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Das kleine Land Bhutan setzt auf Bruttonationalglück. (Symbolbild)
Das Bruttoinlandprodukt ist wichtig! Das Bruttoinlandprodukt ist der einzig wahre Messwert der wirtschaftlichen Entwicklung! Bei einem hohen Bruttoinlandprodukt geht es uns gut! Oder doch nicht? Bhutan, ein kleines asiatisches Land mit knapp 800,000 Einwohnern, beschreitet neue Wege, wie der Erfolg eines Landes gemessen wird. Der provokative Vorschlag: Anstatt auf wirtschaftliche Leistung wird auf Glück gesetzt.
 

Entwicklung und Erfolg eines Landes messen: BIP als Königsweg?

In fast allen Ländern, so auch der Schweiz, gilt das Bruttoinlandprodukt (BIP) als DIE Messgrösse schlechthin um die Entwicklung und den Erfolg eines Landes zu messen. Durch das BIP werden Länder objektiv vergleichbar. Mehr oder weniger. In der Wikipedia wird für jedes Land nebst Amtssprache, Hauptstadt und Einwohnerzahl standardmässig das BIP aufgeführt. Während im ökonomischen Mainstream das BIP (noch?) in Stein gemeisselt scheint, gibt es einzelne Länder, die andere Wege beschreiten und sich vom BIP abwenden. Warum?

Grenzen des BIP

Auch wenn das BIP sich nach wie vor grosser Beliebtheit erfreut – eine ausschliessliche Abstützung auf diese Kennzahl ist nicht unproblematisch. Oft wird das BIP vermeintlich mit Zufriedenheit, Wohlstand, ja sogar Glück eines Landes gleichgesetzt. Dies ist aber zu weit gegriffen. Das BIP misst, was es misst. Und das ist der Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die ein Land innerhalb eines Jahres produziert.

Das BIP misst zudem vieles nicht, was für die Entwicklung und den «Erfolg» eines Landes wichtig ist. So werden weder Freiwilligenarbeit noch Umweltschäden berücksichtigt. Zudem misst das BIP auch negative Geschehnisse: Unfälle, Krankenhausaufenthalte, teure Operationen steigern das BIP.

Fokus auf Glück, genau genommen Bruttonationalglück

Bhutan hat einen anderen Weg eingeschlagen, um den Erfolg seiner Volkswirtschaft zu messen. Es setzt auf Glück als Indikator. Anstelle des BIP wird das Konzept «Gross National Happiness – GNH» benutzt, zu Deutsch «Bruttonationalglück». Dahinter steckt das Ansinnen, eine Messgrösse zu finden, die holistisch und relevant für die Gesellschaft ist.

Laut dem 2016 veröffentlichten Bericht mit dem vielsagenden Titel «A compass towards a just and harmonious society” (Centre for Bhutan Studies & GNH Research, 2016) soll der GNH eine gerechte, gleichberechtigte und harmonische Gesellschaft fördern. Das Bruttonationalglück ist dabei mit neun Domänen und 33 Indikatoren eine breit aufgestellte Kennzahl. Berücksichtigt werdend die folgenden Domänen:

  1. Psychisches Wohlbefinden: Lebenszufriedenheit, positive und negative Emotionen, Spiritualität

  2. Gesundheit: physische und psychische Gesundheit

  3. Zeitnutzung: Zeit verbracht bei der Arbeit, Freizeit, Schlaf

  4. Bildung: formelle und informelle Bildung, Werte und Fähigkeiten

  5. Kulturelle Diversität und Resilienz: Festivals, Normen und Künste

  6. Gute Regierung: Wirksamkeit, Ehrlichkeit und Qualität der Regierung, Partizipation

  7. Lebendigkeit der Gemeinschaft: Beziehungen und Interaktionen innerhalb der Gemeinschaft, Freiwilligenarbeit

  8. Ökologische Diversität und Resilienz: Umweltschäden und umweltfreundliches Verhalten

  9. Lebensstandard: Einkommen, finanzielle Sicherheit, Besitz

Neue Denkanstösse

Soweit so gut, bloss: Ob und wann sich das Konzept des Bruttonationalglücks auch in anderen Ländern durchsetzen wird, ist fraglich. Die Messgrösse ist wissenschaftlich noch zu wenig fundiert , die Befragungen der EinwohnerInnen ist aufwändig, und positive Effekte könnten im Sinne des Hawthorne-Effekts auch schon alleine dadurch eintreten, dass man BewohnerInnen ausführlich befragt.

Nichtsdestotrotz: Die Radikalität des Vorhabens, das Glück der Bevölkerung als oberstes Ziel einer Volkswirtschaft zu stellen, fasziniert, polarisiert und regt zum Nachdenken an. Einige Erfolge des Landes sind spektakulär. So ist Bhutan das einzige Land weltweit, das nicht nur klimaneutral, sondern CO2-negativ ist. Hier der TED-Talk des Premierministers von Bhutan, Tshering Tobgay:

 

Weiterführende Informationen und Quellen:

Centre for Bhutan Studies & GNH Research, 2016. A Compass towards a Just and Harmonious Society. 2015 GNH survey report. Thimpu. ISBN 978-99936-14-86-9

TED-Talk des Premierministers von Bhutan, Tshering Tobgay

Autor/in
Regula von Büren

Regula von Büren

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