Ein Blick in die Runde zahlreicher Publikationen zur Zukunft des Bankings zeigt rasch: Die Branche wird sich in den kommenden Jahren fundamental wandeln. Prozesse werden analysiert, standardisiert und digitalisiert. Die Filiale, der Schalterbetrieb, die physische Kundenberatung in den Räumlichkeiten der Bank als auch der manuelle Zahlungsauftrag werden durch digitale Angebote in ihrer klassischen Form verändert. Das „Digital Banking Manifesto“ des MIT unterscheidet drei Phasen der Digitalisierung im Banking:

1. Phase: Vor allem inkrementelle Veränderungen. Durch die Einführung von Geldautomaten und Verbreitung des online-banking wurde ein Teil des Bankgeschäfts von Filialöffnungszeiten entkoppelt.

2. Phase: Digitale Hybride entstehen. Reine Internetbanken mit Ausrichtung auf die digital Natives, wie z.B. Fidor, betreten den Markt. Die digitalen Hybride griffen zu Beginn auf die Back End-Systeme oder die Banklizenzen anderer Institute zurück. Die digitalen Hybride sind allerdings nicht mit Direkt- bzw. Onlinebanken zu verwechseln. Diese sind zwar auch als Konsequenz der Digitalisierung entstanden, jedoch sind sie häufig Töchter von „klassischen Banken“ und bieten einfach nur das klassische Bankgeschäft online, d.h. ohne die Existenz von Filialen, an.

Die digitalen Hybride sind hingegen konsequent auf des Verhaltens- und Nutzenmuster der digitalen Generation ausgerichtet und verstehen sich auch als Plattform, beispielsweise für Crowdfunding.

3. Phase: Die Digital Bank of the Future (DBF) entsteht. Ihre Kennzeichen sind der Einsatz neuer Technologieplattformen und ein holistisches, intuitives und interaktives Kundenerlebnis.

Grundsätzlich ist diese Phase daher dadurch gekennzeichnet, dass wir keine isolierten App-Anwendungen mehr brauchen, sondern über Plattformen auf verschiedene Dienstleistungen zugreifen. In Ansätzen kann man diese Entwicklung bereits bei der Fidor Bank beobachten. Fidor besitzt mittlerweile eine Banklizenz und öffnet sein Angebot auch Drittanbietern.

Abbildung Eingang neuer E-Mails

Mittels der Bereitstellung von standardisierten technischen Schnittstellen ( „API“s) zum hauseigenen System besteht für Unternehmen die Möglichkeit, sich der Bank anzuschliessen und ihre Produkte und Dienstleistungen in Kooperation mit Fidor zu vermarkten. Sie können ggfs. sogar in die Fidor-Konten integriert werden. Eine weitere spannende Entwicklung ist die Idee, über digitale Assistenten das gesamte Paket an Finanzdienstleistungen zu managen. So will die Postbank ein entsprechendes Angebot mit Siri vermarkten.

Fazit: Der Plattformgedanke ist verstärkt in allen Industrien zu beobachten. So will sich Zalando zur Technologieplattform wandeln und nicht mehr nur ein Onlinehändler für Kleidung bleiben. Der Vernetzung von Designern, Einzelhändlern, Kunden und weiteren Parteien öffnet das die Türen. Spannend wird es erst recht, wenn auch die etablierten grossen Internetkonzerne Ihr Plattformkonzept dezidiert um Bankdienstleistungen erweitern und, wie heute schon Fidor, allen anderen Anbietern erlauben werden, dort ihre Produkte hochzuladen. In dieser Welt wird sich der Bankkunde seine Finanzbedürfnisse mittels verschiedenster Angebote online und „plug-and-play“ erfüllen können. Bankdienstleistungen werden dann wohl überall im Internet verfügbar sein.

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