Dollarnoten
Eine stabile Währung ist das Fundament einer stabilen Wirtschaft. (Symbolbild)

Die aus Teil 1 suggerierte Sinnlosigkeit, sich Inflation zu wünschen, um dadurch ein höheres Zinsniveau anzustreben, soll nicht das Zinsinstrument als valables geldpolitisches Mittel der Notenbanken diskreditieren. 

Die eigentliche Aufgabe der Notenbank

Besinnen wir uns kurz zurück auf die Aufgaben der Notenbanken. In Art. 99 Abs. 2 der Bundesverfassung ist die Aufgabe der Nationalbank verankert: «Die Schweizerische Nationalbank führt als unabhängige Zentralbank eine Geld- und Währungspolitik, die dem Gesamtinteresse des Landes dient; sie wird unter Mitwirkung und Aufsicht des Bundes verwaltet.» Es ist seit jeher anerkannt, dass eine stabile Währung und somit eine stabile Kaufkraft, das elementare Fundament für eine stabile und gut laufende Wirtschaft ist. Die Überlegung dahinter ist einfach und nachvollziehbar. Geld, sei es in Papierform oder als Kontoguthaben (Buchgeld), kommt kein intrinsischer Wert zu. Es ist auch nicht mit kollateralen Werten hinterlegt. Der Wert des Geldes basiert einzig auf dem Vertrauen in das System. Zumindest in der Vergangenheit war man sich dessen immer bewusst. Das oberste Ziel der Nationalbanken besteht darin, dieses Vertrauen in das Geld zu bewahren.

Finanzkrise von 2008

Wie schnell das Vertrauen in ein System verloren gehen kann, konnte die Welt nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 erfahren. Der Interbankenmarkt fiel über Nacht in sich zusammen. Das Vertrauen der Banken in die Solvenz der anderen Banken war verloren. Plötzlich wurde auf den Finanzmärkten für etliche Anlagekategorien keine Preise mehr gestellt. Dies bedeutet, dass der entsprechenden Anlagekategorie so gut wie kein Wert zukommt. Gemäss den international anerkannten Rechnungslegungsnormen IFRS und US-GAAP dürfen Wertpapiere höchstens zum aktuellen Marktwert bilanziert werden. Also zu null. Die Folge war die Vernichtung von tausenden von Milliarden an Vermögenswerten über Nacht. Der Konkurs von Lehman Brothers mit einer Bilanzsumme von rund 640 Milliarden Dollar mag zwar als einer der spektakulärsten Konkurse in die Geschichte eingehen. Dennoch handelt es sich nur um ein einzelnes Unternehmen. Wie gravierend sind die Konsequenzen, wenn das Vertrauen in einen ganzen Währungsraum kollabiert?

Was ist Zins?

Was ist eigentlich Zins? Zins ist nichts anderes als der Preis für Geld. In einer freien Marktwirtschaft wird der Preis für Geld wie der Preis für andere Güter und Dienstleistungen bestimmt, nämlich aufgrund von Angebot und Nachfrage. Floriert die Wirtschaft, dann steigt die Nachfrage nach Geld und somit dessen Preis in Form von höheren Zinsen. Geht es der Wirtschaft schlecht, sinkt die Nachfrage nach Geld, was tiefere Zinsen nach sich zieht. Schon die Klassiker unter den Ökonomen wie Adam Smith und David Ricardo erkannten, dass der Preis ein äusserst effizienter und automatischer Regulator in der Wirtschaft ist. Verknappt sich ein Gut, so steigt dessen Preis. Wird ein Gut im Überfluss produziert, fällt sein Preis. Diese Erkenntnis ist nicht neu, sondern es handelt sich um naturgegebene Abhängigkeiten. Sehen wir von philanthropischen Übertragungen und staatlichen Leistungen ab, so hat ein Gut, dessen Preis null ist, keinen Wert. In einer freien Volkswirtschaft hat ein Gut nur dann den Wert null, wenn niemand bereit ist, dafür etwas zu bezahlen. Stellen Sie sich nun weiter vor, dass Sie für den Erwerb eines Gutes oder einer Dienstleistung noch etwas ausbezahlt bekommen! Sie finden diese Vorstellung grotesk? Genau das passiert mit dem «Gut» Geld.

Die Notenbanken haben es so weit gebracht, dass Geld keinen oder sogar einen negativen Wert hat. Es bleibt zu hoffe, dass die Bevölkerung nicht die gleich Idee hat und dem Geld keinen Wert mehr zu misst.

Lesen Sie Teil 3 hier

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