Grafik einer Studie zur Zufriedenheit mit der Wohnsituation
Ergebnisse einer Umfrage zur Zufriedenheit bei Miete und Wohneigentum im Rahmen der Bachelorarbeit von P. Wild. (Bild: Kalaidos FH)

Die Sharing-Welle mit bekannten Vertretern wie Airbnb und Uber hat längst auch die Schweiz erreicht. Vom Auto über die Bohrmaschine bis hin zur Wohnung kann auf diversen Plattformen alles, was nicht dauerhaft genutzt wird, temporär gemietet werden. Dabei ist kollaborativer Konsum als ökonomisches Modell bei materiellen und immateriellen Gütern wie z. B. Know-how schon lange bekannt. Auch Mobility, der bekannteste Schweizer Anbieter für Carsharing, bestand bereits in den 90-er Jahren. Dank Internet und Smartphones funktioniert Teilen jetzt grossflächig und mit bis anhin unbekannten Personen. Ökologische Vorteile liegen auf der Hand: Ressourcen werden besser genutzt, die Umwelt geschont, ausserdem Platz und Geld eingespart. Die untenstehende Abbildung, entnommen aus einer Deloitte Studie, zeigt die Hauptbereiche der Sharing Economy in der Schweiz.

Abbildung der Hauptbereiche der Sharing Economy in der Schweiz

Abb. 1: Hauptbereiche der Sharing Economy in der Schweiz (Quelle: Zobrist & Grampp, 2015)

Pascal Wild hat sich im Rahmen seiner Bachelorarbeit mit dem Thema Sharing Economy beschäftigt. Der gelernte Automechaniker ist nach verschiedenen Funktionswechseln derzeit als Projektleiter und Koordinator des After Sales in der Automobilbranche tätig. In seiner Bachelorarbeit ist er der Frage nachgegangen, was uns zufriedener macht: Besitzen oder mieten?

Aufnahme des Interviewpartners Pascal Wild

Wie sind Sie auf das Thema Ihrer Arbeit gekommen?

Kundenzufriedenheit und wie sie sich auf den Betrieb auswirkt, ist ein berufliches Thema von mir. Das Thema Sharing wird beim Endverbraucher gerade heiss diskutiert. Unternehmen fragen sich, ob und wie stark sie sich involvieren müssen. Dabei fand ich einen Branchenvergleich spannend und habe neben der Automobilbranche noch die Immobilien- und ICT-Branche aufgenommen.

Wie sind Sie vorgegangen?

Als Einstieg habe ich Fakten zu den drei berücksichtigten Branchen zusammengetragen. Um etwa Fragen zum Bestand an Mobility-Fahrzeugen, zur Ausrüstung mit IT Devices (vgl. Abb. 2) und zur Eigenheimquote zu klären, waren Mobility für die Fahrzeugbranche, Moneypark für Immobilien und das Bundesamt für Statistik für alle drei Branchen sehr hilfreich.  

Abbildung eines Ländervergleichs der ICT-Branche

Abb. 2: Länderrangliste der Studie Global Connectivity Index 2015 (Quelle: Huawei)

Meine Hypothese war, dass sich Besitz positiv auf die Zufriedenheit auswirkt. Die Umfrage dazu wurde über soziale Netzwerke (Facebook, Twitter, Xing und LinkedIn) und das Firmenintranet verteilt und verbreitet.

Was kam bei Ihrer Umfrage heraus?

Wie schon zu erwarten war, ist der Anteil der Besitzenden über die drei Branchen unterschiedlich verteilt. Während nur etwa 20% der Befragten ein Eigenheim besitzen, liegt der Anteil der Fahrzeugbesitzer bei gut 70%, jener der Besitzer eigener IT Devices bei 97%. Für alle drei untersuchten Branchen gilt aber: Besitz macht in der Tat zufriedener. Interessant ist dabei, dass Nichtbesitzende die Frage nach der Zufriedenheit mehrheitlich mit „Teils, teils“ beantworten, also über eine Situation, die sie nicht kennen, auch nicht entschieden urteilen.

Bei Eigenheimbesitzern ist die Zufriedenheit (vgl. Abb. 3) grösser als bei Mietern. Dies zeigte sich über alle Altersstufen hinweg und auch unabhängig davon, ob die Befragten Kinder haben oder nicht.

Grafik zur Zufriedenheit mit der Wohnsituation

Abb.3: Zufriedenheit bei Miete und Wohneigentum (Quelle: Bachelorarbeit P. Wild)

Auch Fahrzeugbesitzer sind zufriedener als Personen ohne eigenes Fahrzeug. Der Grund für dieses Empfinden ist gemäss der Umfrageergebnisse, dass Fahrzeugbesitzer flexibler, spontaner und unabhängiger sind, und dass unkompliziert Dinge transportiert werden können. Hinsichtlich der Nutzung von Software zählen nur 23% zu den abonnierenden Nutzern, jedoch können sich 43% der Teilnehmenden vorstellen, Software auch zu abonnieren.

Im Rahmen der Studie wurde auch „out-of-the-box“ gefragt, ob es weitergehende Möglichkeiten und Rechte geben sollte. So wurde zum Beispiel das Recht in einer Ladenkette (z. B. Migros, Coop, Lidl, Aldi etc.) einkaufen zu gehen und nur am Monatsende einen Pauschalbetrag zu zahlen, klar abgelehnt. Für das Internet nur dann zu bezahlen, wenn es genutzt wird, wurde mit 129 Ja- zu 52 Nein-Stimmen klar angenommen. Ideen, die seitens der Befragten eingebracht wurden, betrafen hauptsächlich das Ausleihen von Luxusgütern wie teurer Kleidung und exklusiver Wohnungseinrichtung.

Diese Studie bestätigt, dass der Mensch nicht immer rein nach dem Nutzen entscheidet, wie es das Modell vom Homo Oeconomicus annimmt. Derzeit wird das Thema Sharing zwar viel diskutiert, aber die Bereitschaft zu teilen ist noch nicht stark ausgeprägt. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung und auch der Befragten nimmt an der Sharing Economy teil. Aus den Ergebnissen meiner Befragung lässt sich ableiten: Das Ermöglichen von geteilter Nutzung von Handelsgütern sollte als Geschäftsfeld nicht ausser Acht gelassen werden. Aber als alleiniger strategischer Fokus bietet es sich im Moment noch für die Wenigsten an.

Ist Sharing für Sie schon ein Thema? Lassen Sie es uns doch unten mit einem Kommentar wissen.

Weiterführende Informationen und Quellen:

Zobrist, L., & Grampp, M. (2015). Sharing Economy: Teilen und verdienen. Deloitte. Zürich: Deloitte.

HUAWEI. Global Connectivity Index 2015, Benchmarking Digital Economy Transformation.

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