In Teil 1 unserer Blogserie wurde aufgezeigt, dass es sich für Aktionäre kurzfristig durchaus lohnen kann, Aktien aus einer Neuemission zu zeichnen.

Sind neu emittierte Aktien auch langfristig erfolgreich?

Volz stellt in seiner bereits erwähnten Studie fest, dass die Entwicklung bereits innerhalb des ersten Jahres nach dem IPO teilweise ins Negative wechselte: nur noch 29 Unternehmen von 67 hatten eine positive Kursentwicklung. Dabei erlitt man mit Aktien von Myriad, RedIT und Day Software fast einen Totalverlust (minus 82% bis 93%). Schweizer IPO-Aktien verzeichneten gemäss Volz bei einer ein- und dreijährigen Betrachtungsperiode zwar insgesamt eine Überrendite gegenüber dem SPI (plus 5.3% bzw. 2.5%). Nach fünf Jahren resultierte jedoch alles in allem eine negative Performance von minus 11.94%.

Warum bereiten Neuemissionen langfristig meist wenig Freude? In der ökonomischen Literatur werden dazu drei Erklärungsansätze bzw. Hypothesen diskutiert, die im Folgenden kurz skizziert werden.

Divergence of Opinion Hypothesis

Dieser Ansatz geht davon aus, dass nur Optimisten eine Neuemission zeichnen, während Pessimisten die Finger davon lassen. Mit der Zeit stehen den Investoren mehr Informationen zur Verfügung, so dass die Meinungen von Optimisten und Pessimisten konvergieren, wodurch konsequenterweise der Marktpreis fällt.

Impresario Hypothesis

Gemäss Nobelpreisträger Robert Shiller vertrauen die meisten Interessenten bei einem IPO auf die emittierende Bank und deren Ruf. Dieser Ruf ist in Anlegerkreisen um so besser, je höher in der Vergangenheit die Emissionsrendite ausfiel. Dies erreichen Investmentbanker durch bewusstes Tiefhalten des Emissionspreises mit einem folgenden massiven Kursanstieg am ersten Handelstag. Weil ein Teil der Anleger die schnell erzielten Gewinne realisieren will, sinkt der Kurs in der Folgezeit massiv.

Shiller benannte seine Hypothese in Anlehnung an Konzertanbieter, die bei jungen aufstrebenden Künstlern die Ticketpreise sehr günstig anbieten. Die Konzertsäle werden voll, das Publikum ist begeistert und in der Folgezeit entsteht eine grosse Nachfrage nach den Tickets bei steigenden Preisen. (vgl. Robert Shiller: „Initial Public Offerings: Investor Behavior and Underpricing“, 1988)

Windows of Opportunity Hypothesis

Gemäss dieser These surfen Unternehmen, die eigentlich gar kein IPO starten wollten, in Zeiten hoher Emissionsvolumen auf der IPO-Welle, um von Übertreibungen bzw. Überbewertungen und somit von überhöhten Emissionserlösen zu profitieren. Die Ernüchterung folgt jedoch oft bald. Denn empirisch gesehen folgten Perioden mit hohem Emissionsvolumen dann auch die langfristig tiefsten Renditen.

Fazit: Angela Merkel sagte einmal: „Überall stossen wir auf ein Denken, das kein Morgen kennt.“ In unserem Fall kennen wir zwar morgen, aber wir sollten daran denken, wann übermorgen beginnt.

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