Aufnahme einer Tafel die eine Power-Pose zeigt
Nehmen wir fünf Minuten vor einem Interview eine offene, machtbewusste Körperhaltung ein, wirkt das im Bewerbungsgespräch überzeugender und sympathischer. (Symbolbild)

Kann ich, wenn’s drauf ankommt, durch Einnehmen einer machtbewussten Körperhaltung mehr Selbstbewusstsein erlangen und dieses auch ausstrahlen? Die amerikanische Sozialpsychologin Amy Cuddy von der Harvard Business School untersucht, wie Menschen sich selbst und gegenseitig beeinflussen. Danach beindrucken „Power-Posen“ nicht nur andere, sondern bewirken auch, dass man sich stärker fühlt – was sich sogar in veränderten Werten der Hormone Cortisol und Testosteron widerspiegeln soll. Die Medien haben dieses Thema dankbar aufgegriffen. Gleichzeitig ist darüber unter Forschern eine heftige Kontroverse entbrannt: Es wird bezweifelt, dass die Haltung wirklich den Hormonspiegel verändert. (Dazu findet sich zum Beispiel hier eine sehr aufschlussreiche Analyse.)

Immerhin: Der positive Effekt von Power-Posen auf einen selber wurde von Zürcher Forschern bestätigt (Ranehill et al., 2015). Aber wie wirkt die Haltung auf andere, zum Beispiel in einem Job-Interview? Dieser Frage gingen Cuddy, Wilmuth, Cap und Carney (2015) in einer neuen Studie nach. Das Ergebnis: Nehmen wir fünf Minuten vor einem Interview eine offene, machtbewusste Körperhaltung ein (d. h. aufrechter Stand, Füsse schulterbreit auseinander, Hände in den Hüften), wirkt das im Bewerbungsgespräch überzeugender und sympathischer.

Eine Sache der Haltung?

61 studentische Studienteilnehmer wurden instruiert, fünf Minuten lang entweder eine offene und machtbewusste oder eine „geschlossene“ Körperhaltung einnehmen:
High-power pose condition: Füsse etwa 30 cm auseinandergestellt, Hände in die Hüften gestemmt mit Ellenbogen nach aussen, Körper gerade. Diese Haltung strahlt nach aussen Macht aus und führt laut Cuddy innerlich zu mehr Selbstbewusstsein, Zielorientierung und weniger Stressempfinden.
Low-power pose condition: Füsse voreinander gekreuzt und dicht nebeneinander, die Arme vor dem Oberkörper gekreuzt mit den Händen in die Hüften gelegt. Mit dieser Haltung wird Unterordnung signalisiert, sie löst mutmasslich mehr Angst, Grübeln und Stress aus.

Während der fünf Minuten bzw. in der jeweiligen Pose sollten sie sich überlegen, worüber sie im anschliessenden Bewerbungsinterview von sich erzählen. Die Anweisung lautete: „Imagine that you are about to interview for your dream job. We’d like you to stay in this position and think about what you will say.( ... ) Talk about your experiences, strengths, and why you should be chosen for this job.“

Nur vor dem Jobinterview wurden die Studierenden angehalten, die jeweilige offene oder geschlossene Körperhaltung einzunehmen. Während der fünfminütigen Selbstdarstellung durften sie in beliebiger Haltung stehen. Die dabei aufgezeichneten Videos wurden danach ausgewertet, inwieweit die Kandidaten insgesamt erfolgreich waren. Es wurde eingeschätzt, ob die Inhalte deutlich rüberkamen (verbaler Ausdruck überzeugend), ob sie selbstbewusst und mit Begeisterungskraft vorgetragen wurden (nonverbaler Ausdruck überzeugend) und ob man für die Person eine Empfehlung zur Einstellung aussprechen konnte.

Power Posing überzeugt

Tatsächlich: Die high-power pose condition führte zu erfolgreicheren Interviews. Studierende, die für kurze Zeit vor dem Interview die Hände in den Hüften stemmten und selbstbewusst dastanden, präsentierten sich danach überzeugender als die Probanden mit verschränkten Armen. Ihre Kurzpräsentationen wurden insgesamt besser eingeschätzt und erhielten häufiger eine Einstellungsempfehlung.

Die fünfminütige offene Körperhaltung während der Vorbereitung bewirkte, dass die Studenten beim Interview nonverbal überzeugender wirkten. Ihr Selbstbewusstsein und ihre Begeisterungskraft wurden entsprechend höher eingeschätzt. Studenten der low-power pose condition wirkten weniger selbstbewusst und schnitten im Interview entsprechend schlechter ab.
Ein kurzes vorgeschobenes „Power Posing“ kann demnach dazu führen, dass man im Gespräch sympathischer und überzeugender wirkt. Amy Cuddy und ihr Forschungsteam zeigen sich zuversichtlich, dass sich ein solches kurzes Macht-Posing als wirksam für eine Reihe von Verhaltensänderungen erweisen kann. Für fünf Minuten gerade zu stehen mit in die Hüften gestellten Händen könnte demnach nicht nur Kandidaten in Jobinterviews, sondern auch Sportlern bei Wettkämpfen und Personen vor Prüfungen oder Präsentationen helfen.

Dass Power Posing psychologisch auf einen selbst und auf andere wirkt, erscheint intuitiv plausibel. Trotzdem hat sich eine Co-Autorin der oben beschriebenen Studie von Effekten durch Power Posing distanziert, wie hier nachzulesen ist. Dessen ungeachtet kann natürlich jeder für sich selbst herausfinden, ob er oder sie vom Power Posing profitiert. Und sei es nur aufgrund eines Placebo-Effekts.

Wie sehen Sie das? Fühlen Sie sich besser, wenn Sie sich machtvoll hinstellen? Lassen Sie es uns mit einem Kommentar wissen.

Weiterführende Informationen und Quellen:
Cuddy, A. J. C.; Wilmuth, C. A.; Yap, A. J.; Carney, D. R. (2015) Preparatory power posing affects nonverbal presence and job interview performance. Journal of Applied Psychology, Vol 100(4), Jul 2015, 1286-1295.

Ranehill, E., Dreber, A., Johannesson, M., Leiberg, S., Sul, S., & Weber, R. A. (2015). Assessing the Robustness of Power Posing No Effect on Hormones and Risk Tolerance in a Large Sample of Men and Women. Psychological science, 0956797614553946.

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