Angenommen, Sie gewinnen im Lotto und erhalten genügend Geld, um bis an Ihr Lebensende ein angenehmes Leben zu führen: Würden Sie weiterhin arbeiten gehen?

Im Jahr 2006 wurden erwachsene US-Bürger genau das gefragt (Highhouse et al., 2010). Was schätzen Sie: Wie viele befragte Personen gaben an, trotz Lotteriegewinn weiterzuarbeiten? Viele! Es waren zwei Drittel aller Befragten, die auch bei einem Lottogewinn weiterhin zur Arbeit gehen würden.

Abbildung eines Lottoscheins

Die Bedeutung der Arbeit für das Wohlbefinden - "Arbeiten um zu leben" oder "leben um zu arbeiten"?

Bereits 1955 beschrieben Morse und Weiss in ihrer Studie die sogenannte Lottofrage, die unter anderem auch Highhouse et al. 2010 untersuchten. Viele weitere arbeitspsychologische Untersuchungen in unterschiedlichen Ländern und Kulturen konnten diesen Effekt ebenfalls bestätigen. Der Arbeitstätigkeit wird von Seiten der Befragten eine entscheidende Rolle für das Wohlbefinden des Menschen zugeschrieben: "Menschen können sich ein Leben ohne Arbeit nur schwer vorstellen" (Kauffeld, 2014, S.3).

Morse und Weiss fanden in der Ursprungsstudie heraus, dass 80% der Befragten vorhätten, nach dem Erhalt eines Lottogewinns weiter zu arbeiten. Jüngere Menschen bekunden häufiger ihre Absicht im Arbeitsleben zu bleiben als ältere Befragte. Darüber hinaus scheint es einen Zusammenhang zwischen Arbeitsmotivation und Qualifikation zu geben. Je höher die Befragten qualifiziert waren, desto eher würden sie nach Erhalt eines Lottogewinns weiterarbeiten wollen (Führungskräfte 86%, Facharbeitende 79% und Hilfskräfte 58%). Allerdings würden viele der weiterhin Arbeitswilligen vermutlich die Stelle wechseln wollen. Die Vermutung liegt nahe, dass viele Menschen zwar "produktiv und kreativ tätig sein wollen", dabei aber nicht alle Arbeitsbedingungen und -aufgaben akzeptieren würden (Schüpbach, 2013).

Arbeit ist fester Bestandteil unseres Lebens und kann ihm Bedeutung und Sinn geben.

Wie hätten Sie bei einer Befragung geantwortet: Würden Sie nach einem Lottogewinn weiterhin arbeiten gehen? Hinterlassen Sie uns gern unter dem Beitrag einen Kommentar.

Weiterführende Informationen und Quellen:

Kauffeld, S. (2014). Einführung in die Arbeits-, Organisations- und Personalpsychologie. In S. Kauffeld (Hrsg.), Arbeits-, Organisations- und Personalpsychologie für Bachelor (2. Aufl., S.3). Heidelberg: Springer.

Schüpbach, H. (2013). Arbeits- und Organisationspsychologie. München: Ernst Reinhardt.

Highhouse, S., Zickar, M. J., & Yankelevich, M. (2010). Would you work if you won the lottery? Tracking changes in the American work ethic. Journal of Applied Psychology, 95(2), 349-357.

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