SIF Resilienz Konferenz Präsentation Beatrice Sidler-Gisler
Bild: Beatrice Sidler-Gisler von der Obwaldner Kantonalbank erläutert den Strukturwandel bei der OKB

Resilienz in Schweizer Banken war Thema der dritten Konferenz aus unserer Reihe "Insight Bankentransformation". Obwohl Schweizer Banken insgesamt gut dastehen, gibt es doch noch Verbesserungspotenzial, was der erste Teil dieses Blogposts schildert. Praxisberichte aus zwei Finanzunternehmen zeigen im Folgenden, wie Resilienz in der Praxis implementiert und gelebt wird.

Beatrice Sidler-Gisler, Leiterin Marktsupport und Mitglied der Geschäftsleitung der Obwaldner Kantonalbank (OKB) blickte einleitend kurz zurück. Heute werde klar, dass man bereits mit der 2013 implementierten neuen Strategie die Basis für die robuste Aufstellung des Unternehmens gelegt habe. Deshalb könne man sich im heutigen Umfeld agil bewegen. „Agil macht stabil: Resilienz dank Vertrauen & Agilität“ war ihr Vortrag übertitelt. Zentral war dafür ein Kulturprozess mit insgesamt sieben Elementen, der im ganzen Unternehmen ausgerollt wurde. Dieser umfasste nicht nur Gruppentreffen, sondern auch Einzelcoachings zu verschiedenen definierten Themen. Zielvorstellung sind optimale Zustände für Kunden, Mitarbeitende und die Bank als Unternehmen.

Individuen kommen vor Prozessen

Bei der agilen Arbeitsweise der OKB haben Individuum und Zusammenarbeit das grössere Gewicht als Prozesse und Tools. Primär steht das kundenzentrierte Endprodukt im Fokus, nicht lange Diskussionen über Dokumentationen oder Prozessreports. „Man muss den Mindset haben, um aus alten Denkmustern auszubrechen“, stellte Sidler-Gisler fest. Sie hält es für wichtig, einfach mit solchen Arbeitsweisen zu starten und sich nicht zu lange mit übergeordneten Theorien oder Strategien aufzuhalten. Agilität bedeutet für sie nicht, ganz ohne Leitplanken unterwegs zu sein, sondern nur eine möglichst breite Fahrbahn zu erlauben.

SIF Resilienz Konferenz Mathias Hermann
Bild: Matthias Hermann, Daimler Financial Services spricht über die Zukunft der Mobilität

Als dritter Referent schilderte dann Mathias Herrmann, Member of the Executive Committee bei Daimler Financial Services, den Umgang seines Unternehmens mit den aktuellen Herausforderungen. „Resilienz - zurück zum Ausgangszustand?“ war sein Vortrag betitelt. Laut seinen Worten hat sich das Unternehmen in den vergangenen 18 Monaten mehr verändert als in den 20 Jahren vorher. Die Abkürzung VUCA (Volatility, uncertainty, complexity and ambiguity) ist zum festen Vokabular des Managements geworden. Das komplexe Umfeld lasse Ursache und Wirkung oft nicht mehr klar erkennen.

Man arbeite heute, auch als Risk Manager, nicht mehr so stark mit einer Rückwärtsoptik sondern setzt auf Predictive Analysis. Dazu werden beispielsweise auch Twitter- oder Wirtschaftsdaten genutzt. Die heute verwendeten Systeme wurden auch mit historischen Daten getestet und hätten auch vor der Krise 2008 gewarnt. Sobald sich ein Markt auch nur seitwärts entwickelt, kann Hermann sogleich einen Massnahmenplan auslösen.

Mobilitätsplattform statt nur Autobauer


Auch im Tagesgeschäft hat sich viel verändert. Autos sind heute zunehmend als Datensammler unterwegs, vernetzt und können Nutzern Dienste abnehmen. Mit den gewonnenen Daten gelte es verantwortlich umzugehen. Er könne iPhone-Besitzern schon heute eine Pay-as-you-Drive-Versicherungspolice anbieten, weil das Gerät die Daten bereits erfasse.

Insgesamt verändert Daimler Financial Services sein Firmenprofil und hat eine ganze Reihe von Mobilitätsdienstleistern und -angeboten unter seinem Dach vereint, wie beispielsweise die App moovel, mit der die schnellste oder günstigste Transportmöglichkeit innerhalb von ausgewählten Städten finden kann. Mit solchen Angeboten will Daimler Financial Services bereits in den Moment beim Kunden präsent sein, wenn ein Mobilitätsbedürfnis entsteht. Dieses möchte man komplett abwickeln und alle damit zusammenhängenden Transaktionen übernehmen. Der Fokus liegt deshalb auf dem Aufbau eines Ökosystems von Services, in denen sich der Kunde bewegt und seine entsprechenden Bedürfnisse deckt. Laut Herrmann verläuft die Entwicklung in die Richtung von Serviceplattformen, die zunehmend weniger materielle Assets haben.

SIF Resilienz Konferenz Apero nach der Veranstaltung
Bild: Geselliger Apero nach der Konferenz

Im Anschluss an eine kurz gehaltene abschliessende Fragerunde besprachen die Teilnehmenden der Konferenz die zahlreichen vorgestellten Themen bei einem reichhaltigen Apero in formlosen Rahmen bis spät am Abend.

###

Mit der Konferenzreihe "Insight Bankentransformation" präsentiert das Schweizerische Institut für Finanzausbildung (SIF) der Kalaidos Fachhochschule jeweils seine neuesten Erkenntnisse aus der angewandten Forschung. Moderator der Events, zu denen wir regelmässig prominente Gastreferierende einladen, ist Prof. Dr. Bernhard Koye, Institutsleiter des SIF.

Facebook Twitter Xing LinkedIn Whatsapp E-Mail