Hand auf Tastatur mit Likes
Algorithmen – die Helfer im Hintergrund auf Social Media (Symbolbild)

Algorithmen werden (noch) zu einem grossen Teil von Menschen entwickelt. Dabei ist wichtig zu verstehen, was ein Algorithmus eigentlich ist. Denn Algorithmen sind zwar logische Programme, aber sie entwickeln sich immer mehr zu unabhängigen "Helferchen" im Hintergrund.

Was ist ein Algorithmus?

Ein Algorithmus stellt einen Lösungsansatz für ein Problem dar. In Einzelschritten werden dabei Eingabedaten in die gewünschten Ausgabedaten umgewandelt. In der Informatik sind Algorithmen besonders wichtig, da sie hier häufig zum Einsatz kommen.

Algorithmen sind logische Abläufe, also Makro-Programme die etwas bewegen und umwandeln möchten. Vereinfacht gesagt: Sie übernehmen die Hand- und Rechenarbeit für Menschen analog einem Kochrezept: Man nehme, man mische, man füge hinzu...

Algorithmen besitzen dabei so etwas wie (nicht abschiessende) Eigenschaften, die helfen sollen, so dass diese Programme auch reibungslos funktionieren:

  1. Eindeutig/zielorientiert: Ein Algorithmus muss ein eindeutiges Ziel und damit eine Beschreibung haben.
  2. Ausführbar/logisch: Jeder Einzelschritt muss einzeln ausführbar und logisch nachvollziehbar sein.
  3. Endlich/stringent: Ein Algorithmus hat ein Anfang und ein Ende.
  4. Final/ergebnisorientiert: Nach x-y-z vielen Schritten muss der Algorithmus enden und ein Ergebnis wird geliefert.
  5. Gleichheit/beständig: Der Algorithmus liefert bei gleichem Input denselben Output.

Woher stammt das Wort Algorithmus?

Das Wort Algorithmus ist eine lateinische Abwandlung des Namens des persischen Astronomen und Rechenmeisters Muhammad al-Chwarizmi („Algorismi“). Dieser Gelehrte hatte im 9. Jahrhundert n. Chr. gelebt. Seine Schrift „Über die indischen Ziffern“, das vier Jahrhunderte später ins Lateinische übersetzt wurde, gilt als die wichtigste Quelle des indisch-arabischen Zahlensystems und des schriftlichen Rechnens. Er war auch der erste, der logische Abfolgen präsentierte, um wiederkehrende Muster zu systematisieren und zu verarbeiten. Sein Name war also der Namensgeber - auch wenn ihn heute kaum jemand mehr kennt.

Dann gab es Ada Lovelace: Sie erstellte 1843 erstmals einen für einen Computer gedachten Algorithmus. Sie war britische Mathematikerin und Gesellschaftsdame, die Tochter des Dichters Lord Byron. Lovelace arbeitete mit Charles Babbage an der so genannten Analytical Engine, basierend auf der Arbeit von al-Chwarizmi. Diese Analytical Engine wurde zwar niemals fertiggestellt, aber Lovelaces Erkenntnis, dass die Maschine mehr als nur Zahlen verarbeiten könnte, war bahnbrechend. Dies wurde jedoch zu Lebzeiten nicht anerkannt.

Was haben Algorithmen mit Social Media zu tun?

Es herrscht die verbreitete Meinung, dass Algorithmen entscheiden, was wir auf Social-Media-Plattformen sehen und was nicht. Diese Plattformen beziehen unter anderem Likes und Kommentare und nutzen diese als Bewertung, welche Inhalte Userinnen und Usern angezeigt werden. Das ist soweit richtig, aber auch nicht ganz   denn die Sache ist komplexer. Es gibt nämlich nicht nur einen Algorithmus.

Was also stimmt: Nicht Menschen entscheiden, welche Inhalte, die Ihnen auf Social-Media-Plattformen angezeigt werden, sondern Programme bzw. Algorithmen. Diese analysieren anhand gesammelter Daten, was Sie auf LinkedIn, TikTok, Facebook, Instagram etc. sehen sollen und was nicht.

Die sozialen Netzwerke geben immer wieder Mini-Häppchen an Informationen preis, welche Faktoren mehr oder weniger Einfluss auf diese Algorithmen haben. Beispielsweise teilen TikTok und Facebook mit, dass Interaktion eine Rolle spielt.

Wenn man einem Post einen Like gibt oder einen Beitrag kommentiert, hat das Auswirkungen darauf, welche Art von Inhalten künftig in Ihrem Feed auftauchen. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Denn es ist es wichtig zu wissen, dass Algorithmen nicht von einfachen Programmierer/innen entwickelt werden. Hinter den Programmierer/innen stecken Konzerne mit einem Geschäftsmodell. Dieses Geschäftsmodell heisst: Aufmerksamkeit gegen Zeit. Oder einfach: Sie sehen, wo Ihre Aufmerksamkeit hingeht und dazu gehört auch Werbung.

Haben Sie schon einmal bemerkt, dass Sie lange keine Beiträge mehr von einer Freundin oder einer Firma gesehen haben? Das ist mit Absicht so. Die Algorithmen testen nämlich bewusst den Entzug und auch das Pushen von Inhalten, damit Sie neugierig und getriggert bleiben. Dopamin spielt hier eine grössere Rolle als jedes Bildformat. Denn Algorithmen versuchen nichts anderes, als unser Verhalten zu analysieren, zu imitieren und zu reproduzieren, damit wir uns wohlfühlen und noch mehr Zeit auf Social-Media-Plattformen verbringen. Man erkennt schnell, dass hier mit einigen biologischen Komponenten gearbeitet wird. Denn der Mensch ist vor allem Eines: ein Gewohnheitstier. Das heisst, sobald der Algorithmus eine Gewohnheit ermittelt hat, kann er anfangen, uns entsprechende Inhalte, Themen oder Informationen zuzuspielen, die uns äusserst attraktiv scheinen.

Wohin entwickeln sich Algorithmen?

Die künstliche Intelligenz ist nicht mehr aufzuhalten, davon sind wir langsam aber sicher überzeugt. Die so genannte Singularität, also der Zeitpunkt in der Zukunft, an dem künstliche Intelligenz die menschliche Intelligenz übertrifft, wird kommen. Wann das sein wird und was das bedeutet? Nun, dazu es gibt mehrere Szenarien, aber ich will mit einer positiven Note enden.

Eines ist klar: Algorithmen sind Programme, die helfen sollten. Sie werden mit maschinellem Lernen auch immer präziser, besser und kreativer. Grundsätzlich stehen bei allen Maschinen und Programmen – so auch beim Supercomputer Mensch – Input und Output in einem "Wenn-dann-Verhältnis". Also, wenn Fall A eintritt, machst du B. Sie leisten genau das, was vorher vom Menschen festgelegt wurde. Wird für das Trainieren der Maschinen künstliche Intelligenz hinzugezogen, beginnen die Maschinen jedoch von selbst zu lernen.

Und so wundert es wohl nicht, dass dank Algorithmen KI-Systeme wie Dall-E entstehen, die Wörter und Sätze in Bilder umwandeln können – ein beeindruckender Fortschritt, der in Zukunft noch weiter intensiviert werden wird, auch wenn es um Social Media und andere Verhaltensalgorithmen geht.

Autor/in
Roger Basler

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