Per Definition führt man eine Teamentwicklung durch, um „die Gesamtleistung des Teams und / oder dessen Effektivität zu erhöhen.“ Solche Ziele sind notwendig, um die erforderlichen Ressourcen zur Durchführung einer Teamentwicklungsmassnahme zu rechtfertigen. So muss nicht nur das Team für einen halben Tag oder noch länger von seinen eigentlichen Aufgaben abgezogen sondern auch ein externer Moderator für denselben Zeitraum bezahlt werden.

In der Praxis kommen Teamleiter aber selten zu mir als Beraterin und sagen, sie möchten die Effektivität oder die Leistung ihres Teams erhöhen. Stattdessen sagen sie, es sind „Konflikte zu klären“ oder das Team soll die „Teamziele engagierter umsetzen“ oder es geht darum, das Team „in schwierigen Situationen“ zu stärken. Natürlich will ich jetzt nicht spitzfindig werden und kann auch nur bestätigen, dass diese Punkte in der Regel tatsächlich auch Auswirkungen auf Effektivität und Leistung von Teams haben. Aber der „Gewinn“ aus Teamentwicklungen geht meines Erachtens deutlich über die rein numerische Erfassung der Teamleistung hinaus.

Mitarbeitende, die an meinen Teamentwicklungen teilgenommen haben, berichten später dass:

  • die Zusammenarbeit im Team mehr Spass macht
  • Konflikte konstruktiver ausgetragen werden
  • sie als Einzelpersonen, aber auch als ganzes Team selbstbewusster auftreten
  • sie somit auch gestärkter in die Auseinandersetzung mit anderen Abteilungen gehen
  • Probleme generell strukturierter angegangen und bewältigt werden

Und manch einer, der vor der Teamentwicklung verdrossen seiner Arbeit nachging, hat wieder Freude an der Arbeit, neue Ideen und inspiriert damit auch sein Umfeld.

Klingt klasse! Und wie kommt man dahin? Ich fürchte, ein spektakulärer Event mit Go-Kart-Fahren, Weinprobe und / oder opulentem Nachtessen reicht dafür im Normallfall nicht aus. Um eine Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Stärken, Charakteren, aber auch Eigenheiten der Teammitglieder ebenso wie mit den Rahmenbedingungen und vorhandenen Handlungsstrategien vorzunehmen, muss ein Prozess angestossen werden, der die Mitglieder des Teams zum Nachdenken bringt und neue Lösungen ermöglicht. Das braucht in der Regel auch etwas Zeit und lässt sich schwer an einem Nachmittag erledigen – kann aber an einem Nachmittag immerhin angestossen werden.

Aber die Investition lohnt sich. Ein Team, das ich kürzlich über drei Nachmittage (jeweils 3h) begleitet habe, berichtete mir im Anschluss, dass sie aufgrund der Intervention viel produktiver zusammenarbeiten, einen Leitfaden zum Beschwerdemanagement erstellt hätten und diverse andere Massnahmen angestossen haben, um sich unter den schwierigen Bedingungen, unter denen sie litten, besser zu positionieren. Dies wurde möglich, indem sie ihr eigenes Umfeld besser analysierten und eine Vision für sich als Team erarbeiteten, ganz konkrete Massnahmen daraus ableiteten und insgesamt ihr Selbstbewusstsein und das Gefühl der Selbstwirksamkeit erhöhten. Aber auch die Auseinandersetzung mit den Unterschieden und den Gemeinsamkeiten der Teammitglieder sowie das Formulieren von „Teamregeln“, insbesondere zum Umgang miteinander in schwierigen Situationen, haben dem Team geholfen, konstruktiv mit den herausfordernden Situationen umzugehen.

Geht es in einer Teamentwicklung hauptsächlich darum, Teamregeln oder einen „Kontrakt“ im Team zu formulieren, macht es zunächst oft Sinn, das Team spielerisch an eine herausfordernde Aufgabe heranzuführen und danach gemeinsam zu beurteilen, wie die Aufgabe gemeistert wurde. Daraus lässt sich ableiten, wie die Zusammenarbeit im Arbeitsalltag optimiert werden kann. Das kann fast so lustig wie Go-Kart Fahren sein, aber für den Teamprozess doch deutlich hilfreicher.

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