Wie sollen Banken mit der Thematik Open API (Application Programming Interface) vor dem Hintergrund von PSD2 (Payment Services Directive 2) umgehen? Im Rahmen der 20. Jahrestagung von Euroforum Bank-IT 2018 in Rüschlikon legte André Renfer von der Hypothekarbank Lenzburg die Überlegungen und die Open Banking API Plattform „Finstar“ seiner Bank vor.

Werden standardisierte APIs einen Höhenflug bei Banken bewirken? (Quelle: BEI AG, CC Sourcing, 2018)

Werden standardisierte APIs einen Höhenflug bei Banken bewirken (Bild; Quelle: BEI AG, CC Sourcing, 2018)?

Open Banking

Bei der Geschäftsmodellentwicklung von Finanzdienstleistern hat der Wandel vom traditionellen „Closed“ Business Modell zum „Open“ Business Modell bereits begonnen.

Während Banken in der Vergangenheit die digitalen Kanäle stets nur für ihre eigenen Medien – wie Online und Mobile Banking – verwendet haben, spricht man beim Open Banking Modell über Austausch von Daten über die eigenen Institutsgrenzen hinaus und versucht somit die Services zu aggregieren. Kunden können ihre Bankdienstleistungen neu über Lösungen von Drittanbietern beziehen. Der Vorteil dabei ist, dass man nicht zwingend seine Hausbank wechseln muss, da Drittanbieter künftig sogenannte APIs zu Banken unterhalten.

PSD2 – Payment Service Directive

In Europa wird ab 2019 durch die PSD2-Regulierung die Voraussetzung geschaffen, dass APIs durch Banken angeboten werden müssen, was eine Marktöffnung für Open Banking mit Drittanbietern ermöglicht. Zwar beschränken sich die Geschäftsfälle der PSD2 auf Zahlungskonten und Zahlungsdienstleister, jedoch steht es jeder Bank offen, weitere Geschäftsfälle (z.B. in der Anlageberatung) für FinTechs als API Standard anzubieten.

Bei EU-Banken stellt sich nun die Frage, ob Banken eine strategische Partnerschaft mit Drittanbietern für neue Geschäftsfälle eingehen wollen oder ob sie nur die „minimal“ Anforderungen von PSD2 implementieren. Da PSD2 für Schweizer Banken nicht zum Zuge kommt, ist es den Banken hierzulande offen, ob sie sich in das Open Business Modell bewegen möchten oder nicht.

Ansatz der Hypothekarbank Lenzburg

Ziel der Hypothekarbank Lenzburg ist es, Partnerschaften mit Drittanbietern einzugehen und ihr Kernbankensystem „Finstar“ für innovative Lösungen von FinTechs in Richtung eines Shared Modells auszubauen.

Damit ihr eigenes E-Banking und Mobile Banking von den sogenannten „Open APIs“ nicht beinträchtig wird, wurde „Finstar“ modularisiert und mit der Plattform des Münchner Startups „NDGIT“ für neue APIs der Drittanbieter entwickelt. Somit können innovative Produkte von FinTechs einfach angebunden werden. Erste solche Anbindungen waren bereits erfolgreich, wie z.B. die Innovation von „Sonect“, dem virtuellen Geldautomaten der Schweiz.

Die neueste Partnerschaft ist das Projekt „Neon“, eine unabhängige Online-Bank. Die Hypothekarbank stellt dabei ihr Kernbankensystem für die Kontoführung zur Verfügung und etabliert somit ein Ökosystem zwischen innovativen Angeboten und Nachfrage von digital interessierten Kunden.

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