Die Careum Hochschule Gesundheit setzte schon vor Corona auf digitale Tools wie Zoom im Unterricht. Zum Glück. So gelang im ersten Lockdown im März 2020 der Übergang in die Fernlehre schnell und relativ reibungslos. Nichtsdestotrotz bedeutete es einen grossen Effort für alle Beteiligten und führte zu einem Digitalisierungsschub. Eine Untersuchung der Careum Hochschule Gesundheit zieht erste Erkenntnisse, diskutiert Vor- und Nachteile von Online-Lehre und zeigt neue Wege und Unterstützungsmöglichkeiten auf.

Der Ausbruch der Covid-19-Pandemie stellte das Bildungssystem auf den Kopf. Lehrangebote wurden in kürzester Zeit auf digitale Formate umgestellt. Lehrende und Studierende mussten die notwendigen Skills erwerben, um sich in Videokonferenzen einloggen oder Breakout-Räume erstellen und betreten zu können. Wer bis anhin eine Scheu vor digitalen Tools hatte, musste diese schnell ablegen, um mit der Entwicklung mithalten zu können.

Lehre online neu erfinden?


Mit der Fernlehre tauchten neue Fragen auf, die Lehrende bis heute beschäftigen. Was kann von den bisherigen Lehrformaten beibehalten, was muss neu konzipiert werden? Wie ist die Online-Lehre zu rhythmisieren, um die Konzentration aufrechtzuerhalten? Was ist zu beachten, wenn es um die Vereinbarkeit von Studium, Beruf und Familie geht? Wie kann Lehre umgesetzt werden, wenn Studierende erhöhten beruflichen Belastungen ausgesetzt sind im Gesundheitswesen durch die Covid-19-Pandemie? In welchem Rahmen lassen sich flexible, zeit- und ortsunabhängige Angebote umsetzen, um das Studium lückenlos weiterzuführen? Wie kann man sich, trotz physischer Distanz, zufriedenstellend miteinander austauschen und die Einsamkeit vor dem Gerät vermeiden?

Eine aktuelle Publikation der Careum Hochschule Gesundheit von Christian Conrad, Marianne Frech und Andrea Käppeli in der EP («Education Permanente», Schweizer Fachzeitschrift für Erwachsenen- und Weiterbildung) diskutiert die Vor- und Nachteile der Online-Lehre. Sie zeigt Lösungsansätze und Möglichkeiten auf, wie die Online-Lehre interessant(er) gestaltet oder optimiert werden kann. Im Zentrum stehen Unterstützungsangebote für Studierende wie auch für Lehrbeauftragte. Die Untersuchung stützt sich auf Befragungen an der Careum Hochschule Gesundheit, an der Fachhochschule St. Gallen und auf eine deutsche Studie.

Beispiel: Careum Hochschule Gesundheit

Eine Umfrage im Februar/März 2021 an der Careum Hochschule Gesundheit wollte erheben, wie Studierende digitale Lehrangebote akzeptieren. Befragt wurden dazu sowohl Studierende in der Weiterbildung (CAS, DAS, MAS) als auch in der Ausbildung (Bachelor- und Masterstufe).

Als Vorteile nennen die Studierenden die Zeitersparnis, da Wegzeiten wegfallen und Einsparungen bei Reisekosten. Auch die verbesserte Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit werden in allen Studiengruppen klar positiv bewertet. Ein weiterer Pluspunkt sind die erleichterte Familienbetreuung und die noch bessere Vereinbarkeit mit der Schichtarbeit.
Da die Einteilung für die Gruppenarbeiten in den virtuelle Räume zufällig erfolgt, tauschen sich so auch Studierenden aus, die sonst wenig Kontakt miteinander haben. Das Onlinestudium zieht auch nicht zwangsläufig einen Bewegungsmangel nach sich. Gewisse Studierende berichteten, dass sie sich dank der Headsets sogar mehr bewegten, als es ihnen in der Präsenzveranstaltung möglich gewesen wäre.

Als Nachteil empfinden die Befragten die fehlenden sozialen Kontakte. Es fehlt der Austausch, man sitzt mehrheitlich isoliert zu Hause und verbringt lange Tage vor dem Computer. Der Studieneinstieg gestaltet sich so schwieriger, da eine Vernetzung im digitalen Setting grössere Hürden mit sich bringt als im analogen Studium. Durch die Online-Teilnahme wird den Studierenden weniger stark bewusst, dass sie sich in einem Studium befinden. Probleme bereitet auch der Zugang zu Literatur und Bibliotheken. Die niederschwellige, fachliche Auseinandersetzung mit dem Lernstoff, die bei Präsenzunterricht beispielsweise in Pausengesprächen stattfindet, fehlt grösstenteils. Der Austausch für Prüfungsvorbereitungen bedarf vermehrter Absprachen und Verabredung, ebenfalls auf digitalem Weg. Die Mehrheit der Studierenden konnte ihre Kompetenzen im Umgang mit digitalen Tools deutlich verbessern. Manchen Studierenden half die Umstellung auf die digitale Lehre, ihr Studium besser zu strukturieren. Neue digitale Formate werden als sehr gewinnbringend eingeschätzt.

Welche Erkenntnisse lassen sich gewinnen?

Das Autorenteam zeigt in der Studie verschiedene Wege auf, wie die digitale Lehre besser gelingt, zum Beispiel in einer Kombination aus analogen und digitalen Lehrangeboten. Die Schlussfolgerung ist: In der Pandemie ergaben sich im Hochschulbereich trotz aller Schwierigkeiten auch neue Chancen und neue Ansätze wurden hervorgebracht. Diese sollten unbedingt beibehalten und kreativ zur Weiterentwicklung der Lehrformate genutzt werden.

 

Mehr erfahren

Lesen Sie die vollständige Publikation open access mit allen Erkenntnissen und weiterführenden Tipps.

 

Conrad, C., Frech, M., Käppeli, A. (2021, May 7). Digitales Lehren und Lernen im berufsbegleitenden Studium der Aus- und Weiterbildung. Erkenntnisse aus der Perspektive einer Gesundheitsfachhochschule. https://www.ep-web.ch/de/artikel/digitales-lehren-und-lernen-im-berufsbegleitenden-studium-der-aus-und-weiterbildung-erkenntnisse-aus-der-perspektive-einer-gesundheitsfachhochschule.

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