Philomena Colatrella, CEO CSS Versicherung, am Meet&Greet vom 6. Februar 2020
(Bild: Kalaidos FH)

Bei der CSS Versicherung, dem grössten Anbieter der obligatorischen Grundversicherung, tut sich einiges im Bereich Digitalisierung. Dies wundert nicht, steht doch Philomena Colatrella dem in Luzern beheimateten Unternehmen als CEO vor. Als „Digital Shaper“ gehört sie gemäss Ranking der Bilanz, Handelszeitung und Le Temps zu den 100 Schweizerinnen und Schweizer, die bei der Digitalisierung die Nase vorn haben. Die studierte Juristin durften wir kürzlich an der Kalaidos Fachhochschule im Rahmen unserer Meet&Greet-Eventreihe zum Thema Gesundheit begrüssen. Dabei kamen wir dem digitalen Wandel im Gesundheitsbereich und der Rolle der Krankenkassen auf die Spur. 

Kostendisziplin bei der CSS

Die Digitalisierung des Krankenkassen-Geschäftes sieht Philomena Colatrella in erster Linie als einen Hebel zur Senkung der Kosten. Da die Erbringer medizinischer Leistungen sich künftig über das elektronische Patientendossier vernetzen, wird es einfacher, ihnen auf die Finger zu schauen. So werden beispielsweise die Honorare von Belegärzten genauer unter die Lupe genommen. Die CSS fällt in der Branche jetzt schon mit einem äusserst positiven Effekt auf: Die Heilkosten je Versicherten sinken. Mit ihrem politischen Engagement fordert Philomena Colatrella eine Kostenbremse beim Bund, welche einen jährlichen Kostenanstieg pro Versicherten begrenzen würde – dabei sieht sie die CSS als Rollenmodell bezüglich der Senkung von Kosten. Ein weiterer erwähnenswerter Pluspunkt: Die eigenen Verwaltungskosten der CSS in Bezug zu den eingenommenen Prämien sinken ebenfalls. Die richtige Balance im Spannungsfeld von Effizienz und Innovation ist entscheidend und wird immer mehr als erfolgskritische Kompetenz für den nachhaltigen Unternehmenserfolg erkannt. Philomena Colatrellas Kommentar dazu: „Das Kerngeschäft muss man gut managen, um den Ertrag daraus für Innovationen zu investieren.“

Effizienz im Gesundheitswesen

„Ich finde es tragisch, dass wir in der Schweiz mit E-Health noch nicht so weit sind.“ Ein klares Statement von Philomena Colatrella, zu Recht. Denn Krankenkassen haben Nachholbedarf im digitalen Bereich. Die CSS ist im Ranking oben mit dabei. Sie sieht in der Digitalisierung ebenso ein Instrument zur Qualitätsoptimierung wie zur Effizienzsteigerung im Gesundheitswesen. Im Bereich Digital Health investiert sie in innovative Programme. Mit diesen Vorhaben soll die Eigenverantwortung der Versicherten gestärkt werden. Denn das Ziel ist es, Versicherte zu einem gesünderen Lebensstil zu motivieren, sodass sie hinsichtlich Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stress bewusster durchs Leben gehen. Kranken Personen soll die Digitalisierung die Selbstüberwachung und -therapie ermöglichen (vor allem bei chronischen Krankheiten wie Asthma und Diabetes). Zudem wird die Vernetzung über das digitale Versichertendossier erhöht: „Die Digitalisierung hilft der Dreiecksbeziehung zwischen Arzt – Krankenversicherung – Patient enorm.“ Im Online-Kundenportal & Mobile-App myCSS ist der Umfang der Funktionen gross. Solch ein Gesundheits-App ist jedoch mehr als eine blosse Spielerei. Der Mensch als Datenträger, der menschliche Körper als grösste Datenplattform, die es zu nutzen gelte.

Der gläserne Patient?

„Die Patientenakte ist wichtig“, sagt Philomena Colatrella zu jenen, welche solch transparente Daten anzweifeln. Es scheint zwar nicht so einfach zu sein, die Begeisterung für E-Health zu wecken. Vielleicht widerstrebt es uns im ersten Moment, unseren Alltag rund um die Uhr datenmässig zu erfassen und bewerten zu lassen. Die App sei jedoch solide verankert, gesammelte Vitaldaten ergeben einen Sinn und liefern eine Orientierung an Durchschnittswerten. Spannend wird es, wenn sich die anonymisierte Analyse der eigenen Daten in einen persönlichen Health Score abbildet, der alles in eine einzige Zahl zusammenrechnet, die sich mit eigenen Initiativen und personalisierter Medizin verbessern lässt. Rahmenbedingungen, die die Datensicherheit und Freiwilligkeit garantieren, sind essentiell wichtig für das Vertrauen der Versicherten. Und das scheint aufzugehen. Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer haben ein steigendes Bedürfnis an digitalen Angeboten und nutzen die E-Health-App. Mit der Digitalisierung steigt somit nicht nur die Transparenz seitens der Versicherten, sondern auch jene über die erbrachten Leistungen der Institutionen. Vergleiche in Qualität und Kosten wirken sich wiederum positiv auf die Kostensenkung auf.

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