Es scheint, dass sich die Vorzeichen im Banking-Umfeld wieder zum Positiven bewegen. Die US-Notenbank FED strebt unter der Führung von Janet Yellen die Annäherung an die frühere Normalität in Bezug auf die Zinsen an. Es kann auf ein Nachziehen der EZB gehofft werden. Zinsen für die Spareinlagen könnten anziehen und das Zinsdifferenzgeschäft könnte wieder zur soliden Einnahmequelle werden.

Aktionäre vor aktuellem Börsenkurs

Schwächen die Zinserhöhungen den Digitalisierungdruck ab (Symbolbild)?

Gründe für eine vorsichtige Beurteilung des positiven Effekts

Wie realistisch ist dieses Szenario? Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Kunden ihr Verhalten ändern, wenn sich der Faktor Vertrauen verlagert. In den letzten 10 Jahren hat sich die Menge des Datenaustauschs über das Internet fast verhundertfacht. Obwohl die meisten Grossbanken, Immobilienvermittler und staatlichen Institutionen kürzlich die letzten juristischen Streitigkeiten aus der Finanzmarkt-Krise beiseitelegen konnten, haftet der Imageschaden nachhaltig an den Bankern. Die Kunden sind skeptischer geworden gegenüber der „Anzug tragenden Gilde“. Ein Berufseinstieg als Kundenberater in die Bankenbranche ist nicht mehr gleich attraktiv wie eine Tätigkeit als Arzt oder Anwalt. Es war das Jahr 2007, als die Immobilienblase platzte und wie eine Welle von Nordamerika nach Europa schwappte. Die Welle war global und traf am Schluss gar chinesische Wanderarbeiter. Heute sind es die Negativzinsen, welche der Bank-Branche das Leben schwermachen. Die Margen sind unter Druck und die Geschäftsmodelle der Banken bieten keine nachhaltigen Alternativen zur Erschliessung neuer profitabler Einnahmequellen.

Digitalisierung als Hauptbedrohung

Slogans wie „Private Banking ist ein People-Business“ werden künftig auf immer weniger der Kunden zutreffen. Während vor wenigen Jahren Banken-Apps noch innovativ waren und Menschen von deren Mehrwert überzeugt werden mussten, gibt es heute kaum mehr Kunden, welche nicht auf digitale Kanäle setzen. Die Investitionen in Schalterhallen weichen jenen in die konsequente Digitalisierung des Angebots. Die Zeiten der Vertrauensverlagerung in digitale Angebote haben begonnen. Sicherlich kann das Private Banking durch einen persönlichen Rundum-Service und innovative Produkte punkten – aber reicht das?

Zeitrahmen für Veränderungen

Ein Blick auf die Statistik 1) zeigt, dass die heutigen Pensionierten über das grösste liquide Vermögen verfügen und gleichzeitig bezüglich Digitalisierung ihrer Bankdienstleistungen am langsamsten vorwärtskommen. Da die vermögendste Schicht der Bevölkerung in den nächsten 10 bis 15 Jahren durch die nächste Generation beerbt wird, verändern sich die Vorzeichen. FinTechs, alternative Bezahlfunktionen und Bitcoins machen es vor. Auch der Vergleich mit anderen Branchen ist interessant: So wird sich die Automobilbranche voraussichtlich bis 2025 elektrifizieren.

Fazit

Aufgrund der obigen Aspekte ist dieses Szenario in Bezug auf die Digitalisierungsnotwendigkeit für die Banken ebenfalls sehr realistisch: „Banking is necessary, Banks are not“ wird zur Realität. Steigende Zinsen ermöglichen zwar eine Verschnaufpause, aber der steile Aufstieg zum Gipfel der digitalisierten Geschäftsmodelle – ohne Garantie für einen schönen Zukunftsblick, wenn man oben angekommen ist – muss weitergehen.

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1) Statista – Das Statistik Portal, Veröffentlichung vom Dezember 2014, Zugriff: 28.09.2017
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/374622/umfrage/vermoegen-der-schweizer-bevoelkerung-nach-alter-und-armutsstatus/

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