KI und Robotik in der Finanzbranche
Künstliche Intelligenz ruft die Regulierung auf den Plan. (Symbolbild)

Mit der Regulierung künstlicher Intelligenz und den Herausforderungen bei diesem Politikunterfangen befasste sich Bundeskanzler Walter Thurnherr in seiner Festansprache anlässlich der Verleihung des Gottlieb-Duttweiler-Preises an das von IBM entwickelte Computerprogramm „Watson“, welches künstliche Intelligenz darstellt.

In seiner Rede mit dem Titel „Künstliche Intelligenz oder Das Erfordernis einer klugen Regulierung“ wies Thurnherr darauf hin, dass gerade im Bereich der Technik die Konsequenzen verdrängter Vorsicht immer drastischer werden. Das sehe man bei der Waffenproduktion, dem Klima oder eben bei der künstlichen Intelligenz. Eine von Anfang an kluge Regulierung wird immer entscheidender. Bei der künstlichen Intelligenz ist das aus Sicht von Bundesbern aus vier Gründen besonders anspruchsvoll:

Herausforderungen bei der Regulierung der künstlichen Intelligenz

Erstens: Moderne Technik im Allgemeinen und künstliche Intelligenz im Speziellen ist deshalb schwierig zu regulieren, weil man gleichzeitig zwei Risiken vermeiden möchte: Das Risiko, eine Chance zu verpassen, wenn man zu früh verbietet, und das Risiko, dass man Schaden anrichtet, wenn man zu spät verbietet. Das Problem besteht darin, die Möglichkeiten und Gefahren einer Technik zu erkennen, bevor sie eingesetzt und weiterentwickelt wird.

Zweitens: Regulieren ist schwierig, wenn viel Geld im Spiel ist. Das zeige sich auch bei der Entsorgung gefährlicher Abfälle, bei der Biodiversität in der Landwirtschaft oder eben beim Klima, wo Regulierung laut Thurnherr noch dringlicher wäre. Bei künstlicher Intelligenz gehe es um sehr viel Geld, da sie vor allem für Werbezwecke eingesetzt werde. Zudem stehen nur wenige grosse Konzerne dahinter: „Die gegenwärtigen und wohl auch künftigen Anwendungen werden weltweit im Wesentlichen nur von neun Tech-Giganten kontrolliert“, meinte Thurnherr. Davon kommen sechs aus den USA (Google, Microsoft, Amazon, Facebook, IBM und Apple) und drei aus China (Baidu, Alibaba und Tencent“.

Internationale Kooperation und ethische Probleme im Fokus

Drittens: Vor allem internationale Regulierung ist schwierig, weil der Wille zur multilateralen Zusammenarbeit bis heute weitgehend davon abhängt, ob man kurzfristig selbst profitiert. Ausnahmen bildeten grosse Katastrophen und fürchterliche Kriege, die man mit Regulierung eigentlich verhindern wolle, so Thurnherr.

Viertens: Da Politik keine Mathematik ist, gibt es immer Ausnahmen von Regeln und so wird es Zeit brauchen, bis eine griffige und alltagsgerechte Regulierung für künstliche Intelligenz in Reichweite ist. Zudem soll die künstliche Intelligenz ethische Probleme lösen, die Menschen selbst nicht gelöst haben: Wie soll sich ein selbstfahrendes Auto gegenüber Velofahrern verhalten? Ein Blick in den Zürcher Feierabendverkehr zeige, dass Menschen hier selbst an Grenzen kommen.

Dialog aller Beteiligten für Rahmensetzung bei künstlichen Intelligenz notwendig

Es gebe noch mehr Schwierigkeiten, meinte Thurnherr, die er hier nicht ausführen wolle. Die Arbeit von IBM an Watson sei ein gutes Beispiel dafür, dass man nicht nur forschen, sondern Forschung auch erklären können solle. Die Regulierer der künstlichen Intelligenz sollten wiederum Forschung fördern, aber auch mit den Wissenschaftlern sprechen und den Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und Verwaltung fordern. Zudem gelte es, rechtzeitig mit den Behörden anderer Staaten nach umsichtigen, verständlichen und wirksamen Regeln zu suchen.

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