monopol-Frage: Die Schweiz hat zwar eine immens hohe Brauereidichte, im Bereich der hochpreisigen, überregionalen Spezialitätenbiere ist der Markt eher gering. Der hohe Marktanteil in einem kleinen Markt ist machbar, allerdings nicht bereits zu Beginn vorhanden → weder Vorteil noch Nachteil im Sinne von Doppelleu.

4. Team-Frage: Laut Bucher, die ideale Kombination innerhalb des Gründerduos aus Kreativität und Detailorientiertheit → pro Doppelleu.

5. Vertrieb-Frage: Strikte Einhaltung der indirekten Distribution → pro Doppelleu.

6. Haltbarkeit-Frage: Nicht anfällig für Digitalisierungseffekte → pro Doppelleu.

7. Geheimnis-Frage: Grossbrauereien haben den Nischenmarkt Craftbier in der Schweiz in der Vergangenheit nur wenig bearbeitet → pro Doppelleu.

Doppelleu kann also gut fünf der Fragen von Thiel zu ihren Gunsten beantworten. Die zwei Hauptinvestoren können sich freuen, alle anderen können in Zukunft ebenfalls die Thiel-Liste für bessere Investitionsentscheidungen nutzen.

Weiterführende Informationen und Quellen:

Peter Thiel (2914), Zero to One. Wie Innovation unsere Gesellschaft rettet. Frankfurt: Campus.

Autor
Dr. Jörn-Basel

Prof. Dr. Jörn Basel

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