Behavioral Economics Guide 2018
Die Verhaltensökonomie im goldenen Zeitalter. Warum eigentlich? Was macht sie, was kann sie?

Laut Robert Cialdini (2018) befinden wir uns im goldenen Zeitalter der Verhaltenswissenschaften. Noch nie wurde das vorhandene Wissen aus diesem Bereich auf so breiter und systematischer Basis in der Öffentlichkeit genutzt; sei es von Unternehmen, NGOs oder Regierungen. Konkret festmachen lässt sich diese Entwicklung beispielsweise an der Existenz von insgesamt 196 global agierenden Behavioral Insights bzw. «Nudge Units», welche Staatenlenker beim effizienten Regieren beraten (OECD, 2017). 

Woher stammt diese steigende Popularität und das grosse Interesse an verhaltenswissenschaftlicher Forschung? Nach Cialdini liegt die Antwort insbesondere darin begründet, dass es vor allem unter dem Schlagwort Behavioral Economics möglich wurde, wissenschaftliche Erkenntnisse einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Die Forschenden haben bewusst den akademischen Elfenbeinturm verlassen und durch allgemeinverständliche Publikationen, Blogbeiträge oder Ted Talks ihr Wissen in die Welt getragen.

Den oft geäusserten Vorwurf, Verhaltensökonomen würden sich einfach Erkenntnisse aus der Sozialpsychologie zu eigen gemacht haben und diese unter dem Behavioral Economics Label lediglich neu vermarkten, teilt Cialdini – selbst gelernter Sozialpsychologe – nicht. Die Popularisierung von Behavioral Economics und verhaltenswissenschaftlicher Forschung konnte unter anderem durch Nobelpreise an prominente Forscher wie den Ökonomen Richard Thaler oder den Psychologen Daniel Kahneman gestärkt werden. Und gerade diese beiden Forscher zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihr Werk eloquent nach aussen präsentieren.

Eine hohe Nachfrage ist typischerweise auch ein guter Indikator für eine rege Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Eine gelungene Zusammenstellung aktueller Entwicklungen und Themen rund um Behavioral Economics finden Sie in der neuen Ausgabe des Behavioral Economics Guide 2018 (Hrsg. von A. Samson). Das Spannende hierbei ist die erfrischende Mischung von Beiträgen aus der Praxis, etwa des Finanzdienstleisters ING, und Einblicken aus Forschungsgruppen, etwa von der London School of Economics oder der University of Pennsylvania. Der Forderung von Robert Cialdini, dass man den Nutzen der eigenen Forschung auch möglichen Adressaten in der Öffentlichkeit aufzeigen muss, wird dieses Buch daher vollumfänglich gerecht.

Fazit: Wer mehr zu aktuellen Themen aus dem Bereich Behavioral Economics wissen möchte – etwa zu Evidence based Decision Making, Social Image oder Commitment Contracts, dem bietet der Behavioral Economics Guide 2018 einen fundierten Überblick.



Weiterführende Informationen und Quellen:

OECD (2017), "Use of Behavioural Insights in Consumer Policy", OECD Science, Technology and Industry Policy Papers, No. 36, OECD Publishing, Paris, https://doi.org/10.1787/c2203c35-en.

Samson, A. (Hrsg.) (2018). The Behavioral Economics Guide 2018 (with an introduction by Robert Cialdini). Kostenlos verfügbar unter: http://www.behavioraleconomics.com.


Autor
Dr. Jörn-Basel

Prof. Dr. Jörn Basel

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