Thomas Patt

Herr Patt, was fasziniert Sie an der Mehrwertsteuer und was hat Sie ursprünglich in dieses Fachgebiet gezogen?

Mit der Mehrwertsteuer werden wirtschaftliche Vorgänge besteuert. Um einen Mandanten beraten zu können, muss ich verstehen, was er genau macht. Welche Art von Leistungen erbringt mein Mandant? Wie sieht die Produktionskette aus? Wie sehen die Lieferwege und Zahlungskonditionen aus? Stimmen Verträge und Rechnungen mit dem tatsächlich Gelebten überein? Hinzu kommt, dass der Verbuchung der Transaktionen in der Mehrwertsteuer eine bedeutende Rolle zukommt. Man hat insofern täglich mit einem spannenden Mix aus wirtschaftlichen Vorgängen, Buchhaltung und vor allem auch Zahlen zu tun.

Bereits während meiner juristischen Ausbildung hatte ich Steuerrecht als Schwerpunktthema. Bei meinem Berufseinstig war daher mein klares Ziel, in der Steuerberatung zu arbeiten. Mangels Spezialisierung war ich offen, um welche Steuerart es gehen sollte. Aufgrund meiner Herkunft und der Parallelen im Schweizer und europäischen Mehrwertsteuerrecht habe ich dann als MWST-Berater begonnen. Rückblickend war dies für mich eine sehr gute Entscheidung, die ich nie bereut habe, da mir der ausgeprägte wirtschaftliche Fokus besonders viel Freude bereitet.

Aus Ihrer Rolle als Fachverantwortlicher «Swiss VAT» und Mitglied der Studienkommission MWST: Worin liegen die grössten Stärken der SIST-Lehrgänge (CAS/LL.M.). Wie hebt sich das SIST vom Markt ab?

Die SIST-Lehrgänge bieten eine hervorragende Möglichkeit, sich berufsbegleitend im Bereich der Mehrwertsteuer fortzubilden. Am Ende erwerben die Studierenden ein CAS-Zertifikat oder sogar mit dem «LL.M. in VAT» einen anerkannten Fachhochschulabschluss. Modulartig können sich die Studierenden in der Schweizer Mehrwertsteuer, in sektorspezifischen Besonderheiten bis hin zum internationalen Mehrwertsteuerrecht Fachwissen aneignen. Begleitet werden sie hierbei von anerkannten Mehrwertsteuerspezialisten aus der Beratung und von der Eidgenössischen Steuerverwaltung.

Welche Kompetenzen nehmen unsere Studierenden in MWST typischerweise mit und welche Karrierechancen eröffnen sich dadurch?

Erst einmal sind es natürlich die eigentlichen Fachkenntnisse, wobei Umfang und Schwerpunkte von den gewählten CAS abhängig sind. Wichtig ist aber auch die Erkenntnis, dass die Anwendung des erworbenen Mehrwertsteuerwissens nur zum richtigen Ergebnis führt, wenn man Kenntnis sämtlicher relevanten Sachverhaltsinformationen hat und diese berücksichtigt. Nach Abschluss ihrer Weiterbildung sollen die Studierenden daher über die Arbeitstechniken verfügen, ihre erworbenen Fachkenntnisse auf konkrete, auch komplexe Sachverhalte anzuwenden.

Der Nachweis fachlicherer Kenntnisse anhand von Abschlüssen und akademischen Titeln wird für das berufliche Fortkommen immer wichtiger. Im Selektionsprozess eines Bewerbungsverfahrens können sie bereits entscheidend sein, ob die Bewerberin bzw. der Bewerber die Möglichkeit erhält, sich persönlich zu vorstellen, um den Arbeitgeber auch von den fachlichen Qualifikationen zu überzeugen. Die CAS wie auch der «LL.M. in VAT» bieten hierzu eine hervorragende Möglichkeit das für eine Arbeitsstelle relevante Mehrwertsteuerwissen zu erwerben und nachzuweisen. Aber auch die unternehmensinterne Weiterentwicklung wird häufig durch fachliche Weiterbildungen und den Erwerb entsprechender Nachweise beschleunigt.

Welche Trends werden die MWST-Praxis in den nächsten Jahren prägen?

Da mit der Mehrwertsteuer wirtschaftliche Vorgänge besteuert werden, ist diese massgeblich von den wirtschaftlichen Entwicklungen geprägt. Die Digitalisierung der Wirtschaft hinterlässt beispielsweise tiefe Spuren in der Mehrwertsteuer. Dabei ist der Gesetzgeber stets bemüht, Steuerausfälle zu vermeiden und die korrekte Erhebung der Mehrwertsteuer bei inländischen wie auch ausländischen Steuerpflichtigen zu gewährleisten. Die Besteuerung von Lieferungen über Handelsplattformen bzw. «market places», welche in die Schweiz importiert werden, hat beispielsweise in jüngerer Vergangenheit mediale Aufmerksamkeit erlangt.

Zudem wird die fortschreitende Verwendung künstlicher Intelligenz das Arbeiten mit der Mehrwertsteuer fundamental verändern, beispielsweise aufgrund der Möglichkeit, massenhaft Transaktionen in kürzester Zeit analysieren und vor allem bewerten zu können.

Welche Skills sollten Studierende heute gezielt aufbauen, um für diese Entwicklungen optimal gerüstet zu sein?

Fachwissen, Kenntnisse im Umgang mit Standardsoftware wie auch Fremdsprachenkenntnisse sind natürlich Standardskills. Die Bereitschaft, sich laufend fortzubilden, sowie das Verständnis für wirtschaftliche Vorgänge sind in der Mehrwertsteuer ebenso entscheidend. Die letzte Teilrevision des Mehrwertsteuergesetzes liegt erst gut ein Jahr zurück und die nächste befindet sich bereits in der Pipeline. Hierzu kommt der Wille, sich neuen Trends zu öffnen und diese angemessen im Arbeitsalltag zu integrieren, wie z.B. der Umgang mit künstlicher Intelligenz.

Sie wechseln an die Universität Liechtenstein als Dozent: Was ist der Hauptgrund für Ihren Schritt und was nehmen Sie aus Ihrer Zeit an der Kalaidos FH mit?

Vor nun fast drei Jahren bin ich als MWST-Berater zur WeTrust Tax AG in Schaan, Liechtenstein gewechselt. An der Universität Liechtenstein hat sich für mich kurzfristig die Möglichkeit eröffnet, als Dozent die Mehrwertsteuermodule im Zertifikats- sowie Diplomstudiengang Treuhandwesen zu übernehmen. Ein Engagement vor Ort an der Universität in Liechtenstein vor zukünftigen Treuhändern ist sowohl für meine eigene berufliche Entwicklung wie auch die Wahrnehmung der WeTrust Tax AG im Land eine tolle Gelegenheit.

Aus meiner Zeit an der Kalaidos FH nehme ich natürlich erst einmal viele schöne Erinnerungen mit, an die Studierenden, die kollegiale Zusammenarbeit mit den anderen Dozierenden sowie der Studienleitung als auch der Arbeit in der Studienkommission MWST. Hinzu kommt, dass keine gehaltene Lektion einer anderen gleicht. Auch als Dozent lernt man nie aus und entwickelt sich aufgrund der Erlebnisse und Erfahrungen in den Lektionen stets weiter.

Wir bedanken uns bei Thomas Patt herzlich für sein Engagement als Dozent, Fachverantwortlicher und Mitglied der Studienkommission und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

Kalaidos Law School

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