Frau in der Rolle als Angestellte und Unternehmerin
Nach der Arbeit ist vor der Arbeit: Nebenberuflich unternehmerisch tätig zu sein, kann eine Doppelbelastung bedeuten. (Symbolbild)

Erst eine Anstellung, dann Unternehmertum? Oder beides gleichzeitig? Immer mehr Gründungen werden Teilzeit neben einem anderen Hauptberuf gestartet. Nebenberufliches Entrepreneurship, auch «Sidepreneurship» genannt, kann dabei sowohl Vorteile als auch Nachteile für die Arbeitgeber und Angestellten mit sich bringen.

Side Hustle ...

In den letzten 20 Jahre ist der Anteil an Selbstständigerwerbenden in der Schweiz gesunken (BfS, 2021). Gleichzeitig nimmt die Anzahl an Unternehmensgründungen aber zu (Statista, 2021). Die Gründe dafür sind vielfältig. Viele träumen wohl davon, ihr eigener Boss zu sein, gleichzeitig ist selbständige Erwerbstätigkeit gegenüber einer Festanstellung mit einem hohen Risiko verbunden. Eine Teilselbstständigkeit als «Sidepreneur» scheint da das beste aus beiden Welten zu bieten: Selbstverwirklichung und Sicherheit.

Wie funktioniert das? Als Sidepreneur baut man sein eigenes Business neben dem Hauptjob auf und übt die selbständige Erwerbstätigkeit Teilzeit aus. Die Vorteile davon liegen auf der Hand: Eine Teilzeitgründung ist mit einem geringen unternehmerischen Risiko verbunden. Dies bietet die Freiheit selbstbestimmt zu arbeiten, zu experimentieren und Erfahrungen zu sammeln, wie es sich anfühlt, seine eigene Chefin zu sein. Dabei können Eigenschaften geübt und perfektioniert werden, die auch in der Haupttätigkeit eingebracht werden können, beispielsweise unternehmerisches Denken. Hinzu kommt, dass es sich bei vielen Nebenerwerbsgründungen um Herzensprojekte handelt – ein leidenschaftlich betriebenes Hobby etwa, das man zum Beruf machen möchte. Diese heben sich vom Hauptberuf ab und können so einen Ausgleich zwischen den beiden Tätigkeiten schaffen. Im besten Fall ist man mit dem gegründeten Unternehmen erfolgreich und kann die Hauptanstellung nach und nach reduzieren. Und wenn das eine oder das andere dann doch nicht klappt? Dann steht man nicht arbeitslos auf der Strasse. Klingt das zu schön, um wahr zu sein?

... oder Workaholic?

Tatsächlich kann die doppelte Sicherheit aus Anstellung und Selbstständigkeit auch Nachteile nach sich ziehen. Nicht alle Berufe eignen sich für Sidepreneurship, und auch nicht alle Arbeitgeber akzeptieren dies. Der Hauptberuf kann den Nebenberuf beispielsweise zeitlich so einschränken, dass nicht genügend Zeit investiert werden kann, um das gegründete Unternehmen erfolgreich voranzutreiben. Und für Mitarbeitende, die nebenbei unternehmerisch tätig sind, können zwei Tätigkeiten eine Doppelbelastung bedeuten. Die Selbstständigkeit wird in der Freizeit ausgeführt, wodurch nicht mehr viel Zeit für anderes bleibt und soziale Kontakte darunter leiden können. Kein Wunder, dass in der HR-Abteilung womöglich die Alarmglocken läuten.

Tipps für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Sie sind sich nicht sicher, ob Sidepreneurship etwas für Sie ist? Wenn Sie es wagen möchten, seien Sie nicht nur aufs Geld aus, sondern wählen Sie etwas, das Sie lieben. Dann werden Sie es weniger als «Arbeit nach der Arbeit» empfinden. Denken Sie aber daran, dass Erfolg nicht von heute auf morgen kommt. Die Tätigkeit, die Ihnen vorschwebt, kann auch Aufgaben beinhalten, die Sie als weniger interessant empfinden, die jedoch trotzdem vollen Einsatz erfordern. Eigenschaften wie Ausdauer und eine hohe Frustrationstoleranz sind daher umso wichtiger. Daneben brauchen Sie noch ein gewisses Mass an Selbstmotivation und ein gutes Zeitmanagement. Wenn Sie sich all dieser Punkte bewusst sind und gleichzeitig Ihre Kräfte im Auge behalten, kann ein solcher Karriereentscheid durchaus eine Chance bieten.

Für Arbeitgeber konkurriert nebenberufliches Unternehmertum von Angestellten nicht zwangsläufig mit der Haupttätigkeit. Wichtig sind klare Abmachungen und eine strikte Trennung der beiden Tätigkeiten. Ausserdem müssen arbeitsrechtliche Aspekte berücksichtigt werden, wie beispielsweise gesetzlich festgelegte maximale Arbeitszeit, Regelungen zu Ruhepausen, Ferien und betreffend AHV-Beiträge. Dann können Sidepreneure eine Bereicherung für Arbeitgeber sein: Sie bringen wertvolle Erkenntnisse, Erfahrungen und andere Sichtweisen aus ihrem zweiten Standbein mit.

Quellen und weiterführende Informationen:

Bundesamt für Statistik (BfS). (2021). SAKE in Kürze 2020, Schweizerische Arbeitskräfteerhebung. Verfügbar unter https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/arbeit-erwerb/erhebungen/sake.assetdetail.18144204.html

Pioch, S., Lutsch, P., Benad, J. (2020). Sidepreneurship: Nebenberufliches Unternehmertum – eine Einführung. Wiesbaden: Springer Gabler.

Statista. (2021). Anzahl der Unternehmensgründungen in der Schweiz von 2010 bis 2020. Verfügbar unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/309104/umfrage/unternehmensgruendungen-in-der-schweiz/

Autor/in
Mandana Bahrami

MSc Mandana Bahrami

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