Wer Regeln aufstellt, tut dies – hoffentlich – in guter Absicht. Aber bekanntlich ist der Weg in die Hölle mit guten Absichten gepflastert. In diese Kategorie gehört manchmal auch die Festlegung von Schwellenwerten, ab denen bestimmte Regeln gelten.

Schwellenwerte im Internen Kontrollsystem

Unternehmen, die in der Schweiz der ordentlichen Revision unterstehen, müssen über ein Internes Kontrollsystems (IKS) verfügen. In einem solchen IKS sind Kontrollen vorgesehen, um wesentliche Risiken in den Griff zu bekommen.

Dass eine Kontrolle wesentlich ist, lässt sich zum Beispiel von der Grösse einer Transaktion ableiten, wie die folgenden Fälle zeigen:

  • Ab einem Einkauf von über 5‘000 CHF könnte als Kontrolle vorgesehen sein, dass eine Offerte von mindestens drei verschiedenen Anbietern eingeholt werden muss.
  • Liegt bei einer Rechnung der Betrag zum Beispiel über 1‘000 CHF, müsste das Visum von mindestens zwei Personen eingeholt werden, bevor die Zahlung erfolgen kann.

Ohne solche Schwellenwerte müsste man für allzu viele kleine Bagatellfälle einen übermässigen Kontrollaufwand betreiben – und würde mit Kanonen auf Spatzen schiessen.

… Und wie sie unterlaufen werden - Das Beispiel Swatch

Ein konkreter Schwellenwert ist aber leider oft auch eine Einladung die Kontrollen zu umgehen, indem man ganz bewusst dafür sorgt, dass man unterhalb des Schwellenwertes bleibt. Das folgende Beispiel aus der Frühzeit des Schweizer Unternehmens Swatch soll diese Art der Umgehung illustrieren:

Die Tüftler, welche die Idee zur revolutionären flachen Plastikuhr hatten, brauchten für ihre Zwecke eine teure Hightech-Maschine, die rund 250‘000 CHF kostete (was in der damaligen Krisenzeit ein hoher Betrag war). Um den Kreditantrag durchzubringen, wandten die Ingenieure den folgenden Trick an: „Um kein Aufsehen zu erregen, wurde der Kredit in mehrere Tranchen aufgeteilt und die Maschine etappenweise bestellt.“ (Quelle: Jürg Wegelin: „Mister Swatch“, Nagel & Kimche im Carl Hanser Verlag, München, 2009, Seite 118).

In diesem Fall ist das ganze Manöver noch gut gegangen. Die Umgehung der internen Kontrollen war für das Unternehmen letztlich sogar segensreich. Aber dies muss eben nicht immer so sein …


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