Kriminelle erschliessen sich immer neue Wege, um sich zu bereichern. Der Identitätsdiebstahl ist eine zunehmend interessante Methode, um anschliessend in Kundenbereiche von Finanzdienstleistern vorzudringen. Wie die Unternehmensberatung Aite Group herausgefunden hat, wurden allein 2015 weltweit rund 477 Millionen Datensätze gehackt, die vielfach persönliche Identifkationsinformationen enthalten hätten. Dank dieser Identitätsdaten hätten Kriminelle sich leicht Kundenkonten unter falscher Identität einrichten können.

Wie es in der Studie “Application Fraud Rising as Breaches Fan the Flames” vom Frühjahr 2016 weiter heisst, gehen die Einschätzungen grosser und kleiner Finanzdienstleister in den USA jedoch recht weit auseinander, was die Folgen dieser kriminellen Aktivitäten betrifft. Aite hat dafür 88 Geschäftsleitungsmitglieder von 83 Finanzunternehmen aus den USA befragt. Insbesondere die kleinen Unternehmen erwarten dabei weniger starke Auswirkungen auf ihr Geschäft.

Online sind Betrugsversuche achtmal häufiger als im Laden

Alle Befragten sind sich aber einig, dass der Missbrauch durch Identitätsdiebstahl über Online, Mobile und Callcenter Zugänge derzeit ansteigt. Online-Betrügereien seien schon achtmal so häufig wie Betrugsversuche in Ladenfilialen. Vor diesem Hintergrund achten Finanzdienstleister mittlerweile stärker auf die Sicherheit bei der Eröffnung von Kundenkonten über Online oder Mobile-Kanäle. Dort ist der Missbrauch entwendeter Identitätsdaten besonders leicht. Gerade auf mobile Endgeräten stehen die Finanzdienstleister vor der Herausforderung, ein ansprechendes Kundenerlebnis zu schaffen und dennoch eine genügende Identitätsverifikation zu erhalten.

Dabei könnte die Identifikation von Personen über die Kamera des Mobilgerätes ein einfacher und effizienter Weg sein. Dabei erhält der Finanzdienstleister ein Foto der Person und eines Identitätsnachweises (zb Führerschein). Für Kunden entfällt so bestenfalls die mühselige Eingabe zahlreicher Angaben auf der kleinen Bildschirmtastatur des Mobilgerätes. Diese Methode erlaubt also eine ausreichend sichere Kundenidentifikation und erleichtert dem Kunden gleichzeitig die Dateneingabe.

Ein Foto der Person und eines Dokumentes genügen

Vor allem kleinere Firmen nutzen diese Möglichkeit bereits heute: Aite nennt Anwendungsquoten von 13 sowie 20 und 19 Prozent für grosse, mittelgrosse und kleinere Firmen. Allerdings haben 38 Prozent der grossen, 63 Prozent der mittelgrossen und 37 Prozent der kleineren Firmen genau solch eine mobile Kundendatenerfassung und -verifizierung auf ihrer Roadmap für die kommenden ein bis zwei Jahre. Dabei spielt die Reduktion von operativen Kosten durchaus eine wesentliche Rolle. Ein grosser Finanzdienstleister beschäftigt laut der Studie derzeit gut 350 Personen nur damit, die Ausreisser in seinem Verifikationsprozess manuell nachzuprüfen. Dabei werden Kopien von Führerscheinen oder Stromrechnungen geprüft. Sollte sich dieser Prozess durch eine andere Lösung automatisieren lassen, könnte man vermutlich die Hälfte des heute nötigen Personals einsparen.

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